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Warum Pornografie auf Männer anders wirkt als auf Frauen

Gießener Forscherteam erforscht die Wirkung von Pornografie auf das menschliche Gehirn – Weitere Teilnehmer für Studie gesucht

Nr. 134 • 16. Juli 2018

Wie wirkt Pornografie auf das Gehirn? Und verändert sich diese Wirkung mit gewohnheitsmäßigem Pornografiekonsum? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Rudolf Stark und Dr. Jana Strahler im Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) seit Jahren. In ihrer neuesten Untersuchung, die kürzlich in der renommierten Zeitschrift „NeuroImage“ erschienen ist, zeigen die Gießener Forscherinnen und Forscher, dass das männliche Gehirn stärker auf sexuelle Reize reagiert als das von Frauen – und zwar mit der Aktivierung des Belohnungssystems.

Für die Studie absolvierten Frauen und Männer eine Reaktionszeitaufgabe in einem Magnetresonanztomographen. Sie mussten dabei entscheiden, ob zwei Linien, die links und rechts von einem Bild projiziert waren, parallel ausgerichtet waren oder nicht. Dabei hatten die gezeigten Bilder entweder einen neutralen oder einen sexuellen Inhalt. Dieser Reaktionstest nutzt die begrenzte Verarbeitungskapazität des Gehirns. Üblicherweise brauchen die Probandinnen und Probanden für die Entscheidung länger, wenn sich zwischen den Linien ein pornografisches Bild befindet.

Während sich die Reaktionszeiten zwischen Männern und Frauen kaum unterschieden, zeigten sich deutliche Unterschiede in der Hirnaktivität. Obwohl die Aufmerksamkeit aufgabenbedingt auf den Linien lag und es galt, die pornografischen Bilder zu ignorieren, reagierte das männliche Gehirn mit einer verstärkten Aktivierung von Hirnregionen, die dem Belohnungssystem zugerechnet werden.

„Dieses Ergebnis kann miterklären, warum Pornografie Männer stärker anspricht als Frauen“, so Prof. Dr. Rudolf Stark. „Da das Belohnungssystem bei allen Suchterkrankungen eine zentrale Rolle spielt, forschen wir intensiv an der Fragestellung, ob auch Pornografiekonsum zu einer Sucht werden kann.“ Aktuell läuft dazu eine große, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie an der JLU. Dabei werden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) die hirnphysiologischen Reaktionen auf pornographische Filme bei Männern untersucht, die selten, mäßig oft und häufig Pornografie konsumieren. Die Forscherinnen und Forscher erhoffen sich daraus Rückschlüsse darauf, inwieweit sich die Wirkung von Pornografie auf das Gehirn mit dem Ausmaß des gewohnheitsmäßigen Konsums verändert.

Für diese Untersuchung mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) werden noch weitere Untersuchungsteilnehmer gesucht – insbesondere Männer, die entweder sehr wenig (weniger als eine Stunde im Monat) oder sehr viel (mehr als fünfzehn Stunden im Monat) Pornografie konsumieren. Interessenten können sich unter melden.

  • Publikation

Strahler, J., Kruse, O., Wehrum-Osinsky, S., Klucken, T., & Stark, R. (2018). Neural correlates of gender differences in distractibility by sexual stimuli. NeuroImage, 176, 499-509.
DOI: 10.1016/j.neuroimage.2018.04.072

  • Weitere Informationen

www.uni-giessen.de/fbz/fb06/psychologie/abt/psychologie/psychotherapie/projekte

  • Kontakt


Professur für Psychotherapie und Systemneurowissenschaften
Otto-Behaghel-Straße 10H, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-26300

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Telefon 0641 99-12041

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