Friedensarbeit für Mosambik
Reise einer Delegation von JLU Gießen und Instituto CAPAZ nach Mosambik – Vertiefung der wissenschaftlichen Kooperation im Themenfeld Frieden geplant
Nr. 125 • 12. August 2025
Mosambik steht selten im Blickpunkt der deutschen Öffentlichkeit. Das Land befindet sich seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975 fast durchgängig in gewaltsamen Konflikten und schwierigen Friedens- und Versöhnungsprozessen. Im Rahmen einer vom DAAD finanzierten Fact Finding Mission reiste eine Delegation der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und des Deutsch-Kolumbianischen Friedensinstituts (Instituto CAPAZ) in Bogotá zum Ende des Sommersemesters 2025 nach Mosambik, um die Möglichkeiten einer Vertiefung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit auszuloten. Das gemeinsame Ziel ist die Förderung von Frieden, nachhaltiger Entwicklung und sozialer Inklusion.
Als Vorbild dient das Instituto CAPAZ, das seit 2017 in Kolumbien in der wissenschaftlichen Begleitung des Friedensprozesses durch Forschung, Lehre, Wissenstransfer und Politikberatung tätig ist und sich in den vergangenen Jahren zu einem der Leuchtturmprojekte der deutschen Wissenschaftsdiplomatie entwickelt hat. „Die Wissenschaft hat ein großes Potenzial, Friedensprozesse mit fachlicher Expertise, der Ausbildung der kommenden Generation von Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie einer engen Zusammenarbeit mit der Politik und der Zivilgesellschaft positiv zu beeinflussen“, erklärt der Leiter der Delegation, Prof. Dr. Stefan Peters, der an der JLU die Professur für Internationale Beziehungen und Friedensforschung bekleidet und gleichzeitig das Instituto CAPAZ in Kolumbien leitet.
Die Delegationsreise fand in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Mosambik und der langjährigen Kooperationspartnerin der JLU, der Universidade Pedagógica de Maputo, statt. „Es hat sich gezeigt, dass auf solchen gewachsenen Beziehungen aufgebaut werden kann, um neue Projekte zu initiieren“, sagt Prof. Dr. Ingrid Miethe, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Kooperationsbeauftragte der JLU für Mosambik. „Gerade praxisnahe Forschung und Lehre sind besonders wichtig, um die Universitäten näher an die zentralen gesellschaftlichen Probleme heranzubringen“, ergänzt Prof. Dr. Urânio Mahanjane von der Universidade Pedagógica de Maputo.
In der Hauptstadt Maputo und in Nampula im Norden des Landes fanden Gespräche mit Vertretungen von sechs Universitäten statt: Universidade Pedagógica de Maputo, Universidade Eduardo Mondlane, Universidade Rovuma, Universidade Católica de Moçambique, Universidade de Pungue und Universidade Joaquim Chissano. Hinzu kamen Treffen mit Forschungsinstituten, Einrichtungen der Entwicklungszusammenarbeit sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Kultur.
Der mosambikanische Staatssekretär für Wissenschaft und Hochschulbildung, Edson da Graça Macuacua, begrüßte die Delegation und signalisierte Unterstützung für das Vorhaben zur engeren Zusammenarbeit im Themenfeld Frieden seitens der mosambikanischen Regierung. Die mosambikanischen Partnerinnen und Partner zeigten großes Interesse an der Arbeit des Instituto CAPAZ.
Die Nutzung gemeinsamer Potenziale stand im Fokus aller Gespräche. Prof. Peters ist überzeugt: „Die Vertiefung der Kooperation sollte – vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Herausforderungen – von besonderem Interesse für die Bundesregierung sein.“ Im Anschluss an die Fact-Finding-Mission gelte es nun, die Ergebnisse auszuwerten, konkrete Projektideen zu entwickeln und Fördergelder zu beantragen. Trotz der angespannten Haushaltslage ist Peters optimistisch: „Das Instituto CAPAZ kann als Vorbild dienen, ist jedoch keine Blaupause. In enger Abstimmung mit den Partnerinnen und Partnern müssen entsprechende Strukturen erst noch entwickelt werden. Dabei sind Themen wie Sprachenvielfalt, Religion, aber auch der Reichtum an natürlichen Ressourcen und die sehr junge Bevölkerungsstruktur in Mosambik zu berücksichtigen.“ Sein Fazit: „Eine trilaterale Kooperation würde die Arbeit der Wissenschaftsdiplomatie in der Friedensforschung auf ein neues Level heben.“
Das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut (Instituto CAPAZ)
Das Deutsch-Kolumbianische Friedensinstitut (Instituto CAPAZ) wurde als Instrument der Science Diplomacy konzipiert und widmet sich in Forschung, Lehre, Wissenstransfer und Politikberatung der wissenschaftlichen Begleitung des kolumbianischen Friedensprozesses. Dem CAPAZ-Konsortium gehören 35 kolumbianische und deutsche Universitäten bzw. Forschungseinrichtungen an. Als federführende Universität hat die JLU auf deutscher Seite die Projektleitung und Konsortialführung inne. Das Instituto CAPAZ wird vom DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amtes sowie über weitere Drittmittelprojekte finanziert. Es bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Studierenden, Medien sowie Personen und Institutionen aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft exzellente Kooperationsbedingungen.
Weitere Informationen
https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb01/professuren-forschung/professuren/peters
www.instituto-capaz.org
www.uni-giessen.de/internationales
Kontakt
Prof. Dr. Stefan Peters
Direktor des Instituto CAPAZ
Professor für Internationale Beziehungen und Friedensforschung an der JLU Gießen
Licher Straße 76, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-21151; E-Mail: stefan.peters
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