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Gastgeschenke aus aller Welt (Ausstellung 2024)

Auf dieser Seite werden die Inhalte der Schautafeln aus der Ausstellung "Gastgeschenke aus aller Welt. Die JLU als internationale Partnerin" des Jahres 2024 präsentiert.

Umschlagseite des Ausstellungskatalogs "Gastgeschenke aus aller Welt. Die JLU als internationale Partnerin"
Das Studentische Ausstellungsprojekt im AfK-Modul „Wissenstransfer: Ausstellungspraxis" unter der Leitung von Dr. Alissa Theiß und Prof. Dr. Cornelia Weber wurde vom 19. Juli bis 30. August 2024 im Rektorenzimmer des Uninversitätshauptgebäudes präsentiert.

Beteiligte: Beyza Basaran, Liv Behrens, Luana Celentani, Evelyn Fröhlich, Jana Hammer, Lena Heinstadt, Lea Jainta, Daniel Kauffeld, Emma-Marie Magiera, Natalie Rempel, Fabian Seelbach, Justin Seib, Noa-Kristin Strunk, Noah Leander Tigges

 

Katalog zur Austellung
"Gastgeschenke aus aller Welt. Die JLU als internationale Partnerin"

 

 

Übersicht der Ausstellungstafeln 

 

 

 

Zum Hintergrund der Ausstellung

 

Vier Hände in Gummihandschuhen halten eine handgeschriebene Urkunde fest.
Studierende beim wissenschaftlichen Arbeiten mit den Gastgeschenken im Wintersemester 2023/24 (Foto: JLU / Katrina Friese)
Universitäre Gastgeschenke bilden eine eigene Sammlungsgattung. Sie werden zu Jubiläen oder während Besuchen von anderen akademischen Institutionen überreicht und dokumentieren die internationalen Beziehungen der Universitäten. Die JLU verfügt über einen reichen Geschenkbestand, der bis vor Kurzem noch nicht systematisch dokumentiert war und wenig bekannt ist. Die Sammlung Gastgeschenke der JLU wurde erstmals im Wintersemester 2023/24 in der Übung "Sammlungs- und Objektforschung: Wissenschaftliches Arbeiten mit Objekten" unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Weber und Dr. Alissa Theiß von Studierenden unterschiedlicher Fächer bearbeitet.

Die Gastgeschenke waren zu diesem Zeitpunkt weder zentral aufbewahrt, noch inventarisiert. Die Arbeit begann also von Grund auf. Die Gastgeschenke wurden wiederentdeckt, von unterschiedlichen Aufbewahrungsorten zusammengeführt, inventarisiert, recherchiert und beschrieben. Die dafür notwendigen Arbeitsschritte - also das wissenschaftliche Arbeiten mit Objekten und Sammlungen - wurden zunächst erlernt und dann in der Praxis erprobt. Zu ausgewählten Objekten wurden zudem Objektgeschichten in Form von Essays verfasst.

Die Ergebnisse dieser Arbeit legten den Grundstein für die Vorbereitung der Ausstellung "Gastgeschenke aus aller Welt - die JLU als internationale Partnerin", die im Sommersemester 2024 in einer weiteren Ubung konzipiert und realisiert wurde.

Zunächst wurden die Vorarbeiten durch weitere Recherchen zu den einzelnen Gastgeschenken ergänzt. Parallel dazu gab es theoretische Einblicke in die Konzeption und Gestaltung von. Dann erfolgte die Auswahl der Exponate, wobei versucht wurde, ein möglichst breites Spektrum von Gastgeschenken und Ländern zu präsentieren. Im nächsten Schritt wurden die Objekttexte, also Objektinformationen, Objektbeschreibungen und Bereichstexte erstellt und durch ein Team, das für das Layout verantwortlich zeichnete, ansprechend aufbereitet. Ziel der Ausstellung ist es, die vielfältigen internationalen Verbindungen der JLU aufzuzeigen, die sich in den Gastgeschenken widerspiegeln, und einen kleinen Einblick in die Bandbreite von Gastgeschenken zu geben, die von Massenware bis hin zu eher günstiger qualitätvollen Spezialanfertigungen reicht.

Die Umsetzung der Ausstellung wurde mit Fördermitteln aus dem "Third Mission" -Fonds JLU unterstützt.

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Der Akt des Schenkens

 

Warum schenken wir?

 

Geschenkübergabe zwischen Bundespräsident Theodor Heuss (links) und Bibliotheksdirektor Josef Schawe (rechts) anlässlich der Einweihung der Universitätsbibliothek in der Bismarckstraße 37 im Jahr 1959.
Geschenkübergabe zwischen Bundespräsident Theodor Heuss (links) und Bibliotheksdirektor Josef Schawe (rechts) anlässlich der Einweihung der Universitätsbibliothek in der Bismarckstraße 37 im Jahr 1959. (Quelle: Bildarchiv von Universitätsbibliothek und -archiv, Signatur hra0370e)
Die JLU zeichnet sich durch mehr als 100 Partnerschafts-, Kooperations- und Austauschabkommen weltweit aus, die Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vielfältige Austauschmöglichkeiten bieten. Dabei spielt auch der Austausch von Gastgeschenken eine wichtige Rolle.

Die Geschichte des Schenkens ist vielfältig und in allen Kulturen verankert, wie der französische Soziologe und Ethnologe Marcel Mauss (1872-1950) in seiner Grundlagenuntersuchung zum Gabentausch herausstellte. In archaischen Gesellschaften dienten Geschenke demnach dazu, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen und so den Frieden zu bewahren und Kriege zu verhindern. Geschenke waren somit diplomatische Mittel. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Diplomatische Geschenke dienen der Stärkung politischer Beziehungen, da Schenken das Gefühl von Gemeinschaft und gegenseitiger Wertschätzung fördert. Obwohl das Schenken zunächst selbstlos wirkt, handelt es sich dabei um einen Austausch, der auf ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen aus ist.

Eine Gabe erfordert eine Gegengabe. Schenken ist also ein performativer Akt, der das soziale Gleichgewicht erhalten soll. Psychologisch lässt sich der Akt des Schenkens damit erklären, dass dadurch eine Verbindung zwischen den Beteiligten hergestellt wird. Jedes Geschenk enthält symbolisch auch einen Teil des Schenkenden.

Das Schenken dient also der Pflege von Beziehungen und der Stärkung von politischen, sozialen und emotionalen Bindungen.

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Geschenkverpackungen - Die Kunst der Verhüllung

 

Mehrere übereinander gestapelte Schatullen aus edlen stoffen mit goldfarbenen Verschlüssen.
Schatullen der Gastgeschenke (Foto: Noa-Kristin Strunk)
Die Gastgeschenke der JLU befinden sich zum Teil in ansprechend gestalteten Schachteln und Schatullen, die nicht nur zur Aufbewahrung dienen, sondern auch zur wirkungsvollen Präsentation der Geschenke. Folo: Noa-Krislin Strunk Diese Boxen variieren in ihrer Optik und Materialität: von bunt gemusterten Seidenstoffen bis hin zu einfarbigem Samt. Das Verpacken von Geschenken ist eine Tradition, die darauf abzielt, die Wertigkeit des Geschenks zu steigern und es angemessen zu präsentieren. Die Materialien der Geschenkverpackungen können sehr unterschiedlich sein; verwendet werden Stoff Papier, Folie oder Schachteln. Seitdem Geschenkpapier industriell als Massenware hergestellt werden kann, erfreut es sich besonderer Beliebtheit. Die japanische Kunst des Furoshiki, bei der Geschenke in Stoff eingewickelt werden, ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Wertigkeit eines Geschenks durch die Verpackungstechnik gesteigert werden kann. Eine schöne Verpackung kann also die Wertschätzung für den Beschenkten unterstreichen. Die Verpackung lässt meist keine Rückschlüsse auf den Inhalt zu, was die Spannung und Vorfreude auf das Auspacken und das Präsent steigert. Die Verhüllung lenkt die Aufmerksamkeit nicht nur auf das Eingepackte, sondern unterstreicht auch den Akt des Verschenkens selbst. Die Schachtel, das Papier oder der Stoff betonen somit den performativen Akt des Schenkens und des damit verbundenen Verpackens und Auspackens.

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Internationale Beziehungen

 

Die Justus-Liebig-Universität (JLU) ist international gut vernetzt. Das zeigt sich an den weltweit mehr als 100 Partnerschafts-, Kooperations- und Austauschabkommen. Von den aktuell rund 25.700 Studierenden sind 3.100 internationale Studierende, also mehr als 10 Prozent. Hinzu kommen internationale Promovierende sowie Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler. Die JLU hat fünf strategische Partnerregionen: Australien, Europa (Schwerpunkt Osteuropa), Kolumbien, Südliches Afrika und Wisconsin/USA und verfügt selbst über vier Außenvertretungen in Australien, Kolumbien, Polen und der Ukraine. Die vielfältigen internationalen Beziehungen der JLU spiegeln sich auch in den Gastgeschenken, die zu Jubiläen oder während Besuchen von anderen akademischen Institutionen überreicht wurden.

Die JLU ist zudem Gründungsmitglied der Europäischen Hochschulallianz European University for Peace, Justice, and lnclusive Societies (EUPeace), die seit dem Jahr 2023 besteht. Insgesamt sind neun internationale Hochschulen an dem Konsortium beteiligt. EU Peace verfolgt einen gesellschaftspolitischen Ansatz und möchte allen Menschen Fähigkeiten und Kenntnisse vermitteln, um zur Förderung von Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und integrativen Gesellschaften in Europa und der Welt beitragen zu können.

Der Austausch von Gastgeschenken als Zeichen gegenseitiger Wertschätzung spielt bei der Bewahrung von Frieden seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle.

International Network with Institutional Partners in Strategic Partner Regions of Justus Liebig University: World map with markers on Europe (with a focus on Eastern Europe), Wisconsin (strategic partner region in the USA), regional strategies for South Asia and China, as well as strategic partners in Colombia, Australia and Southern Africa.
Weltkarte: Internationales Netzwerk mit institutionellen Partnern in strategischen Partnerregionen der Justus-Liebig-Universität Gießen (Quelle: https://www.uni-giessen.de/en/international-pages/coop/jlu-international/pic)

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Fokusregion Östliches Europa

 

Wichtige Partnerinstitutionen der JLU im östlichen Europa sind unter anderem die Universitäten von Łódź, Kasan, Kiew, Minsk, Prag und Zagreb. Diese vielfältigen Partnerschaften spiegeln sich in den zahlreichen Gastgeschenken aus dem osteuropäischen Raum, die in dieser Ausstellung zu sehen sind. Einige dieser Verbindungen wurden bereits zur Zeit des Kalten Kriegs geknüpft. So besteht das Kooperationsabkommen mit der Universität Iași in Rumänien seit 1976. Die Partnerschaft mit der Universität Łódź in Polen existiert seit 1978.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion schloss die JLU weitere Kooperationen und Partnerschaften mit Hochschulen im östlichen Europa. Auch innerdeutsche Verbindungen mit Universitäten der ehemaligen DDR wurden intensiviert, wie die hier ausgestellte Medaille der Friedrich-Schiller-Universität Jena zeigt. Insbesondere für das Studienfach Osteuropäische Geschichte an der JLU sowie für das 2006 gegründete Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) sind die institutionellen Verbindungen ins östliche Europa von besonderer Bedeutung. Die Osteuropäische Geschichte ist mit vier Professuren ausgestattet. So kann die Geschichte des östlichen Europas in vollem zeitlichen wie geographischen Umfang abgedeckt werden. Das GiZo bündelt die geisteswissenschaftliche Forschung und Lehre zum östlichen Europa in ganz Hessen. Im Mittelpunkt stehen Forschung und Lehre zu Kulturen und Gesellschaften im östlichen Europa in Geschichte und Gegenwart.

Partnerschaftsabkommen sind immer auch politischer Natur. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ruhen die Kooperationen mit Universitäten in Russland. Davon ist auch die Partnerschaft mit der Universität in Kasan betroffen, die im November 1989 geschlossen wurde.

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