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Interdisziplinärer Workshop Data Collection and Visualization of Networks in History and Culture

Interdisziplinärer Workshop Data Collection and Visualization of Networks in History and Culture

Over the last decade, network analysis has made its way from a fringe theory to an established albeit minor methodology in historical research that goes beyond a purely metaphorical use of the term "network". A substantial number of studies on different topics and periods have shown that network theories and formal network methods developed in other disciplines can be fruitfully applied to various bodies of historical sources. Recognizing the growing importance of digital research tools and methods in the humanities and social sciences, the workshop aims at exploring the potential of processing and visualizing network data for the broader field of the study of history and culture. The speaker, Dr. Martin Stark (Hamburg/Aachen), is specializing in network theories and the development of digital tools for historical research. He will host a two-part-series of events. On the first day, Dr. Stark will introduce his research and relevant concepts, methods, and theories in the framework of a public lecture, followed by a discussion. On the second day, Dr. Stark will hold a hands-on workshop, which aims at providing registered participants the possibility to adapt the digital methods presented in the lecture via applying open source tools to their own research questions and projects. With Dr. Stark’s assistance, each participant is invited to bring his or her own research data and use the findings to visualize the implicit historical networks.

The workshop, a collaboration between the GCSC, the Herder Institute and the ZMI, is open to all graduate students, researchers, and staff interested in digital history. No prior knowledge of digital history is required. Participants are expected to bring their own laptops. Material to process will be provided, but individual findings can be used, too. Please indicate your preference in your registration email. In order to register, please send a short email summarizing your study/research interests and motivation to participate in this workshop by November 5, 2017, to victoria.harms@herder-institut.de. This informal email will only be used to better service your needs.

Zeit/Ort:

Mittwoch, 15. November 2017 (17.00-19.00 Uhr): Öffentlicher Vortrag "Historical Network Research: The Case of a Rural Credit Market in the 19th Century" (Ort: Multifunktionsraum des GCSC, Alter Steinbacher Weg 38, 35394 Gießen, in Kooperation mit dem Oberseminar zur Neueren und Neuesten Geschichte).

Donnerstag, 16. November 2017 (9.30-16.00 Uhr): Workshop "Data Collection and Visualization of Networks in History and Culture" (Herder-Institut Marburg).

Den Flyer mit dem kompletten Programm finden Sie hier.

(05.10.2017, Katharina Monaco)

Bericht: Filmaufnahmen als Zeitmaschine?

Filmaufnahmen als Zeitmaschine?

Rückblick auf die Summerschool der Fachjournalistik Geschichte

Schützengräben des Ersten Weltkriegs, das Winterpalais im Oktober 1917, das Warschauer Ghetto, der Nürnberger Gerichtssaal, ein DDR-Schlafzimmer: historische Filmaufnahmen entführen uns in vergangene Welten. Sie suggerieren Augenzeugenschaft und entfalten Wirkung, und dies selbst wenn die Betrachterin weiß, dass das Geschehen gestellt und die dokumentarische Anmutung des Materials künstlich erzeugt wurde. Was also können Historikerinnen und Historiker mit solchen bewegten Bildern anfangen? Wie kön­nen sie im Hinblick auf ihren Entstehungsprozess, ihre Machart, ihre Wirkung dekonstruriert und zu­gleich als historische Quellen für vergangene Gesellschaften genutzt werden? Um diese Frage kreiste die Summer­school Historische Filmaufnahmen als Zeitmaschine?, die vom 28. 8. bis zum 1. 9. 2017 an der Justus-Liebig-Universität Gießen stattfand. Eingeladen hatten der Arbeitsbereich Fachjournalistik Geschichte am Histori­schen Institut und das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI).

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Foto: Ulrike Weckel, Christina Benninghaus, Thomas Lindenberger (v.l.n.r.)
Den Masterstudierenden und DoktorandInnen aus Gießen, Berlin, Jena und Wien bot sich ein Programm, das ganz unterschiedliche Ansätze der historischen Forschung zu und mit Filmen präsentierte. Nachdem Ulrike Weckel und Christina Benninghaus die TeilnehmerInnen begrüßt und das Konzept der Summerschool vorgestellt hatten, nutzte Thomas Lindenberger seinen Eröffnungsvortrag für einen konzisen Überblick über Potentiale der historischen Arbeit mit Filmen. Lindenberger unterschied dabei gesellschaftsgeschichtliche, archivwissenschaftliche und geschichtskulturelle Fragen, drei Dimen­sionen, die für die weitere Summerschool eine wichtige Rolle spielten. Wie Lindenberger darstellte, ver­danken sich die Anfänge des Films und die Entwicklung des Kinos der technischen Innovationskraft und der sozio-kulturellen Situation des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Frühe Filmvorführungen waren Teil einer kommerziellen Unterhaltungskultur, die immer auch von den Interessen des Publikums geformt wurde. An zeitgenössicher Kritik mangelte es nicht. Die insbesondere von kirchlicher Seite initiier­ten Informationsdienste sowie staatliche Zensurmaßnahmen produzierten Materialien, die heute wichtige historische Quellen für den frühen Film und seine damalige Wahrnehmung darstellen. Mit Verweis auf Siegfried Kracauer hielt Lindenberger an der Grundüberlegung fest, dass die Analyse von Spielfilmen, ihrer Entstehung und Rezeption Einblicke in die Befindlichkeit der jeweiligen Gesellschaft ermöglichen, dass sich gerade im kommerziell erfolgreichen Film bestehende Ängste und Wünsche und geteilte, zeitgenössisch selbstverständliche Vorstellungen zeigen. Aus gesellschaftshistorischer Sicht stellen Filme und ihre Rezep­tion damit eine für das 20. Jahrhundert geradezu unverzichtbare Quelle dar. Dies gilt in besonderem Maße für Dokumentarfilmaufnahmen, in denen – jenseits der Konstruktionsabsichten und Perspektiven der Filmemacher – eine außerfilmische Realität Spuren hinterlassen hat.

Dass Filme auch ein wichtiges Medium der Geschichtsdarstellung sind, wurde an dem von Thomas Linden­berger im Rahmen eines Workshops näher vorgestellten Film Oktjabr (Oktober) von Sergei Eisenstein deutlich. Bei Eisensteins Film handelt es sich um ein mittlerweile in rekonstruierter Fassung vorliegendes Meisterwerk der Stummfilmzeit. Obwohl der zum 10. Jahrestag des Sturzes der Provisorischen Regierung gedrehte Film ganz offensichtlich mit aufwändigen filmischen Mitteln arbeitet und eine kunstvoll kompo­nier­te Erzählung anbietet, werden Teile der Filmaufnahmen bis in die Gegenwart als dokumentarische Aufnahmen missverstanden. Dies ist insofern verständlich, als Eisenstein manche historische Ereignisse – etwa die Schüsse auf die Aufständischen auf dem Petrograder Newski-Prospekt im Juli 1917 – im Rückgriff auf Fotografien sorgfältig reinszenierte. Zugleich aber stiftete er, so Lindenberger, mit der im Zentrum

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Foto: Thomas Lindenberger
des Films stehenden Erstürmung des Winterpalais einen bis heute wirkungsvollen Mythos. In Anlehnung an John Reeds dramatische Schilderung Ten days that shook the world schuf Eisenstein eine bildgewaltige Darstellung der Erstürmung des Winterpalais, die es in dieser Form nicht gegeben hat, handelte es sich bei der Ablösung der Provisorischen Regierung durch die Bolschewiki im Oktober 1917 doch eher um einen wenig spektakulären Staatsstreich, bei dem die Revolutionäre, statt Barrikaden zu überwinden, durch offene Hintertüren in das Winterpalais eindringen konnten.

Von Eisenstein benutzte Formen der Authentifizierung – das Drehen an Orginalschauplätzen, die Arbeit mit Schauspielern, die den historischen Protagonisten ähnlich sehen, das Nachstellen von historischen Foto­grafien – sind bis heute wichtige Elemente des historischen Spielfilms, wie sich aktuell z.B. in Dunkirk oder Der Stern von Indien beobachten lässt. Wie Lindenberger herausstellte, wenden sich solche Filme immer an das Publikum ihrer Entstehungszeit und werden notwendigerweise im Lichte der jeweils gegenwärtigen Problemkonstellationen gesehen. HistorikerInnen seien dabei, so Lindenberger, zwar als Experten gefragt, wenn es um die historische Korrektheit des Films gehe, wichtiger sei aber ihre Expertise in Sachen Geschichtspolitik und Erinnerungskultur. Da Filme das Geschichtsbewusstsein oft stark beeinflus­sen, muss die Geschichtsdeutung, die sie anbieten, kritisch diskutiert werden. Nicht die Korrektheit im Detail, sondern die Quintessenz, die der Film anbietet, seine Interpretation des damaligen Geschehens und die dabei gewählte Perspektive sollten im Zentrum der Auseinandersetzung stehen. Spielfilme wollen und müssen ihr Publikum erreichen. Ihnen die Verdichtung historischer Abläufe, die Erfindung fiktiver Charak­tere oder auch die Erzeugung von Spannung oder Melodramatik vorzuwerfen, führt nicht weit. Gefragt wer­den kann aber, wessen Geschichte aus welcher Perspektive erzählt wird, inwieweit dabei auch ver­steckte Deutungen angeboten werden und wem eigentlich die Macht zugeschrieben wird, Geschichte zu machen und die Wirklichkeit zu verändern.

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Foto: Ulrike Weckel, Anja Horstmann, Teilnehmerinnen der Summerschool (v.l.n.r.)
Die Frage nach ideologischen Zielen und ihrer Umsetzung in filmischen Narrativen stellt sich in besonderem Maße für Propagandafilme. Anja Horstmann widmet sich in ihrer Dissertation dem Filmfragment Ghetto aus dem Frühjahr 1942. Im Filmmaterial wird eine bestimmte Sicht auf das Leben im Warschauer Ghetto konstruiert und dabei mit einer Mischung aus inszenierten und vorgefundenen Situationen gearbeitet. Bestimmte Aspekte – etwa die auf zeitgenössischen Fotografien ins Bild gesetzte Arbeit in den Ghetto-Werkstätten – blieben dabei ausgeklammert. Die Aufnahmen wurden, wie Horstmann zeigte, offensichtlich zu propagandistischen Zwecken gedreht und montiert. Der Film sollte belegen, dass die im Ghetto zusam­men­gepferchten Juden eines solidarischen Umgangs miteinander unfähig seien und statt dessen eine unmenschliche Klassengesellschaft errichtet hätten, in der wohlhabende Juden ein angenehmes Leben führten, während auf den Straßen des Ghettos Menschen verhungerten.

Über die Entstehung der Filmaufnahmen ist durch die Tagebuchaufzeichnungen des "Judenältesten" Adam Czerniakow einiges bekannt. Unklar ist jedoch, warum der Film nicht fertiggestellt wurde. Dafür können Zufälle bzw. mangelnde Ressourcen verantwortlich gewesen sein. Vielleicht – so Horstmann – wurde er auch nicht mehr gebraucht, weil die Deportationen aus dem Reich bereits abgeschlossen waren und das Regime kursierenden Gerüchten über das Schicksal der Deportierten nicht weitere Nahrung geben wollte. Vielleicht gab es aber auch Zweifel an der Überzeugungskraft des Films. Als Propagandafilm konnte er nur funktionieren, wenn es gelang, beim Publikum jegliches Mitleid mit verhungernden Juden auszuschalten. Andere nationalsozialistische Filme wie Opfer der Vergangenheit forderten dazu auf, Menschen mit geisti­gen und physischen Behinderungen mit Ekel zu betrachten. Wäre dies – unterstützt durch Montage, Text und Musik – auch für den Blick in die Augen der dem Hungertod nahen Menschen gelungen? Ein von Horstmann angeregter Vergleich mit 1941 in der Berliner Illustrierten Zeitung veröffentlichten Fotografien zeigt, dass das Narrativ der zu Mitmenschlichkeit unfähigen reichen Jüdinnen und Juden auch dort bedient wurde. Die Verstörung, die der Film bei der heutigen Betrachterin auslöst, der die Gesichter der Sterbenden im Gedächtnis haften bleiben, findet keine Entsprechung in den kleinformatigen Bildern aus der BIZ. Der Film, so könnte man im Rückgriff auf den von Lindenberger zitierten Marc Ferro argumentieren, eröffnet hier Sichtweisen und Einblicke, die sich von den Filmemachern nur bedingt kontrollieren ließen. Vielleicht war auch dies ein Grund, warum der Film nicht fertiggestellt wurde.

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Foto: Michaela Scharf (l.)
Filme werden für ein Publikum gedreht. Bei den ambitionierten Amateurfilmen, die Michaela Scharf vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte und Gesellschaft in Wien für ihr Dissertationsprojekt analysiert, bestand dieses Publikum aus dem Familien- und Freundeskreis und eventuell auch aus Mitgliedern eines Filmclubs. Die soziale Praxis des Freizeitfilmens war komplex. Sie entwickelte sich auf der Grundlage von veränderten technischen Möglichkeiten – dem sich wandelnden Angebot an (erschwinglichen) Schmalfilmkameras –, im Rückgriff auf Anleitungen und im Kontext von Diskursen und Sehgewohnheiten, die ihrerseits vermutlich vom kommerziellen Film und professionellen Dokumentarfilm beeinflusst wurden. Unter ambitionierten Amateurfilmen versteht Scharf dabei solche Filme, die nachbe­arbeitet wurden, also durch Schnitt, Ton, Texttafeln, Trickfilmelemente u. ä. und somit zeigen, dass hier ein vorzeigbares Endprodukt erzeugt werden sollte. Thematisch widmen sich solche Filme der eigenen Familie, dem Wohnviertel oder dem Betrieb, sie zeigen Reisen und tagesaktuelle Ereignisse. Es finden sich aber auch Amateurspielfilme mit fiktiven Charakteren und Handlungen. In ihrer dokumentarischen Qualität laden die Filme zu einer doppelten historischen Lesart ein. Einerseits zeigen sie Bilder einer uneinholbar vergangenen materiellen Realität. Andererseits müssen sie als Kompositionen gesehen werden, in denen – beeinflusst durch zeitgenössische Diskurse und Anleitungen – ganz bestimmte Ausschnitte dieser Realität in bestimmter Perspektive auf Filmmaterial festgehalten wurden. Aus Sicht des Filmamateurs bzw. der Film­amateurin eröffnete die Praxis des Filmens damit seit den 1920er Jahren neue Möglichkeiten der Selbst­darstellung: als nüchterner Chronist, als Flaneur, Naturbeobachter, Liebender, Erziehender etc. Die Art der Selbstinszenierung konnte dabei auch dezidiert politische Formen annehmen, wie etwa in dem von Scharf vorgestellten Film Urlaub 1938, in dem sich ein bürgerliches österreichisches Paar als überzeugte National­sozialisten präsentiert: Fasziniert von der Grandezza von Reichsautobahn und Brücken, die ausführlich abgefilmt werden, und zu Besuch in Berchtesgarden, das Auto geschmückt mit kleiner Hakenkreuzfahne.

Mit der Produktion von Filmen gehen Kommunikationsabsichten einher. Sie können informieren, indoktri­nie­ren, unterhalten, verstören, berühren, die Fantasie beflügeln. Ob sie intendierte Wirkungen erreichen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Ulrike Weckel interessiert sich seit vielen Jahren dafür, wie das Publikum in medienhistorischen Arbeiten untersucht werden kann. In ihrem Workshop ging es um Filme, die Aufnahmen aus befreiten Konzentrationslagern zeigten und von den Alliierte in der unmittelbaren Nachkriegszeit eingesetzt wurden, um Deutsche mit den Greueltaten der NS-Zeit zu konfrontieren. Als der Film Die Todesmühlen Anfang 1946 für eine Woche in den 52 Kinos des amerikanischen Sektors von Berlin gezeigt wurde, sorgte das scheinbar geringe Interesse der Einwohner für Empörung. Nur eine Minderheit der Berliner sah sich den Film freiwillig an. In einem von der amerikanischen Militärregierung lancierten Artikel im Tagesspiegel wurden die einer Schätzung zufolge rund 75% der erwachsenen Berliner Bevölke­rung, die sich den Film nicht angesehen hatten, beschuldigt, nach wie vor dem Nationalsozialismus anzu­hängen und "Angst vor der Wahrheit" zu haben. Leserbriefe zeigten, dass die Motivlagen jedoch vielfältig waren und es unterschiedliche Gründe gab, weshalb sich Menschen den Film nicht ansehen wollten. Ebenso wie zeitgenössische Filmbesprechungen in der Presse erweisen sich diese Leserbriefe als weitaus aufschlussreicher als die ebenfalls vorliegenden Befragungen des Kinopublikums, die von amerikanischer Seite mithilfe von Fragebögen durchgeführt wurden. Letztere zeigen vor allem, wie groß die Hoffnung der Amerikaner war, dass die Filmaufnahmen zu einem Umdenken führen würden. Historische Rezeptionsfor­schung, so könnte man Weckels Fallbeispiel vielleicht verallgemeinern, findet immer in einem Spannungs­verhältnis statt. Auch scheinbar neutrale Erhebungsinstrumente spiegeln die Erwartungen der Meinungs­forscher wider, deren Vorurteile den Mediennutzerinnen und -nutzern vermutlich nicht verborgen blieben. Und auch der Blick der Historikerin auf das historische Material ist von ihrem Wissen um die spätere Ent­wicklung und ihren eigenen Sehgewohnheiten beeinflusst.

Dieses Spannungsverhältnis wurde auch im Workshop von Anja Laukötter deutlich, der sich dem Film Mann und Frau intim von 1984 widmete. Teil eines großen Quellenkorpus zur Sexualaufklärung im Film des 20. Jahrhunderts, ist dieser Film insofern außergewöhnlich, als er in der Spätphase der DDR mit erheblichem Aufwand produziert und breit rezipiert und diskutiert wurde. Zeitgenössischen Umfrageergebnissen zufolge wurde der Film vom Publikum überwiegend als gelungen eingestuft, auch wenn die befragten Zuschauerin­nen und Zuschauer keineswegs das Gefühl hatten, der Aufklärung in sexuellen Dingen zu bedürfen, und obwohl viele eine noch freizügigere Darstellung der Sexualbeziehung bevorzugt hätten. Die filmische The­ma­tisierung möglicher Probleme in einer modernen Paarbeziehung griff eher bereits vertraute, milieu­spezifische Überzeugungen auf, nämlich dass befriedigende Sexualität des offenen Gesprächs zwischen den Partnern bedürfe. Hier ließe sich gut an allgemeinere Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Medien­nutzung und Wertewandel anknüpfen. Ähnlich wie Weckel, arbeitet auch Laukötter mit zeitgenössischen Meinungsumfragen, die allerdings höchstens indirekt Rückschlüsse darauf zulassen, welche Wirkung der Film tatsächlich entfaltete. Sie zeigen aber zumindest die in den Film gesetzen Erwartungen und das Bestreben, eine spezifisch sozialistische Form der erfüllten Paarbeziehung von westlichen Verhältnissen abzugrenzen.

Auf eine heutige Betrachterin wirkt Frau und Mann intim befremdlich und antiquiert, was aber die gedank­liche Beschäftigung mit den im Film aufgeworfenen Fragen ebenso wenig ausschließt, wie ein Berührt­werden durch die erotischen Passagen am Filmende. In der Diskussion wurde rasch deutlich, dass die spon­tane Rezeption des Films stark von individuellen Erwartungen, vielleicht auch Sehgewohnheiten abhängig ist, die bei der historischen Analyse mitreflektiert werden müssen. Kontextualisierung über zeit­genössische Materialien zur Entstehung des Films und zu Zuschauerreaktionen einerseits, Vergleich mit anderen zeitge­nössischen Aufklärungsfilmen andererseits, erwiesen sich als notwendige und effektive historische Arbeits­schritte, um zu einer intersubjektiven Deutung des Films und seiner Wirkung zu gelan­gen.

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Foto: Jan Peter, Ulrike Weckel (v.l.n.r.)
Anders als Texte, die in publizierter Form zwar auch auf der Arbeit von VerlegerInnen und LektorInnen ba­sieren, aber in ihren großen Mehrheit doch deutlich einem Autor bzw. einer Autorin zugeschrieben werden können, sind Filme in hohem Maße Gemeinschaftsprodukte. Sie entstehen unter Kostenzwängen und Zeit­druck und machen Kompromisse notwendig. Filme profitieren von der Kreativität und Intelligenz einer Grup­pe von Filmschaffenden und reflektieren dabei notwendig stattfindende Aushandlungsprozesse. Faszinierende Einblicke in die professionelle Praxis bei heutigen Fernsehproduktionen bot der Workshop mit Jan Peter, dessen Miniserie 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs sicher zum Besten zu zählen ist, was Geschichtsfernsehen derzeit anzubieten hat. Die Serie, deren Fortsetzung für die Zwischenkriegszeit in Vor­bereitung ist, stellt den Ersten Weltkrieg aus erfahrungshistorischer Perspektive dar. Dabei stehen die Le­benswege einer international, generationell und sozial gemischten Gruppe von Tagebuchschreiberinnen und Tagebuchschreibern im Mittelpunkt. In einer Mischung aus kunstvoll collagierten historischen Film­aufnahmen und Reenactment wird gezeigt, wie sich der Erste Weltkrieg in das Leben von Menschen ein­schrieb. Deren Schicksale, ihre Handlungen, Interpretationen und Erfahrungen stehen im Zentrum der Darstellung. Ausgewählt wurden dabei Persönlichkeiten, die auch unter den Bedingungen des Krieges die Fähigkeit behielten, sich als als erkennendes, oft auch handelndes Subjekt zu entwerfen.

In einer beeindruckenden Mischung aus Reflexivität, Selbstbewusstsein und Offenheit, dabei frei von jeder Selbstverliebtheit, gewährte Jan Peter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Summerschool Einblicke in die konzeptionellen Überlegungen, die Arbeitsprozesse und Entscheidungen, die der Entstehung von 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs zugrunde liegen. Zwei Vergleiche erwiesen sich als überaus fruchtbar, um besser zu verstehen, wie die Serie Geschichte erzählt und mit dem historischen Material – den Egodoku­menten und dem historischen Filmmaterial aus Spiel- und Dokumentarfilmen – umgeht: So arbeiten die deutsche und die englische Fassung der Serie mit unterschiedlichen Erzählformen. Während die deutschen Zuschauer über kurze Zusammenschnitte historischen Materials von einem Erzähler in die jeweilige histo­rische Situation eingeführt werden, kommt die BBC-Fassung ganz ohne solche Erklärungen aus. Beim zwei­ten Hinsehen zeigt sich jedoch, dass auch hier nicht nur direkt aus historischen Selbstzeugnissen zitiert wird, sondern dass den Tagebuchschreiberinnen und -schreibern Erklärungen in den Mund gelegt werden, die für ein heutiges Publikum notwendig erscheinen.

Ein zweiter Vergleich, nämlich zwischen Passagen aus den Kriegstagebüchern Ernst Jüngers, der literari­sierten Darstellung seiner Erlebnisse in In Stahlgewittern und der entsprechenden Filmszene zeigte, wie die Filmemacher Selbstdarstellung und Erinnerung in Spielfilmszenen überführt und dabei mehrere Passagen in einer Szene verdichtet haben. Dabei entstanden ist ein Portrait, das, so authentisch es auf den Zuschauer auch wirkt, eben genau dieses ist: ein mit filmischen Mitteln gestaltetes Portrait, das die Handschrift des Porträtierenden trägt und – so durchdacht es auch sei mag – eine immer auch hinterfragbare Deutung der historischen Figur anbietet.

Historisches Arbeiten mit und über Filme ist auf Quellen angewiesen. Deren Erhalt ist alles andere als selbstverständlich. Wie Ines Bayer vom Deutschen Filminstitut Frankfurt erklärte, entstanden die ersten Filmarchive, als am Ende der 1920er Jahre von Stumm- auf Tonfilm umgestellt wurde und Stummfilme damit kommerziell wertlos wurden. Gegenwärtig ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, insofern analog gedrehte Filme in vielen Kinos nicht mehr vorgeführt werden können. Die Digitalisierung des Film­erbes des 20. Jahrhunderts lässt jedoch auf sich warten. Wie bei einer Führung im Filmarchiv in Wiesbaden deutlich wurde,  gibt es Unmengen von Filmen, die teils als Negativ, teils in (mehreren, in Qualität und Schnitt unter Umständen voneinander abweichenden) Kopien vorliegen. Wie viele der älteren Filme tat­sächlich noch vorhanden sind, ist gerade für den deutschsprachigen Raum schwer festzustellen, da es kein zentrales Filmarchiv gibt. Während Filme in der DDR systematisch gesammelt und aufgehoben wurden, gibt es in der Bundesrepublik keine Pflichthinterlegung, wie diese für Bücher seit 1913 besteht. Wichtige Be­stän­de lagern im Bundesarchiv, in der Deutschen Kinemathek und im Deutschen Filminstitut (DIF). Dessen Film- und Nachlassarchiv war Ziel einer Exkursion, die die Summerschool abschloss. In Gesprächen mit Michael Schurig und Isabelle Bastian wurde deutlich, unter welchen Bedingungen diese Archive arbeiten. Ziel des DIF ist dabei einerseits die Bewahrung des Filmerbes. Aufgehoben werden nicht nur Spielfilme, sondern auch dokumentarisches Filmmaterial, Amateurfilme und Gebrauchsfilme, wie z.B. Werbefilme. Das Filmarchiv sammelt darüber hinaus für die Forschung zur Filmgeschichte zentrale Materialien, die die Ent­stehung, die Vermarktung und den Konsum von Filmen betreffen. Dazu gehören die Nachlässe von Schau­spielerInnen und RegisseurInnen, die Unterlagen von Produktionsfirmen, Kinoplakate und Werbehefte, Filmzeitschriften und Starpostkarten ebenso wie Kostüme, Modelle und andere dreidimensionale Objekte. Beim Gespräch mit den Archivarinnen und Archivaren wurde rasch deutlich, dass hier noch viele Schätze zu heben sind. Schon während der Diskussion entstanden erste Ideen für Screenings unbekannter Filme und für Forschungsprojekte.

Die Summerschool schloss mit einem Besuch des Filmmuseums in Frankfurt, wo die Kuratorin Stefanie Plappert in die Konzeption der Dauerausstellung einführte. Filmvermittlung – durch die Filmvorführung im hauseigenen Kino, durch Filmverleih und Festivals, und durch eine faszinierende Dauerausstellung – gehört zu den Kernaufgaben des DIF. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Summerschool zeigten sich von der Ausstellung zum filmischen Erzählen begeistert.

Die Summerschool bot, dies lässt sich abschließend feststellen, ein facettenreiches Bild des Arbeitens mit und über Film. Alle Referentinnen und Referenten ließen sich darauf ein, Einblicke in ihre eigene wissen­schaftliche Praxis zu gewähren und dabei auch Schwierigkeiten im Umgang mit dem historischen Quellen­material zu diskutieren. Den Studierenden wurden neben interessanten Filmbeispielen auch archivalische Quellen zugänglich gemacht, die für das jeweilige Forschungsprojekt von Bedeutung waren.

Die Digitalisierung macht es heute möglich, Filme nicht nur als historisches Material im Archiv zu analysie­ren, sondern sie auch im Rahmen von Vorträgen und Publikationen über Filmstills oder Ausschnitte zu präsentieren. Damit ist es heute auch deutlich einfacher, über Filme zu arbeiten, die unbekannt und dem Publikum deshalb nicht präsent sind. Eine vollständige Rekonstruktion vergangener visueller Universen ist nicht möglich, aber gerade über Kontextualisierung und Vergleich lassen sich die Sehgewohnheiten der Vergangenheit heute sehr viel besser rekonstruieren als noch vor wenigen Jahren. In der historischen Forschung wird es damit möglich, den Menschen des 20. Jahrhunderts deutlicher denn je als Augentier zu verstehen: informiert, unterhalten, schockiert, gelangweilt und bewegt, manchmal wohl auch geprägt oder zumindest beeinflusst von bewegten Bildern.

(Christina Benninghaus)

Filmaufnahmen als Zeitmaschine?

Filmaufnahmen als Zeitmaschine? - Summerschool für Masterstudierende der Geschichte


Historische Filmaufnahmen geben uns das Gefühl, in die Vergangenheit einzutauchen, sie miterleben zu kön­nen, dabei und vor Ort zu sein. Sie stellen faszinierende Quellen dar und bilden eine unverzicht­bare Ressource für historische Dokumentarfilme. Die zunehmende Digitalisierung hat den Zugang zu historischem Filmmaterial deut­lich vereinfacht. Doch stellen sich bei der Analyse und Verwendung historischer Filme vielfältige metho­dische Fragen. Die Summerschool "Filmaufnahmen als Zeitma­schi­nen?" bietet in täglichen Workshops mit wechselnden Referentinnen und Referenten Einblicke in deren eigene historischen Arbeiten mit Filmen. Sie wendet sich an Studierende der Geschichtswissenschaft aus dem In- und Ausland.

Die vom 28. August bis zum 1. September 2017 stattfindende Summerschool führt anhand von thematisch vielfältigen Workshops in die geschichtswissenschaftliche Arbeit mit Filmen ein. Prof. Ulrike Weckel (Sprecherin ZMI-Sektion 4), Prof. Thomas Lindenberger (Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam), Dr. Anja Laukötter (Max-Plank-Institut für Bildungsforschung, Berlin) und Anja Horstmann (Universität Gießen) zeigen, wie sie in ihrer Forschung Filme, deren Entstehung, Zirkulation und Rezeption analysieren und auf diese Weise neue Perspektiven auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts eröffnen. Der Filmemacher Jan Peter (14-Tagebücher des Ersten Weltkriegs) gewährt Einblicke in die Verwendung von historischen Filmaufnahmen im narrativen Doku-Drama.

Neben zuvor angemeldeten Teilnehmern ist die Veranstaltung auch für Gäste geöffnet, die nur einem Teil des Programms beiwohnen möchten.

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

(Thea Rathmann, 25.08.2017)

Zum Nachhören: Prof. Sascha Feuchert bei Deutschlandfunk Kultur

Zum Nachhören: Prof. Sascha Feuchert bei Deutschlandfunk Kultur

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Foto: Piotr Banczerowski
In der Sendung Lesart von Deutschlandfunk Kultur sprach Prof. Sascha Feuchert (ZMI-Sektion 4) am 20. Juni 2017 über die neu eingerichtete Professur zu Holocaust- und Lagerliteratur, die an der JLU Gießen angesiedelt ist. Außerdem gab er Einblick in seinen Werdegang und wie sein Interesse für Holocaust- und Lagerliteratur entstand. Während eines Auslandssemesters in Polen fand er Teile der Getto-Chronik Łódź/Litzmannstadt, die ihn tief beeindruckten und die ihn zur Herausgabe der ersten deutschen Edition der Chronik des Gettos Łódź /Litzmannstadt bewegten.
Das letzte JahrDie Aufzeichnungen Das letzte Jahr der Łódźer Getto-Chronik wurden vom Hessischen Rundfunk vertont und in einer einjährigen Sendereihe mit dem gleichnamigen Titel ausgestrahlt. Täglich wurde der Tagesbericht der Chronik gesendet. Aus diesen Lesungen entstand unter der Regie des ZMI ein Hörbuch, das einzigartige Einblicke in den Alltag des jüdischen Gettos zur NS-Zeit bietet. Der Schauspieler Ulrich Matthes leiht den Opfern seine Stimme und gibt in eindringlich-nüchternem Ton einen exemplarischen Einblick in die Entwicklungen des Gettos. Ein Auszug aus der Hörbuchedition ist im Deutschlandfunk-Beitrag zu hören.
Das Interview mit Sascha Feuchert können Sie hier nachhören. Weitere Informationen zum Hörbuch finden Sie hier.

(21.06.2017, Katharina Monaco)

Madgermanes - Buchpräsentation GELESO 2017

Madgermanes

Buchpräsentation im Rahmen des Geschichtslesesommers 2017

In der DDR waren rund 20.000 Vertragsarbeiter aus Mosambik zwischen 1979 und 1991 beschäftigt. Ihr Aufenthalt, der bis auf vier Jahre befristet war, sollte ihnen vor allem eine Berufsausbildung ermöglichen, um nach ihrer Rückkehr zum Aufbau eines unabhängigen sozialistischen Mosambiks beitragen zu können. Die Realität sah jedoch gänzlich anders aus. Für ihre Ausbildung gab es keinerlei Verwendung. Die Comic-Autorin Birgit Weyhe hat mit ihrem Graphic Novel Madgermanes ein Stück deutsch-afrikanische Geschichte recherchiert und aufgearbeitet. Sie erzählt die hierzulande kaum bekannte Geschichte dieser Menschen. Durch subtiles Einfügen von Erinnerungsobjekten und allegorischen Motiven entstand ein Comic, der in seiner Bild- und Erzählsprache die Grenzen zwischen afrikanischer und europäischer Kultur überschreitet.

Birgit Weyhe verbrachte ihre Kindheit in Ostafrika und studierte Literatur, Geschichte und Illustration in Konstanz und Hamburg. Seitdem arbeitet sie als freie Illustratorin und Comic-Zeichnerin. Madgermanes wurde mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung 2015 und dem Max & Moritz Preis 2016 für das „beste deutschsprachige Comic“ ausgezeichnet.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Professur für Didaktik der Geschichte (Prof. Vadim Oswalt; ZMI-Sektion 2) und des Literarischen Zentrums Gießen e.V. (Prof. Sascha Feuchert; Vorsitzender des LZG und ZMI-Sektion 4). Im Rahmen des Geschichtslesesommers 2017 stellt Birgit Weyhe ihren Graphic Novel am 20. Juni 2017 um 10 Uhr im Hörsaal A2, Philosophikum I der JLU Gießen vor. Moderieren werden Monika Rox-Helmer vom Historischen Institut der JLU und Anna-Lena Heid vom LZG. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei!

Weitere Informationen zum Graphic Novel finden Sie hier, ein Interview mit der Autorin können Sie hier nachlesen sowie hier Hintergrundinformationen zu den Madgermanes in Maputo.

Podiumsdiskussion: Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert

Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert

Eine Podiumsdiskussion

Können nur JournalistInnen mit türkischen Wurzeln über die Türkei schreiben? Diese Frage stellte Michael Martens in dem Kommentar „Für immer Türke“ in der FAZ, nachdem Deniz Yücel im Dezember letzten Jahres in der Türkei verhaftet wurde. Er entfachte damit eine Debatte über identitäre Fixierungen und fehlende Diversität im deutschen Journalismus. 

Die Podiumsdiskussion Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert, die am 6. Juni 2017 ab 18 Uhr im Senatssaal des Hauptgebäudes der JLU stattfindet, greift diese Debatte auf, um genauer nach der Rolle der Herkunft in den deutschen Medien zu fragen. Die eingeladenen JournalistInnen, Doris Akrap, Miltiadis Oulios und Cigdem Toprak, diskutieren dabei nicht nur über die Bedeutung, die Herkunft für den beruflichen Zugang von JournalistInnen zu und ihre Stellung in deutschen Redaktionen besitzt. Sie debattieren ebenfalls über Stigmatisierungen, denen diese aufgrund ihrer Herkunft von Seiten des Publikums sowie innerhalb von Redaktionen und Medienhäusern ausgesetzt sind. Darüber hinaus fragen sie nach der Rolle, die Herkunft bei der Bestimmung von Zielgruppen, Formaten und Inhalten im journalistischen Alltag spielt.

Doris Akrap ist Redakteurin bei der taz und Mitbegründerin der Reihe Hate Poetry, in welcher JournalistInnen rassistische Leserbriefe vortrugen. Miltiadis Oulios ist Radiomoderator bei WDRcosmo und hat in diesem Rahmen die deutsch-griechische Radiosendung Radiopolis entwickelt. Mit seinem Buch Blackbox Abschiebung hat er einen wichtigen Beitrag zu Fragen der Ausländer- und Asylpolitik in der Bundesrepublik geleistet. Cigdem Toprak war eine wichtige Stimme in der Debatte über den Artikel von Michael Martens und schreibt unter anderem für die ZEIT und FAZ. Die Podiumsdiskussion wird mit einem Grußwort des Präsidenten der JLU Prof. Joybrato Mukherjee eröffnet. Prof. Greta Olson, Mitglied in der ZMI-Sektion 1, wird die Podiumsdiskussion moderieren. Sie ist außerdem Mitglied in der Forschungsgruppe Migration und Menschenrechte der JLU. An die Podiumsdiskussion schließt sich ein Empfang an, der die Möglichkeit zur weiteren Diskussion und zum Austausch gibt.

Die Veranstaltung wurde von den beiden Mitgliedern der ZMI-Sektion 4 Prof. Bettina Severin-Barboutie (Migrationshistorikerin) und Dr. Eva Gajek (Medienhistorikerin) in Kooperation mit dem ZMI und dem Historischen Institut der Justus-Liebig Universität organisiert und findet in der Reihe Stimmen aus der Praxis der Fachjournalistik Geschichte statt.

Beide Gießener Tageszeitungen haben über die Veranstaltung berichtet:

(30.05.2017, Katharina Monaco) 

 

Das ZMI gratuliert: Sascha Feuchert tritt Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur an

Das ZMI gratuliert: Sascha Feuchert tritt Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur an

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Foto: Piotr Banczerowski
Nach Frankfurt bekommt nun Gießen die zweite Holocaust-Professur Hessens: Prof. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, übernimmt zum 1. Juni 2017 die an der JLU neu eingerichtete Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik. Neben der literaturwissenschaftlichen und didaktischen Auseinandersetzung mit Holocaust- und Lagerliteratur ist das Ziel der Gießener Professur, die Erinnerung an den Holocaust durch einen aktiven Umgang mit der Literatur auch dann noch zu sichern, wenn die Generation der Zeitzeugen in naher Zukunft nicht mehr da sein wird. Vorgesehen ist die enge Kooperation mit der bundesweit ersten Holocaust-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt und dem Fritz Bauer Institut.

Sascha Feuchert, Jahrgang 1971, studierte an der JLU Germanistik, Anglistik und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien. Im Jahr 2003 promovierte er mit einer Arbeit zu „Oskar Rosenfeld und Oskar Singer – zwei Autoren des Lodzer Gettos. Studien zur Holocaustliteratur“. Im Juli 2008 übernahm Feuchert die Leitung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU, deren stellvertretende Leitung er seit 2000 innehatte. Für seine Arbeit erhielt er verschiedene Auszeichnungen, darunter die Medaille „Für Verdienste um Gesellschaft und Wissenschaft“ der Universität Lodz, Polen, (2006) sowie den Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende akademische Lehre der Erwin-Stein-Stiftung (2009). Im Jahr 2009 wurde Feuchert zum Honorarprofessor am Department of World Languages (German Section) der Eastern Michigan University, USA, ernannt. Seit 2012 ist er Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland.

 

Im Kontext des Projektes GeoBib hat das ZMI eng mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und insbesondere mit Sascha Feuchert zusammengearbeitet und diese Kooperation stets sehr geschätzt. Das ZMI wünscht Sascha Feuchert für den Antritt der Stiftungsprofessur alles Gute und freut sich über die zukünftige Zusammenarbeit.

(30.05.2017, Ann-Marie Riesner)

Wahrheit vs. Lüge in postfaktischen Zeiten

Wahrheit vs. Lüge in postfaktischen Zeiten

Diskussionsabend mit Sascha Feuchert in der KHG

Was ist Lüge und was ist Wahrheit? In postfaktischen Zeiten herrscht in dieser Hinsicht große Verunsicherung. Gefühlen und Spekulationen wird oft mehr geglaubt als Tatsachen. Das ist verführerisch, aber vor allem gefährlich. Am 11. Mai 2017 wird in der Katholischen Hochschulgemeinde in Gießen (Wilhelmstr. 28, Kettelersaal) ab 20 Uhr c.t. über die aktuelle Problematik des Umgangs mit Wahrheit (Fakten) und Lüge (Fake News) in Öffentlichkeit, Politik, Literatur, Presse und sozialen Netzwerken diskutiert. Dabei geht es auch um die Frage, wie es um die freie Meinungsäußerung bestellt ist. Diskussionspartner ist Hon.-Prof. Sascha Feuchert, Mitglied der Sektion 4 (Medien und Geschichte) des ZMI. Er ist Literaturwissenschaftler an der JLU und Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur. Sascha Feuchert ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und dort seit 2012 Vizepräsident sowie Beauftragter für Writers in Prison.

Kontakt: Hochschulpfarrer Dr. Siegfried Karl

(Katharina Monaco, 10.05.2017)

Filmvorführung 1917 – der wahre Oktober, Diskussion und Workshop mit der Filmemacherin Katrin Rothe

1917 – der wahre Oktober

Stimmen aus der Praxis präsentiert: Workshop, Filmvorführung und Diskussion mit der Filmemacherin Katrin Rothe

Stimmen aus der PraxisDas ZMI und die Fachjournalisitik Geschichte laden in ihrer gemeinsamen Reihe Stimmen aus der Praxis zum Workshop und zur Filmvorführung mit anschließender Diskussion mit der freiberuflichen Trickfilmerin und Regisseurin Katrin Rothe ein. Sie studierte Experimentelle Filmgestaltung an der Hochschule der Künste Berlin und am CSM London. Sie verbindet Trickfilm mit anderen Formaten. Ihre Filme sind stets gut recherchiert und nah am Menschen.
Am 18. Mai 2017 findet um 16 Uhr im Philosophikum I, Raum C214, ein Workshop über ihren früheren Film Betongold - wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam (2013) statt, der mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.
Um 18:30 Uhr zeigt das Kinocenter Gießen die russische Revolution als Doku-Trickfilm 1917 – der wahre Oktober: St. Petersburg 1917. Die Weltkriegsfront rückt täglich näher, man hungert, bangt, wütet. Im Februar wird der Zar gestürzt. Auch viele Künstler sind euphorisch: Revolution! Freiheit! Endlich Frieden? Nein. Ab Oktober herrschen allein die Bolschewiki. Was taten Dichter, Denker, Avantgardisten wie Maxim Gorki und Kasimir Malewitsch während dieser radikalen Gewaltenwechsel? Fünf von ihnen entsteigen im Film als animierte Legetrickfiguren den Bücherstapeln der Filmemacherin.
Basierend auf Recherchen in teils bisher unbekanntem Quellenmaterial, in Tagebüchern, Berichten und literarischen Werken der Trickfilm-Protagonisten wird eine  multiperspektivische Befragung dessen, was heute weithin als „Die Oktoberrevolution“ bekannt ist, unternommen.

 

 

Darüber hinaus werden am 4. Mai ab 18 Uhr im Kinocenter die beiden eigenen Filme der ersten Masterstudierenden der Fachjournalistik Geschichte Premiere haben. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

(10.05.2017, Katharina Monaco)

Die Liebe sucht eine Wohnung. Eine Komödie aus dem Warschauer Getto

Die Liebe sucht eine Wohnung. Eine Komödie aus dem Warschauer Getto

Buchvorstellung und Lesung im Rathaus Gießen

Im März 2017 ist die Komödie Die Liebe sucht eine Wohnung. Eine Komödie aus dem Warschauer Getto von Jerzy Jurandot in der gemeinsamen Schriftenreihe der Arbeitsstelle Holocaustliteratur (AHL) und der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur im Metropol Verlag erschienen.

Sie wurde im Januar 1942 im Femina-Theater im Warschauer Getto uraufgeführt. Jurandot, der literarische Leiter des Theaters, hatte dieses Stück auf Polnisch im Getto verfasst. Durch einen unglücklichen Zufall müssen sich zwei frisch verheiratete Paare ein Zimmer teilen. Es entspinnt sich vor dem immer wieder durchscheinenden Getto-Alltag eine Überkreuz-Beziehung zwischen den Ehepartnern. Jurandot führt in flotten Dialogen, satirischen Liedern und mit manchen Verwicklungen dem Publikum eine letztlich perspektivlose Liebe und Heiterkeit vor.

Nun ist das Stück erstmals auf Deutsch erschienen, herausgegeben von Dr. Markus Roth (Sektion 4 Medien und Geschichte) und David Safier, ergänzt um einen Aufsatz von Andrea Löw über Liebe und Humor sowie von Markus Roth über Theater im Warschauer Getto und über die beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler. David Safier hat zudem ein Vorwort zu dem Band geschrieben.

Die Vorstellung des Buchs und Lesung mit David Safier (Drehbuchautor und Schriftsteller, u.a. Mieses Karma) ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und des Literarischen Zentrums Gießen (LZG), mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt der Stadt Gießen. Sie findet am 9. Mai 2017 um 19 Uhr im Hermann-Levi-Saal im Rathaus Gießen statt. Der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Filmvorführung von Das Urteil von Nürnberg mit anschließendem Filmgespräch mit Ulrike Weckel im Kinocenter

Das Urteil von Nürnberg

Filmvorführung mit anschließendem Filmgespräch mit Ulrike Weckel im Kinocenter

Das Gießener Kinocenter zeigt am Dienstag, den 22.11., um 19 Uhr Das Urteil von Nürnberg, einen Klassiker des amerikanischen Courtroom-Dramas aus dem Jahr 1961. Warum lohnt es sich, diesen alten Spielfilm in schwarz-weiß und mit Überlänge, der überwiegend in ein und demselben Gerichtssaal spielt, (erneut) anzuschauen?

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Etwa das Staraufgebot: Burt Lancaster, Spencer Tracy, Marlene Dietrich, Maximilian Schell und Montgomery Clift, gerade diese beiden mit schauspielerischen Glanzleistungen. Dann geht es um deutsche NS-Geschichte und den Versuch, sie juristisch aufzuarbeiten. Als Vorlage für die fiktionalisierte Filmhandlung diente der Nürnberger Juristenprozess 1947. Anlass, den Film zu machen, war politische Empörung darüber, dass die Amerikaner angesichts des Kalten Krieges in ihrem Ahndungswillen so rasch nachgelassen und die allermeisten in Nürnberg zu langen Haftstrafen Verurteilten vorzeitig entlassen hatten. Es geht also um Rechtsgefühl, um die Verantwortung derjenigen, die in der Weimarer Republik Juristen wurden und dennoch das NS-Unrecht exekutierten, es geht um deutsche Aus- und Verteidigungsreden, um Langzeitfolgen bei den Opfern, Motive der Ankläger und Zweifel der Richter. Aufschlussreich ist auch die Rezeptionsgeschichte dieses Films, der seine Weltpremiere in Westberlin wenige Monate nach dem Bau der Mauer feierte, was zu diversen aktualisierenden Umdeutungen führte. Besonders spannend ist Das Urteil von Nürnberg allerdings gerade dort, wo die Filmemacher sich künstlerische Freiheiten nahmen und uns etwas vor Augen führen, wozu es in den wirklichen Nürnberger Prozessen nie gekommen ist: das Anerkennen eigener Verantwortung.

Diese und andere Gesichtspunkte können in einem anschließenden Filmgespräch mit Ulrike Weckel erörtert werden. Der Eintritt kostet 3€.

(Ann-Marie Riesner, 22.11.2016)

Wie verändern Social Media den Journalismus?: „Stimmen aus der Praxis“ empfängt phoenix -Online-Chefredakteur Gregor Mayer

Wie verändern Social Media den Journalismus?

Stimmen aus der Praxis empfängt phoenix -Online-Chefredakteur Gregor Mayer

Stimmen aus der PraxisDie Medienbranche sieht sich einschneidenden Veränderungen ausgesetzt, insbesondere im Nutzungsverhalten der Zuschauer und User. Ausgangspunkt dieser Veränderungen ist die Digitalisierung der Medien, die eine Differenzierung und Konvergenz der Medien sowie eine wachsende Angebots- und Zugangsvielfalt zur Folge hat. Dadurch setzt ein zunehmend fragmentiertes Sehverhalten ein. Aus diesen Veränderungen ergeben sich Fragen nach der Aufgabenstellung von Medien und dem Beruf des Journalisten im Allgemeinen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Besonderen. Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Welche Inhalte brauchen wir heute im Studium, um gut auf eine Beschäftigung in der Medienbranche vorbereitet zu sein? Worauf können wir womöglich verzichten?
Gregor Mayer ist seit 17 Jahren der Online-Chef des ARD/ZDF-Spartenkanals phoenix. Er ist Redakteur des ZDF, verantwortet die Homepage phoenix.de, Videotext und EPG, die phoenix-Apps sowie alle Social Media Kanäle des Senders.
Die Fachjournalistik Geschichte und das ZMI freuen sich, im Rahmen der Gesprächsreihe Stimmen aus der Praxis, Gregor Mayer am 17. November 2016 um 18 Uhr c.t. im Philosophikum I, Raum C027 begrüßen zu dürfen. 

(14.11.2016, Katharina Monaco)

An der Presse vorbei: Die Entsachlichung des US-Präsidentschaftswahlkampfs durch Social Media (Vortrag)

An der Presse vorbei

Vortrag über Die Entsachlichung des US-Präsidentschaftswahlkampfs durch Social Media

Karikatur: Gary Varvel
Der Medienwissenschaftler und Germanist Robert Shandley von der Texas A&M University hält am 26. Oktober von 17 bis 19 Uhr im Hörsaal A4, mit anschließendem Empfang in B09 (beides Phil I), einen Vortrag über den Einsatz von sozialen Medien im US-Präsidentschaftswahlkampf. Robert Shandley, der den U.S. Wahlkampf über die Social Media aufmerksam beobachtet und analysiert hat, zeigt auf, wie sich die politische Debatte verändert. In dieser Veranstaltung werden Beispiele aus Twitter, aus Blogs und aus dem traditionellem Journalismus einer vergleichenden digitalen Textanalyse unterzogen, um herauszufinden, auf welche Weisen die direkte Kommunikation prägt, was im Wahlkampf wie zur Sprache kommt. Zudem soll überprüft werden, inwieweit die Kandidaten in den Fernsehdebatten über den von den sozialen Medien gesetzten Rahmen hinausgehen.

Prof. Ulrike Weckel, Sprecherin Sektion 4 des ZMI (Medien und Geschichte) ist die Ansprechpartnerin der vom Historischen Institut - Fachjournalistik Geschichte ausgerichteten Semesterauftaktveranstaltung.

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie hier.

(24.10.2016, Katharina Monaco)

Filmvorführung & Diskussion: „Wie ein wuchernder Erdklumpen auf der Seele“

Filmvorführung & Diskussion: „Wie ein wuchernder Erdklumpen auf der Seele“

Im Rahmen seines Seminars „Literatur über Menschen mit Behinderung“ lädt Hon.-Prof. Dr. Feuchert herzlich zur Filmvorführung des Dokumentarfilms „Wie ein wuchernder Erdklumpen auf der Seele“ und anschließender Diskussionsrunde mit Felix Kuballa am kommenden Freitag, 1. Juli, um 13 Uhr ein. Die Veranstaltung findet im Philosophikum I, Raum B09 statt, der Eintritt ist frei.

Birger Sellin gehört nach seinen Buchveröffentlichungen zu den wohl bekanntesten Autisten in Deutschland. Dank gestützter Kommunikation schrieb Sellin das Buch Ich will kein Inmich mehr sein, welches 1993 herausgegeben wurde. Nach der Veröffentlichung kamen Kontroversen um den Einsatz von gestützter Kommunikation auf.

Noch im selben Jahr drehte Felix Kuballa für den WDR den Dokumentarfilm „Wie ein wuchernder Erdklumpen auf der Seele“ über Birger Sellin. Der Film erhielt 1995 den Sonderpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen beim Adolf-Grimme-Preis.

Schreiben über den Islam und die Türkei: „Stimmen aus der Praxis“ empfängt FAZ-Journalistin Karen Krüger

Schreiben über den Islam und die Türkei: „Stimmen aus der Praxis“ empfängt FAZ-Journalistin Karen Krüger

Stimmen aus der PraxisDas ZMI und die Fachjournalistik Geschichte freuen sich, im Rahmen der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ am 7.  Juni 2016 um 18.15 Uhr (Phil I, Raum C027) die Journalistin Karen Krüger zu empfangen, die seit Jahren für die FAZ über die Türkei und über Muslime in Deutschland berichtet.

Die politischen Veränderungen in der Türkei machen Schlagzeilen. Tag für Tag müssen deutsche Redaktionen entscheiden, was und wie berichtet werden soll. Informiert und diskutiert wird auch über muslimisches Leben in Deutschland. Dabei drängen sich gerade in den überregionalen Medien immer wieder Gewalt und Konflikt in den Vordergrund.

Wie werden Journalistinnen und Journalisten der Herausforderung gerecht, objektiv  zu berichten und umfassend zu informieren, wenn es um die Türkei und den Islam in Deutschland geht? Wie gelingt es ihnen, zugleich wahrhaftig, kritisch und respektvoll zu sein? Leistet die Presse islamophoben Haltungen Vorschub? Oder versäumt sie es umgekehrt, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen anzuklagen? Diese und weitere Fragen sollen am Dienstag angesprochen werden.

Karen Krüger berichtet seit Jahren für die FAZ über die Türkei und über Muslime in Deutschland. Letztes Jahr veröffentlichte sie das Werk „Bosporus Reloaded“, das aktuelle Veränderungen im Leben von Türken in der Türkei und in Deutschland darstellt. Ihr bald erscheinendes Buch „Eine Reise durch das muslimische Deutschland“ untersucht die Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland.

Zum FAZ-Profil von Karen Krüger: http://www.faz.net/redaktion/karen-krueger-11104184.html

"Der Kuaför aus der Keupstraße“ – Fachjournalistik Geschichte und ZMI-Sektion 4 laden heute zur Filmvorführung und zum Gespräch mit dem Regisseur Andreas Maus ein

„Der Kuaför aus der Keupstraße“

Fachjournalistik Geschichte und ZMI-Sektion 4 laden heute zur Filmvorführung und zum Gespräch mit dem Regisseur Andreas Maus ein

In Kooperation mit dem ZMI und dem Kinocenter Gießen hat die Fachjournalistik Geschichte den Filmemacher und Journalisten Andreas Maus nach Gießen eingeladen, der kürzlich seinen viel beachteten Film „Der Kuaför aus der Keupstraße“ herausbrachte.

Der Film wird heute, am 17. Mai um 18.30 Uhr im Kinocenter in Gießen in der Bahnhofstraße gezeigt. Im Anschluss daran findet eine Diskussion mit Andreas Maus statt.

In seinem Film „Der Kuaför aus der Keupstraße“ widmet sich der Kölner Filmemacher Andreas Maus der Arbeit der Ermittler im Falle der Bombenexplosion in der Kölner Keupstraße von 2004. Er zeigt, wie diese über Jahre hinweg ausländerfeindliche Motive ausblendeten und auf skandalöse Weise versuchten, Opfer zu Tätern zu machen. War dies ein Ausdruck struktureller Fremdenfeindlichkeit? Und welche Konsequenzen hatten der Anschlag und die Ermittlungen für die Opfer? Diese und weitere Fragen kommen in der Veranstaltung zur Sprache.

Klicken Sie hier für weitere Informationen.

„Mendel Szajnfeld: Erzähl, was mit uns geschehen ist! Erinnerungen an den Holocaust“

„Mendel Szajnfeld: Erzähl, was mit uns geschehen ist! Erinnerungen an den Holocaust“

Zweiter Band der Schriftenreihe erschienen

In der Schriftenreihe der Ernst-Ludwig Chambre-Stiftung zu Lich und derMendel Szajnfeld Arbeitsstelle Holocaustliteratur ist der zweite, von Sascha Feuchert, Markus Roth und Kristine Tromsdorf herausgegebene und mit einem Nachwort von Elisabeth Turvold versehene Band erschienen. Das Buch „Mendel Szajnfeld: Erzähl, was mit uns geschehen ist! Erinnerungen an den Holocaust“ ist 2016 im Metropol Verlag, Berlin, in der Reihe „Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur“ erschienen. Mendel Szajnfeld berichtet in seinem Buch vom Holocaust in Polen und seinen ersten Jahren nach der Befreiung. Als junger Mann erlebte er Verfolgung und Zwangsarbeit in Działoszyce, im Südosten Polens, sowie als Häftling in Płaszów und anderen, bislang kaum beschriebenen Zwangsarbeitslagern. Mendel Szajnfeld zeichnet ein plastisches Bild vom dortigen Leben und Leiden abseits der bekannten Gettos und Lager. Ausführlich widmet er sich auch der Nachkriegszeit. Er erzählt vom Glück der Befreiung, von seinen kurzzeitigen Erfahrungen mit dem sowjetischen NKWD sowie vom verschlungenen Weg eines Überlebenden von Polen über Nachkriegsdeutschland bis nach Norwegen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Arbeitsstelle Holocaustliteratur.

„Hinauf in das winzige Zelt von Blau – Writers in Prison/Writers at Risk“

„Hinauf in das winzige Zelt von Blau – Writers in Prison/Writers at Risk“: Betroffene SchriftstellerInnen kommen zu Wort

die horenAuch heute noch werden mehr Schriftsteller und Schriftstellerinnen inhaftiert oder ermordet als man in den westlichen Demokratien glauben mag.

Der Band widmet sich Autoren, die verfolgt, inhaftiert oder gar ermordet wurden und werden. Die „Case-List“ des PEN verzeichnet derzeit 900 aktuelle Fälle. Vor allem in der Türkei und in China werden Menschen für literarisches Engagement hart bestraft. Doch nicht nur Staaten verfolgen Autoren: In Mexiko etwa wurden seit dem Jahr 2000 von Drogenkartellen knapp 100 Schreibende, vor allem Journalisten, ermordet oder verschleppt – die Aufklärungsrate liegt bei etwa 10%.

Sascha Feuchert, Hans Thill und Regula Venske haben mit dem 261. Band der von Jürgen Krätzer im Wallstein Verlag herausgegebenen Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik „die horen“ unter dem Titel „Hinauf in das winzige Zelt von Blau – Writers in Prison/Writers at Risk“ eine Zusammenstellung getroffen, in dem die Betroffenen selbst zu Wort kommen oder von bekannten Kollegen porträtiert werden. Ergänzt werden die Texte mit Grafiken bedrohter bildender Künstler.

Mit Beiträgen u.a. von Mohammed al-Adjami, Gioconda Belli, Sabine Kebir, Enoh Meyomesse, Roswitha Quadflieg, Johano Strasser, Ilija Trojanow und Liao Yiwu.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Wallstein Verlags.

 

Wie man mit Multimedia-Specials Geschichte(n) erzählen und Menschen weltweit berühren kann – Susanne Spröer (Kultur Online, Deutsche Welle) zu Besuch bei "Stimmen aus der Praxis"

Wie man mit Multimedia-Specials Geschichte(n) erzählen und Menschen weltweit berühren kann

Susanne Spröer (Kultur Online, Deutsche Welle) zu Besuch bei „Stimmen aus der Praxis“

Das ZMI und die Professur Fachjournalistik Geschichte laden im Rahmen der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ am 21. April 2016 um 18.15 Uhr herzlich ein zum öffentlichen Vortrag von Susanne Spröer, Abteilungsleiterin Kultur Online, Deutsche Welle, Bonn, und Absolventin der Fachjournalistik Geschichte der JLU in Raum C 214 des Philosophikums I.Stimmen aus der Praxis

Wie kann man Geschichte spannend und unterhaltsam vermitteln und dabei möglichst viele (auch junge) Menschen erreichen? Natürlich via Internet. Das Internet ist aber mehr als eine mediale Plattform für klassische journalistische Inhalte wie Texte, Videos und Audios. Es bietet Multimedia-Journalisten vielfältige neue Möglichkeiten, Formen digitalen Storytellings zu entwickeln und auszuprobieren.

Wie Geschichts-Inhalte im Internet aufbereitet werden können, zeigt Susanne Spröer anhand von Beispielen aus ihrem journalistischen Berufsalltag. Vorgestellt werden u.a. die preisgekrönten Multimedia-Specials „Mit 17… Das Jahrhundert der Jugend“ (www.dw.com/mit17) und „Meine Oma, das Regime und ich“ (www.dw.com/oma). Das erste Special ist anlässlich des 100. Jahrestages des Ersten Weltkrieges 2014 entstanden, beim zweiten handelt es sich um ein VJ- Reportage-Special, das die Volontäre der Deutschen Welle realisiert haben. In der anschließenden Diskussion ist Platz für Fragen, Feedback und Anregungen aus dem Plenum.

Zwischen Liveticker und Longread: Herausforderungen im Onlinejournalismus – taz.de-Leiter Daniél Kretschmar in der Vortragsreihe „Stimmen aus der Praxis“

Zwischen Liveticker und Longread: Herausforderungen im Onlinejournalismus

taz.de-Leiter Daniél Kretschmar in der Vortragsreihe „Stimmen aus der Praxis“

Stimmen aus der Praxis

Auf Einladung der Sektion 4 des ZMI und der Fachjournalistik Geschichte spricht der taz.de-Leiter Daniél Kretschmar im Rahmen der Vortragsreihe „Stimmen aus der Praxis“ über Möglichkeiten und Herausforderungen des Onlinejournalismus. Unter dem Titel „Zwischen Liveticker und Longread: Herausforderungen im Onlinejournalismus“ sollen die folgenden Fragen reflektiert werden:

Den technischen Möglichkeiten des Journalismus im Onlinezeitalter scheinen kaum noch Grenzen gesetzt zu sein. Es wird gespielt mit erweiterten Formen – Multimedia, Datenjournalismus, Livestreaming. Wird der Journalismus mit diesen Werkzeugen besser? Oberflächlicher? Ändert er sich überhaupt? Sollte er das? Und: Wer soll das alles bezahlen?

Daniél Kretschmar wird von seinen Erfahrungen und Einschätzungen berichten und freut sich auf Nachfragen und die Diskussion. Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Die Veranstaltung findet am Montag, den 25.01.2016 von 12-14 Uhr im Hörsaal A3 im Phil 1 statt. Zum Flyer bitte hier klicken.

 

 


Zum Referenten:

Daniél Kretschmar, Jg. 1976, ist seit 2014 Leiter des Onlineressorts der taz. Zu seinen journalistischen Schwerpunkten gehört unter anderem die Flüchtlingspolitik. Im vergangenen Jahr berichtete er wiederholt von der sogenannten Westbalkan-Route.

Das beigefügte Video gibt Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Online- und Printausgabe der taz, wobei unter anderem Daniél Kretschmar zu Wort kommt.