Klimapläne in Großstädten: Stadtgrün hilft, wird aber kaum genutzt
Klimastrategien ausgewertet
26. August 2026
Grünflächen könnten in Städten einen wichtigen Beitrag für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels leisten, in Klimastrategien spielen sie aber nur eine geringe Rolle. Das zeigt eine Auswertung der Klimastrategien von 25 europäischen Großstädten von Forschenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Das Team wertete rund 2.500 Einzelmaßnahmen aus. Nur 11,6 Prozent davon betrafen Grün- und Freiflächen. Die Städte setzen vor allem auf Maßnahmen zur Minderung klimaschädlicher Emissionen. Die Studie erschien im Journal „Progress in Disaster Science“.
Stürme, Starkregen, Hitze: Städte sind aufgrund dichter Bebauung, vieler Menschen und vieler versiegelter Flächen besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Städtische Grünflächen könnten hier Abhilfe schaffen, indem sie Regenwasser aufnehmen und für kühlere Temperaturen sorgen. „Obwohl die positiven Effekte von städtischen Grünflächen ausreichend erforscht und bekannt sind, schlägt sich dieses Wissen nicht konsequent in Klima-Strategiepapieren vieler Großstädte Europas nieder“, sagt PD Dr. Marcin Spyra vom Institut für Geowissenschaften und Geographie der MLU.
Die Forschenden analysierten die Planungspapiere von 25 europäischen Haupt- und Großstädten. Das Team kategorisierte die in den Plänen beschriebenen Einzelmaßnahmen nach Art, Ziel und dem Einsatz von Grün- und Freiflächen. „Positiv hervorzuheben ist, dass Klimaschutz in fast allen Stadtentwicklungsplänen ein wichtiges strategisches Thema ist und dass wir viele unterschiedliche Klima-Maßnahmen gefunden haben“, sagt Spyra. Die weiteren Ergebnisse der Auswertung: In den meisten Plänen dominieren die Maßnahmen, mit denen der Ausstoß schädlicher Klimagase reduziert werden soll. „Zwar nimmt der Anteil der Maßnahmen zu, die auf den Schutz vor den bereits jetzt spürbaren Folgen des Klimawandels abzielen. Grünflächen sind in solchen Anpassungsstrategien deutlich präsenter als in reinen Minderungsplänen. Insgesamt aber bleiben sie unterrepräsentiert“, sagt Dr. Victoria Dietze von der JLU.
Die Unterschiede zwischen den untersuchten Städten waren erheblich: Wien integriert Grün- und Freiflächen mit 30 entsprechenden Maßnahmen unter allen untersuchten Städten am häufigsten. Stockholm hingegen ist laut der Analyse die einzige Stadt ohne eine einzige solche Maßnahme. Stattdessen setzt die schwedische Hauptstadt mit Abstand am stärksten auf Maßnahmen zur Emissionsminderung. Dass es mehr Einsparmaßnahmen in den Klimaplänen gibt, führt das Team zum Teil auf die EU-Klimaziele zurück, die vor allem darauf abzielen, den Ausstoß schädlicher Klimagase zu reduzieren.
Gerade bisher versiegelte Flächen, zum Beispiel Parkplätze, haben den Forschenden zufolge ein großes Potenzial für den Umgang mit dem Klimawandel, wenn man sie umgestaltet. „Die Entscheidung darüber, wie freie Flächen in Städten genutzt werden, ist alles andere als trivial: Wir brauchen Wohnraum, Schulen und Verkehr, aber wir brauchen auch Biodiversität und funktionierende Ökosysteme“, sagt Sina Hammermeister, die die Studie im Rahmen ihrer Masterarbeit an der MLU durchführte.
Für die Studie wurden die Strategiepapiere der Städte ausgewertet, nicht deren tatsächliche Umsetzung. „Was Städte planen, ist aber eine wichtige Voraussetzung für ihr Handeln. Ohne Strategie gibt es in der Regel keine Implementierung“, so Spyra abschließend.
Publikation
Sina Hammermeister, Victoria Dietze, Marcin Spyra: Climate change strategies in selected large European cities. Specific activities and the role of urban open spaces, Progress in Disaster Science, Volume 30, 2026, 100597, ISSN 2590-0617,
https://doi.org/10.1016/j.pdisas.2026.100597
Kontakt
Dr. Victoria Dietze
Institut für Soziologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)
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