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Kohlendioxid-Bilanz für kalifornischen Wein überraschend gut

Globale Transporte von Wein verursachen vergleichsweise wenig CO2-Ausstoß – Studie von Universität Gießen in Kooperation mit der San Francisco State University

Nr. 115 • 23. Juni 2016

Transport Rotwein
Typischer Rheinfrachter, der unter anderem Wein aus Übersee nach Deutschland bringt, auf der Rückfahrt nach Rotterdam. Foto: Elmar Schlich

Der Transport einer Flasche Rotwein aus Kalifornien bis zum Einzelhändler verbraucht nicht mehr Kohlendioxid als das sonntägliche Brötchenholen mit dem Auto. Dies ist das überraschende Ergebnis einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) in Kooperation mit der San Francisco State University. Demnach sind dem globalen Transport einer Flasche Zinfandel über 18.000 Kilometer vom Abfüller in Kalifornien bis zum Einzelhandel gerade einmal 200 Gramm Kohlendioxid zuzurechnen. Zum Vergleich: Pro Kopf und Jahr werden in deutschen Privathaushalten rund 4,4 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. 200 Gramm Kohlendioxid werden beispielsweise frei, wenn ein privater PKW eine Strecke von nur 1,4 Kilometer zurücklegt. Das könnte die Fahrt zum Briefkasten sein, der Schulweg der Kinder oder das sonntägliche Brötchenholen mit dem Auto.

Deutsche Weintrinker legen großen Wert auf Wein aus Erzeugerabfüllung, kaufen also vorzugsweise Wein, der bereits beim Winzer in Glasflaschen abgefüllt wird. Aber nur etwa ein Drittel des hierzulande getrunkenen Weins stammt von deutschen Winzern, zwei Drittel müssen zur Deckung des Bedarfs importiert werden, vornehmlich aus Frankreich, Italien, Spanien. Etwa zehn Prozent des deutschen Weinkonsums kommen inzwischen aus Übersee. Dabei wird nicht nur der Wein, sondern auch die mehr als 600 Gramm schwere Glasflasche rund um den Globus transportiert.

Globale Transporte stehen in Deutschland eher im Ruf, besonders klimaschädlich zu sein. Infolge der Klimadebatte boomen im Lebensmitteleinzelhandel so genannte „Regionale Produkte“. Kurze Wege suggerieren beim Kunden Klimafreundlichkeit. Andererseits sprechen Logistikunternehmen von großen Fortschritten in der Effizienz der globalen Transportketten, wobei diese für die Deckung des deutschen Bedarfs an Lebensmitteln auch zwingend gebraucht werden.

Prof. Susan Cholette, San Francisco State University, und Prof. Dr. Elmar Schlich, Professor für Prozesstechnik in Lebensmittel- und Dienstleistungsbetrieben an der JLU, sind wissenschaftlich der Frage nachgegangen, wieviel Kohlendioxid tatsächlich für den Transport einer Flasche kalifornischen Weins nach Deutschland zu Buche schlägt. Bei Lebensmitteln – und dazu zählt auch der kalifornische Wein – gilt das Prinzip der Rückverfolgbarkeit. Jeder Akteur in einer Logistikkette dokumentiert das Woher und das Wohin einer Ware. Daher ist es mit einem vertretbaren Aufwand möglich, die Transportkette eines kalifornischen Weins in einzelne Bestandteile zu zerlegen und deren jeweilige CO2-Emission zu analysieren.

Untersucht wurde die Transportkette einer bestimmten Marke eines typischen kalifornischen Zinfandel, der auch im deutschen Lebensmittelhandel zu finden ist. Dieser Wein durchläuft folgende Transportstafette:

•    Flaschenabfüllung beim Weinbaubetrieb in Acampo, San Joaquin County, Kalifornien und sechs Kilometer Transport per LKW (Beladung mit 4.704 Flaschen) zum Ravenswood-Distribution-Center in Lodi, San Joaquin County, Kalifornien;
•    Beladung eines 20´-PANAMAX-Containers mit insgesamt 12.768 Flaschen und 140 Kilometer LKW-Transport des Containers zum Port of Oakland, Kalifornien;
•    17.283 Kilometer Seetransport des Containers von Oakland über Panama zum Europoort Rotterdam, Niederlande;
•    Umladung des Containers auf ein Rheinschiff und 487 Kilometer Transport nach Mainz sowie
•    152 Kilometer LKW-Transport des 20-Fuß-Containers von Mainz bis zum Weinhändler nahe Koblenz.

Die Gesamtstrecke, die dieser Wein vom Erzeuger in Kalifornien bis zum Weinhändler in Deutschland zurücklegt, beträgt 18.068 Kilometer. Dabei kommen verschiedene Transportmittel zum Einsatz, deren Treibstoffverbrauch, Beladungsmengen und Leerfahrten beziehungsweise Auslastungsgrade in die Bilanz einfließen.

Die genannten Ergebnisse entstammen einer unmittelbaren Datenerhebung bei den beteiligten Transport- und Handelsunternehmen. Öffentlich zugängliche Datenbanken zur CO2-Kalkulation wie etwa CarbonCalc (2015) und EcoTransitWorld (2015) kommen mit 216 Gramm beziehungsweise 193 Gramm CO2 pro Flasche zu ähnlichen Ergebnissen, so dass im Mittel von 200 Gramm Kohlendioxid pro Flasche für den globalen Transport auszugehen ist.

Nicht in diesen Ergebnissen enthalten ist zum einen die Weinerzeugung selbst, die in einem kalifornischen Großbetrieb mit etwa 100 Gramm CO2 pro Flasche zu Buche schlägt. Zum anderen fehlt die CO2-Emission für den Weg des deutschen Endverbrauchers zum und vom Einkauf. Dieser Anteil beträgt laut früheren eigenen Studien im Mittel zusätzlich noch einmal 390 Gramm Kohlendioxid pro Flasche. Wie bereits bei früheren Untersuchungen nachgewiesen (etwa zur CO2-Bilanz von Äpfeln aus Übersee), so dominiert auch hier der Anteil des deutschen Endverbrauchers: Die wenigen letzten Kilometer, die der kalifornische Wein auf seinem Gesamtweg von der Erzeugerabfüllung bis zum Endverbraucher zurücklegt, verursachen mehr als die Hälfte der gesamten CO2-Emission.

In den Bereichen Anbau, Kellerwirtschaft und Abfüllung sowie bei den globalen Transporten zeigt sich hingegen der Einfluss von Skaleneffekten: Ausreichend große Betriebe und Transportmittel sind aufgrund ihrer Effizienz nicht nur ökonomisch, sondern auch in der Klimabilanz deutlich überlegen. Die Studie wird in diesen Tagen auf der Konferenz der Weinökonomen in Bordeaux (21.-25. Juli 2016) vorgestellt.

  • Kontakt


Professur für Prozesstechnik in Lebensmittel- und Dienstleistungsbetrieben
Telefon: 0261 1332855

 

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041

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