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KI-Forschung für inklusive Bildung

Forschende aus Gießen und Adana (Türkei) haben im Rahmen der Hochschulallianz EUPeace untersucht, wie KI das Nachhaltigkeitsziel Bildung voranbringen kann

Nr. 138 • 17. September 2026 

Was verbindet eine systematische Literaturanalyse an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) mit einem Workshop an der Çukurova Universität in Adana (Türkei)? Die Antwort führt über die europäische Hochschulallianz EUPeace und eine Frage, die Bildungseinrichtungen weltweit beschäftigt: Wie können KI-gestützte Tools helfen, qualitativ hochwertige und nachhaltige Bildung breiter zugänglich zu machen – ohne dabei einzelne Gruppen auszugrenzen? Im Rahmen eines EUPeace-Projekts war die türkische Wissenschaftlerin Firdevs Gündoğan Önderöz zweimal zu Gast an der Professur für Hochschuldidaktik der JLU, zuletzt in diesem Sommer. Sie untersuchte bei ihren Aufenthalten in Gießen Bildungsqualität als Nachhaltigkeitsziel (SDG 4) sowie den Einsatz von KI-gestützten Werkzeugen in Bildungsprozessen. Gemeinsam mit dem Team von Prof. Dr. Edith Braun, Professur für Hochschuldidaktik mit dem Schwerpunkt Lehrkräftebildung an der JLU, hat sie dabei die Fachliteratur zu diesen beiden Themen ausgewertet.

KI als Hebel für Bildungsgerechtigkeit und Nachhaltigkeit

Die systematische Literaturanalyse zeigte: KI-gestützte Bildungsangebote können die Erreichbarkeit von Bildung deutlich erhöhen und dabei helfen, qualitativ hochwertige Bildungsangebote zum Thema Nachhaltigkeit breiter zugänglich zu machen. 
KI-gestützte Bildungsangebote sind hierbei sehr breit zu verstehen und schließen beispielsweise intelligente Tutorensysteme und adaptive Lernplattformen, Chatbots und generative KI für Sprach- und Schreibübungen sowie KI-gestützte Systeme für automatisiertes Feedback zu Lernleistungen ein. Die in der Literaturanalyse untersuchten Anwendungen lassen sich insbesondere den SDG-4-Zielbereichen zuordnen, die unter anderem den Zugang zu Bildung, den Erwerb relevanter Kompetenzen, Bildungsgerechtigkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie die Qualifizierung von Lehrkräften betreffen.

Gleichzeitig identifizierte das Forschungsteam auch kritische Entwicklungsfelder: Dies betrifft beispielsweise geschlechtsspezifische Unterschiede, Lernende mit Behinderungen oder sonderpädagogischem Förderbedarf sowie Lernende aus sozioökonomisch oder infrastrukturell benachteiligten Bildungskontexten. Einzelne Studien berücksichtigen solche Gruppen bereits, etwa durch die Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede beim KI-gestützten Lernen oder durch adaptive KI-Lernangebote für Lernende mit unterschiedlichen Förderbedarfen. „Insgesamt zeigt sich jedoch, dass Fragen der gleichberechtigten Teilhabe und des Zugangs bislang deutlich seltener untersucht werden als allgemeine Lernleistungen“, so Prof. Braun. „Dies ist insbesondere mit Blick auf SDG 4.5 relevant, das auf die Verringerung von Bildungsungleichheiten und den gleichberechtigten Zugang zu Bildung abzielt.“

Derzeit bereitet die Professur für Hochschuldidaktik eine internationale Summer School zum Thema „Global Citizenship“ an der JLU vor, die auch Beiträge zu „Digital Citizenship“ und sozialer Teilhabe umfasst. In den Diskussionen rund um die Tagung wurde deutlich: KI-gestützte Werkzeuge können sowohl mit sozialer Isolation als auch mit erhöhter Teilhabe einhergehen – ein Thema, das für Studierende besonders relevant ist. Aus der Verbindung von Summer School und internationaler Kooperation entstand die Idee für den EUPeace-Workshop „Scroll to Social: Enhancing Social Participation in the Digital Age“, den Mitglieder der Professur von Prof. Braun im September an der Çukurova Universität Adana für Studierende angeboten haben. 

Forschung profitiert vom EUPeace-Netzwerk

Der Austausch innerhalb der Hochschulallianz EUPeace wirkt auch in laufende Dissertationsvorhaben hinein: Saima Afzal, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Hochschuldidaktik der JLU, hat gezeigt, dass der Einsatz KI-gestützter Werkzeuge in Bildungsprozessen in erster Linie der Motivation der Lernenden dient – in geringerem Maße aber auch Einsamkeit fördern kann. Für ihre Doktorarbeit zum Zusammenhang zwischen mentaler Gesundheit und KI-Nutzung profitiert sie unmittelbar von den im EUPeace-Projekt aufgebauten internationalen Kontakten.

Prof. Dr. Edith Braun setzt sich zudem im EUPeace Research Hub Klimawissenschaft und gerechte Transformation ein. Dieser Forschungsverbund arbeitet der Schnittstelle zwischen Klimawissenschaft und sozialer Gerechtigkeit. Er zielt darauf ab, ein besseres Verständnis der aktuellen Konfliktdynamiken zu gewinnen, mit denen Europa im Zusammenhang mit dem Klimawandel konfrontiert ist.

„Die Verknüpfung von digitaler Transformation und globaler Verantwortung ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit“, so Prof. Braun. „Durch unsere Kooperationen im EUPeace-Verbund möchten wir sicherstellen, dass die Bildung von morgen nicht nur technologisch fortschrittlich, sondern auch sozial inklusiv und nachhaltig gestaltet wird.“

Kontakt

Prof. Dr. Edith Braun
Institut für Erziehungswissenschaft
Telefon: 0641 99-15485
E-Mail: edith.braun

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