Aktuelle Projekte
Qualitätskulturen in den Wirtschaftswissenschaften. Praktiken der Aneignung und Internalisierung von Qualitätsdiskursen in der VWL/
economics
und der BWL/
management
im Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien
Das vorliegende Forschungsprojekt untersucht die Herausbildung und Etablierung von Qualitätskulturen in Lehre und Forschung in den Wirtschaftswissenschaften (VWL und BWL). Es nimmt eine international und sub-disziplinär vergleichende Perspektive ein, indem es die VWL/economics und die BWL/management in Deutschland und Großbritannien in den Blick nimmt. Das Ziel des Projektes ist es zu untersuchen, wie Qualitätssicherungsverfahren im disziplinären Alltag von Forschung und Lehre verankert wurden und wie „Qualitätskulturen“ dazu beitragen, neue professionelle Berufsbilder, qualitätsbezogene Karriereverläufe und qualitätsorientierte Karriereplanungen zu etablieren. Im Zentrum der Analyse steht das Zusammenspiel von traditionellen disziplinären Pfadabhängigkeiten und transformativen Innovationsschüben, die durch Qualitätssicherungsdiskurse induziert wurden. Vor diesem Hintergrund beleuchtet das Projekt die Hybridität neuer akademischer Kulturen in heterogenen disziplinären und nationalen Kontexten. Das Projekt geht von der Überlegung aus, dass eine vergleichende Perspektive besonders fruchtbare Resultate über die Art und Weise erzielen kann, wie Qualität in Forschung und Lehre etabliert, gelebt und verändert wird. Aus diesem Grunde sollen mittels leitfadengestützter Experteninterviews und narrativ-biografischer Interviews mit Professorinnen und Professoren, erfahrenen Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern (postdocs) sowie Promovierenden rekonstruiert werden, wie Qualitätssicherungsverfahren a) Zugang zum Alltag in Forschung und Lehre gefunden haben und wie b) hier als Innovationen verankert und von den Akteuren habitualisiert wurden. Daraus lassen sich vielfältige Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung von Qualitätssicherungsverfahren ableiten sowie Lehren für die Etablierung solcher Verfahren in anderen Disziplinen ziehen.
Keywords: Qualitätssicherung, Wirtschaftswissenschaften, akademische Karrieren, Interview
Projektbearbeitung: PD Dr. Jens Maeße
Das durch die DFG geförderte Projekt (2024-2026) untersucht Problematisierungen von gesellschaftlichem Wissen über die Geldwirtschaft und den Bereich des Monetären im Frankreich des langen 19. Jahrhunderts. Es geht um die Art und Weise, in der Literatur und Soziologie die Möglichkeiten und Grenzen von Wissen und die Handlungsfähigkeit in monetär vermittelten Verhältnissen reflektieren und darüber Probleme individueller Ethiken wie gesellschaftlicher Ordnungen verhandeln. Gefragt wird nach Zweifeln an der Begründbarkeit, Beobacht- und Mitteilbarkeit sowie Reproduktivität monetären Wissens, die in Literatur und Soziologie artikuliert werden.
Ausgehend von dem Befund, dass sich die Ökonomie, insbesondere die sich im 19. Jahrhundert popularisierende und an politischer Bedeutung gewinnende Geldwirtschaft – explizit die Kredit- und Finanzwirtschaft –, zu einem zentralen Bereich gesellschaftlicher Verhältnisse entwickelt, tritt diese für die Zeitgenossen zunehmend auch als epistemisches Problem zutage. Als Problematik der Gesellschaft wird das Monetäre in erster Linie von der Romanliteratur und der entstehenden Soziologie thematisiert. Beide Diskurse raffinieren die Problematik als Kernkomponente des gesellschaftlichen Imaginären. Das Projekt erforscht dabei insbesondere, wie das Monetäre als epistemisches Objekt der Gesellschaft problematisiert wurde, d.h. in welcher Weise monetäres Wissen, sein Wissenswert, die Relevanz und die Grenzen monetären Wissens in Literatur und Soziologie als gesellschaftliches Problem thematisch und reflexiv wurden. Das Projekt unternimmt eine Rekonstruktion dessen, was wir als ‚ökonomischen Agnostizismus‘ bezeichnen: Die Frage lautet, durch welche literarischen und soziologischen Darstellungsformen die (Geld-)Wirtschaft als ein Bereich, über den Wissen nur begrenzt oder gar nicht möglich ist, für gesellschaftlich relevant gesetzt wird.
Der am Institut für Soziologie durchgeführte Projektteil widmet sich der französischen Soziologie, die sich mit der Bedeutung der durch die Industrialisierung ausgelösten gesellschaftlichen Umbrüche befasste und insofern ein gesteigertes Interesse an makroökonomischen Prozessen und ihren Folgen aufwies. Hierzu werden Untersuchungen (1) im Umfeld von Frédéric Le Plays ‚économie sociale‘, die sich mit empirischen Untersuchungen der Arbeiterklasse und ihren budgetären und haushalterischen Praktiken befasste, durchgeführt. Weiterhin wird (2) der Kreis um Èmile Durkheim, dessen Angehörige, allen voran François Simiand, bei der Formierung eines allgemeinen soziologischen Paradigmas auch auf ökonomische Sachverhalte Bezug nahmen und in diesen einen Schlüssel zum soziologischen Verständnis der Gegenwartsgesellschaft sahen, untersucht.
Das Projekt Ökonomischer Agnostizismus wird gemeinsam von Prof. Dr. Andreas Langenohl und Prof. Dr. Kirsten von Hagen , Institut für Romanistik, an der Justus-Liebig-Universität Gießen geleitet. Projektmitarbeitende sind Marie Theres Stickel (Romanistik) und Felix Hempe (Soziologie).
Ein polnischer-deutscher Vergleich (Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung), in Kooperation mit der Universität Łódź
[German follows Polish]
Projekt ma na celu analizę różnic w sposobie przedstawiania wojny w Ukrainie w polskim i niemieckim dyskursie publicznym oraz zbadanie ich wpływu na relacje między oboma krajami. Kluczowe pytania badawcze dotyczą podstawowych różnic w obrazach wojny w mediach obu krajów, intensyfikacji tych dyskursów w różnych okresach oraz roli „dyskursów lęku” w kształtowaniu opinii publicznej. Projekt stawia też pytania o cechy dyskursów lęku powstałych w kontekście wojny w Ukrainie i ich znaczenie dla współczesnej polskiej i niemieckiej debaty publicznej.
Zgodnie z perspektywą konstrukcjonizmu społecznego, szeroko stosowaną w badaniach nad dyskursem publicznym, termin „lęk” jest tu rozumiany jako dyskursywny środek kształtowania obrazu rzeczywistości, a nie jako stan emocjonalny doświadczany przez jednostki. Planowane badania dotyczą stanu debaty publicznej w Polsce i w Niemczech, a nie stanu psychologicznego polskiego i niemieckiego społeczeństwa. Badanie będzie koncentrować się na sposobach nazywania, definiowania, nagłaśniania lub wyciszania przez media zagrożeń dla przyszłości Polski i Niemiec, które są definiowane jako związane z wojną w Ukrainie.
Metodą badawczą jest analiza ramowania (framing analysis) – perspektywa skupiona na badaniu schematów interpretacji, które służą definiowaniu ważnych kwestii społecznych, w tym sytuacji kryzysowych, takich jak wojna. Sytuacje takie przekraczają rutynę i w powszechnej opinii wymagają objaśnienia. Badania empiryczne będą prowadzone na podstawie korpusu materiałów prasowych oraz podcastów, zbieranych w latach 2022–2025. Wnioski zostaną przedstawione na konferencjach naukowych, opublikowane w artykułach i monografii. Wyniki mają służyć edukacji publicznej oraz wspieraniu krytycznej analizy treści medialnych, zwłaszcza w celu przeciwdziałania manipulacjom i dezinformacji. Projekt podkreśla także znaczenie otwartej debaty i wymiany międzynarodowej w kontekście stosunków polsko-niemieckich.
Das Projekt zielt darauf ab, die Unterschiede in der Darstellung des Krieges in der Ukraine im polnischen und deutschen öffentlichen Diskurs zu analysieren und ihre Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu untersuchen. Die zentralen Forschungsfragen betreffen die wesentlichen Unterschiede in der Darstellung des Krieges in den Medien beider Länder, die Intensivierung dieser Diskurse in verschiedenen Zeiträumen und die Rolle von „Angstdiskursen” bei der Bildung der öffentlichen Meinung. Das Projekt wirft auch Fragen nach den Charakteristika der Angstdiskurse auf, die im Kontext des Krieges in der Ukraine entstanden sind, sowie nach deren Relevanz für die heutige polnische und deutsche öffentliche Debatten.
Im Einklang mit der Perspektive des sozialen Konstruktivismus, die in der Forschung über den öffentlichen Diskurs in Polen und Deutschland weit verbreitet ist, wird der Begriff „Angst” hier als ein diskursives Mittel zur Darstellung der Realität und nicht als ein von Individuen erlebter emotionaler Zustand verstanden. Anders ausgedrückt, richtet sich die geplante Untersuchung auf den Zustand der öffentlichen Debatten in Polen und Deutschland und nicht auf den psychologischen Zustand der polnischen und deutschen Gesellschaft. Die Studie wird sich mit Arten und Weisen befassen, auf die die Medien die mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhängenden Bedrohungen für die Zukunft Polens und Deutschlands benennen, ausformulieren, als relevant kennzeichnen oder ausblenden.
Die grundlegende methodische Vorgehensweise für die geplante Forschung stellt die Framing-Analyse dar – eine Perspektive, die sich auf die Untersuchung von Interpretationsmustern konzentriert, die dazu dienen, wichtige soziale Fragen zu definieren, einschließlich krisenhafter Situationen wie Krieg. Solche Situationen gehen über die Routine hinaus und bedürfen nach allgemeiner Auffassung einer Erklärung. Die empirische Forschung wird auf der Grundlage eines Korpus von Presse- und Podcast-Kommentaren aus dem Zeitraum 2022-2025 durchgeführt. Die Ergebnisse werden auf wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt und in Artikeln und Monografien veröffentlicht werden. Sie sollen zur Aufklärung der Öffentlichkeit beitragen, das „Diskursbewusstsein” erhöhen und die kritische Analyse von Medieninhalten fördern, insbesondere im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Manipulation und Desinformation. Das Projekt unterstreicht auch die Bedeutung einer offenen Debatte und des internationalen Austauschs im Kontext der deutsch-polnischen Beziehungen.
Project leader: Prof. Dr. Karol Franczak, Uniwersytet Łódzki
Cooperation partner: Prof. Dr. Andreas Langenohl