Literatur und Intersektionalität
June 10th, 2009
Katharina Luh: Literatur und Intersektionalität als neues Paradigma der Gender Studies: Ansätze einer intersektionalen Erzähltheorie am Beispiel des zeitgenössischen neuseeländischen Romans
Die Intersektionalitätstheorie, die Ende der 1980er Jahre von Kimberlé Crenshaw ursprünglich im Kontext rechtwissenschaftlicher Theorie und Praxis entworfen wurde, hat in Deutschland besonders in den letzten Jahren vermehrt Anklang gefunden. V.a. in den deutschen Geistes- und Sozialwissenschaften blickt sie auf eine mittlerweile beachtliche Tradition zurück, die sich auch in unterschiedlichsten Publikationen und der Durchführung unterschiedlichster Konferenzen manifestiert hat. In den Literaturwissenschaften hat dieses „neue Paradigma der Gender Studies“ zumindest explizit bislang aber eher wenig Beachtung gefunden. Es stellt jedoch einen durchaus fruchtbaren Ansatz dar, der mit erzähltheoretischen Annahmen verknüpft, innovative und komplexe Einblicke in Textstrukturen und Inhalte zu gewähren vermag.
Besonders die Kultur Aotearoa/Neuseelands bietet sich zur Analyse unterschiedlichster Identitätsparameter unter intersektionalen Gesichtspunkten an, werden doch down under seit Ende der 1960er Jahre unterschiedlichste kollektive Identitäten stetig ausgehandelt und diskutiert. V.a. Identitätsbausteine wie Geschlecht, Rasse, Ethnizität oder Nationalität haben dabei einen prominenten Platz in der öffentlichen Diskussion, aber ebenfalls in den Künsten und auch der Literatur eingenommen.
Inwiefern sich solche bisweilen differenz- und kongruenzerzeugenden Identitätskategorien im neuseeländischen Roman seit 1970 manifestiert haben, wie sie formal und inhaltlich umgesetzt wurden und welche potentiellen Funktionen sie dabei erfüllen können, soll daher Thema der Vorlesung sein.
Ganz genau geht es um:
1. Eine Einführung in den Begriff der Intersektionalität, dessen Entwicklungsgeschichte und theoretische Grundannahmen
2. Die theoretische und methodische Anwendbarkeit des Konzepts in den Literatur- und Kulturwissenschaften, ebenso wie seine möglichen short comings
3. Eine kurze Einführung in die neuseeländische Literatur- und Kulturgeschichte
4. sowie die praktische Illustration des Mehrwertes einer intersektionalen erzähltheoretischen Analyse anhand ausgewählter neuseeländischer Romane der Gegenwart
Being a German Phd-Student of English Literary Studies affiliated to theInternational Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) andInternational Phd-Programme (IPP) at Justus-Liebig-University Giessen since 2007 I am at present working on my thesis titled “Gendering ethnicity and ethnicising gender – Forms and functions of culturally specific manifestations of femininity and ethnicity in the New Zealand novel from 1970 to the present”. In 2006 I successfully completed my course of studies of Applied Modern Languages (English, Spanish and Portuguese) and Business Studies at Justus-Liebig-University Giessen and the University of Stirling, Scotland. Over the last 4 years I have worked as a freelance journalist, photographer and cultural events manager within various institutions and companies such as dpa-AFX financial news Frankfurt, Giramondi Giessen or Goethe-Institute Salvador da Bahia. At the GCSC I am speaker of IPP VI, the Cultural Management Consortium as well as section 2 “Literary and Cultural Theory”. In the recent past I have completed two research stays – the first being in New Zealand and the second at the Centre for New Zealand Studies in London.