„Die Universität als Leuchtturm in stürmischen Zeiten“
Akademischer Festakt mit Preisen und Auszeichnungen für junge Forschende – JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz zeigt sich kämpferisch
Nr. 193 • 28. November 2025
Leuchtturm statt Elfenbeinturm: Beim Akademischen Festakt der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz sich kämpferisch gezeigt. Im Rückblick auf das Jahr 2025 betonte sie in ihrer Begrüßungsrede: „Wir haben die Dynamik der Krisen nicht erlitten, wir haben sie genutzt – und werden dies auch weiter tun.“ An ihrem „höchsten Feiertag“ zeichnete die Universität in der festlich geschmückten Aula exzellente junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Den Festvortrag hielt Prof. Deborah Terry, die Präsidentin der University of Queensland in Australien.
„Ein Akademischer Festakt im Jahr 2025 kann kein rein zeremonieller Rückzug in den Elfenbeinturm sein“, betonte die JLU-Präsidentin. „Wir begehen diesen Tag in einer Zeit, in der die Welt um uns herum in Unruhe ist. Wenn wir aus den Fenstern dieser Aula blicken, sehen wir eine Gesellschaft, die mit Multikrisen ringt – mit geopolitischen Konflikten, mit ökonomischem Druck, mit der rasanten Transformation durch Künstliche Intelligenz und Klimawandel.“ Prof. Lorenz fügte hinzu: „Wir spüren, wie die Unruhe auch unsere Grundwerte herausfordert.“
Der Titel ihrer Ringvorlesung „Wissen schafft Wirklichkeit“ sei vor diesem Hintergrund kein abstrakter Slogan. „Es ist eine Haltung. Es bedeutet, dass wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht passiv hinnehmen, wenn Fakten geleugnet und demokratische Prozesse verächtlich gemacht werden.“ Eine Universität sei ein demokratischer Ort. „Sie ist der Ort, an dem das bessere Argument zählt, nicht die Lautstärke. Sie ist der Ort, an dem Herkunft keine Rolle spielt, sondern Leistung und Talent“, betonte Prof. Lorenz.
Auch ihre Amtskollegin Prof. Terry widmete sich in ihrem Festvortrag unter dem Titel „Reclaiming Purpose“ der Rolle der Universitäten in unsicheren Zeiten. Um die aktuellen Herausforderungen zu meistern, müssten Universitäten sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: eine informierte öffentliche Debatte zu ermöglichen, Forschung in Innovation und Produktivität umzusetzen, den gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu erweitern und den verantwortungsvollen Einsatz neuer Technologien zu fördern. Damit könnten sie die stabilisierende Kraft sein, die die Welt brauche.
Wie immer wurden im Rahmen des Akademischen Festakts, der von Mitgliedern des Universitätsorchesters musikalisch gestaltet wurde, die „JLU-Oscars“ verliehen: Es gab zahlreiche Preise für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihren jeweiligen Forschungsgebieten besondere Leistungen erzielt haben. In kleinen Kurzvorträgen gaben die Preisträger und die Preisträgerin der wichtigsten Preise (Röntgenpreis und Preis der Justus-Liebig-Universität Gießen) dem Publikum einen Einblick in ihre Arbeit.
Preise und Auszeichnungen:
- Der Röntgenpreis der Justus-Liebig-Universität Gießen ging in diesem Jahr an den Physiker Dr. Florian Dirnberger von der Technischen Universität München in Anerkennung seiner wegweisenden Experimente an magnetischen 2D-Materialien. Pfeiffer Vacuum und die Ludwig-Schunk-Stiftung stiften gemeinsam das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro.
- Den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Preis der Justus-Liebig-Universität Gießen teilen sich in diesem Jahr zwei Forschende: PD Dr. Eva Maria Gajek erhält den Preis in Anerkennung ihrer exzellenten Habilitationsschrift „Auf der Suche nach den Reichen: Eine Wahrnehmungs- und Wissensgeschichte von Reichtum im langen 20. Jahrhundert in Deutschland“ sowie ihres sonstigen wissenschaftlichen Œuvres. Die andere Hälfte des Preises geht an Dr. habil. Alexander Scherr in Anerkennung seiner exzellenten Habilitationsschrift „The Literature of Incompletion: Essayistic Forms of Life in the Anglophone Novel from the Eighteenth to the Twenty-First Century” sowie seines sonstigen wissenschaftlichen Œuvres.
- Die Geschichtsauszeichnung der JLU in Höhe von 2.000 Euro ging an Hannah Behling in Anerkennung ihrer herausragenden Masterthesis „Gießen spendet für Varaždin. Bergrun Richters ‚Friedensarbeit‘ für ein kroatisches Geflüchtetenlager von 1993 bis 2002“.
- Der von der Dr.-Herbert-Stolzenberg-Stiftung ausgelobte Dr.-Herbert-Stolzenberg-Preis ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert. In der Sektion Rechts- und Wirtschaftswissenschaften erhielt Dr. Reut Yael Paz den Preis in Anerkennung ihres herausragenden Forschungsprojekts zum Thema „Seeing Antisemitism Through Law (SATL)“. Ebenfalls in der Sektion Rechts- und Wirtschaftswissenschaften erhielt PD Dr. Melanie Bowen den Preis in Anerkennung ihres herausragenden Forschungsprojekts zum Thema „Digital and Sustainable Transformation in Marketing and Sales“. In der Sektion Chemie wurde Prof. Dr.-Ing. Maren Lepple in Anerkennung ihrer herausragenden Forschungsprojekte auf dem Arbeitsgebiet „Hochtemperatur-Keramiken“ ausgezeichnet. In der Sektion Humanmedizin erhielt PD Dr. Anne Mrochen den Preis in Anerkennung ihrer herausragenden Habilitationsschrift zum Thema „Konzepte und Implementierung therapeutischer Interventionen bei intrazerebralen Blutungen“. Den mit 1.500 Euro dotierten Dr.-Herbert-Stolzenberg-Lehrpreis in der Sektion Medizin erhielt Dr. Andrea Züger in Anerkennung ihrer exzellenten Lehrleistungen und ihres herausragenden Engagements in der akademischen Lehre.
- Zum Andenken an Prof. Dr. Wolfgang Mittermaier, Professor für Strafrecht an der Universität Gießen von 1903 bis 1933, hat die Erwin-Stein-Stiftung 1995 den Wolfgang-Mittermaier-Preis gestiftet. Bei der Bewertung der Leistungen in der akademischen Lehre soll insbesondere die Erziehung zum forschenden Denken und zur akademischen Verantwortung einschließlich der Förderung von Toleranz und Völkerverständigung berücksichtigt werden. Das Vorschlagsrecht für diesen Preis liegt bei den Studierenden, die auch im Kuratorium vertreten sind. Der mit 3.000 Euro dotierte Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende Leistungen in der akademischen Lehre ging in diesem Jahr an Dr. Valentin Emslander in Anerkennung seiner herausragenden Lehrveranstaltungen „Determinanten der Schulleistung: Motivation und Emotion (Psychologie-Seminar)“ und „Grundkonzepte der Pädagogischen Psychologie“.
- Die Dr. Dieter und Sigrun Neukirch-Stiftung fördert mit dem Dr. Dieter und Sigrun Neukirch-Preis herausragende wissenschaftliche Arbeiten an der JLU. In diesem Jahr gingen alle vier Preise in das Fachgebiet Geographie. Die mit 4.000 Euro dotierte höchste Auszeichnung ging an Dr. des. Saskia Thorbecke für ihre herausragende Dissertation „Ressourcen und Staatswerdung im Südsudan. Eine politisch-geographische Akteursanalyse“. Leonie Schmidt erhielt den mit 2.000 Euro dotierten Preis für ihre herausragende Masterthesis „Evaluation of the VS-Lite Model's Application to Climate-Driven Growth Dynamics of Fagus and Quercus in Hessian Forests since the Mid-20th Century“. Zwei mit jeweils 1.500 Euro dotierte Preise erhielten Thorge Kern für seine herausragende Masterarbeit „Anschlussmobilität für intermodal Pendelnde im Umweltverbund: Die Fallstudie Maintal in der Metropolregion FrankfurtRheinMain“ und Maike Tasch für ihre herausragende Masterarbeit „Die Geographische Entwicklungsforschung vom ‚rising star‘ zum ‚fallen angel‘. Eine qualitative Forschung zum Wandel der Geographischen Entwicklungsforschung im deutschsprachigen Raum“.
Dank der finanziellen Unterstützung der Gießener Hochschulgesellschaft war es auch in diesem Jahr wieder möglich, acht hervorragende Dissertationen, die an der JLU eingereicht wurden, mit einem Preis in Höhe von jeweils 500 Euro auszuzeichnen.
- Die Dissertationsauszeichnung in der Sektion Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ging an Dr. Viktoriia Naboka-Krell (Vorschlagender/Betreuer: Prof. Dr. Peter Winker) für ihre Dissertation „Text-as-Data: Methodological Advances and Applications in Economics“.
- In der Sektion Sozial- und Sportwissenschaften sowie Psychologie wurde Dr. Marcel Linka (Vorschlagender/Betreuer: Prof. Dr. Benjamin de Haas) für seine Dissertation „Looking beyond the average: Human gaze behaviour towards natural scenes in special populations and across the lifespan“ ausgezeichnet.
- In der Sektion Sprach-, Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaften sowie Philosophie ging die Auszeichnung an Dr. des. Saskia Helena Schomber (Vorschlagender/Betreuer: Prof. Dr. Peter von Möllendorff) für ihre Dissertation „Formen narrativer Ästhetik in spätgriechischer Troja-Epik“.
- In der Sektion Naturwissenschaften erhielt Dr. Till Ortmann (Vorschlagender/ Betreuer: Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Janek) für seine Dissertation „The Sodium Metal Electrode and its Interface with Inorganic Solid Electrolytes for Solid-State Batteries“.
- Die Dissertationsauszeichnung in der Sektion Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement ging an Dr. Laura Rehneke (Vorschlagender/Betreuer: Prof. Dr. Patrick Schäfer) für ihre Dissertation „Function of microbial effectors in the establishment of beneficial plant symbioses“.
- In der Sektion Veterinärmedizin, Tierbiologie, Medizin, Zahnmedizin und Humanbiologie wurde Dr. Siavash Mansouri (Vorschlagender/Betreuer: Prof. Dr. Rajkumar Savai) für seine für seine Dissertation „IRG1-itaconate axis regulates lung tumorigenesis via pentose phosphate pathway metabolism“ ausgezeichnet.
Die beiden sektionsunabhängigen Dissertationsauszeichnungen gingen in diesem Jahr an:
- Dr. des. Jan-Martin Schneider (Vorschlagender/Betreuer: Prof. Dr. Pierre Hauck) für seine Dissertation „Eine nicht-punitive Welt durch Technik? Strafrechtsbegrenzungsdiskussion am Beispiel der Legitimation des Arzneimittelfälschungsstrafrechts in einer zunehmend technisch-digitalen Präventionsgesellschaft“.
- Dr. Zadoki Tabo (Vorschlagender/Betreuer: Prof. Dr. Christian Albrecht) für seine Dissertation „Towards eradicating the tropical disease schistosomiasis – integrative mathematical and statistical modeling combining intrinsic and extrinsic parameters“.
- Die Gießener Hochschulgesellschaft vergab in diesem Jahr einen Preis für besonderes Engagement internationaler Studierender. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung ging an Lidiia Shumska für hervorragende Leistungen und ihr gesellschaftliches Engagement.
Zur Aufzeichnung des Akademischen Festaktes 2025
Presse, Kommunikation und Marketing • Justus-Liebig-Universität Gießen • pressestelle