Warum Einzelaktien selten zum Erfolg führen
JLU-Studie zeigt: Nur wenige Unternehmen treiben den deutschen Aktienmarkt – Breite Streuung ist für Anlegerinnen und Anleger der entscheidende Erfolgsfaktor
Nr. 88 • 22. Juni 2026
Wer in Aktien investiert, setzt darauf, dass die Kurse im Durchschnitt steigen. Doch in der Realität sind die Renditen von Aktien sehr ungleich verteilt. Dies zeigt eine nun in der Fachzeitschrift „Corporate Finance“ veröffentlichte Studie der Professur für Finanzdienstleistungen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Zwar erzielen Aktienmärkte insgesamt attraktive Renditen – langfristig profitieren Anlegerinnen und Anleger aber vor allem von wenigen außergewöhnlich erfolgreichen Unternehmen. Die Forschenden raten daher zu einer breiten Streuung im Aktienportfolio.
Mehr als die Hälfte der Aktien erzielt negative Renditen
Für die Untersuchung analysierte ein Team um Prof. Dr. Andreas Walter, Professor für Finanzdienstleistungen an der JLU, die Entwicklung aller börsennotierten deutschen Unternehmen im Zeitraum von 2000 bis 2024. Das zentrale Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller Aktien erzielt über ihre gesamte Börsenlaufzeit hinweg eine negative Rendite. Gleichzeitig wird die gesamte Wertschöpfung des deutschen Aktienmarktes von nur 17 von insgesamt 678 Unternehmen getragen.
„Viele Anleger gehen davon aus, dass sich Investitionen in einzelne Aktien langfristig automatisch auszahlen“, so Prof. Walter. „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass das nicht der Fall ist: Der Erfolg am Aktienmarkt hängt stark davon ab, ob man die wenigen besonders erfolgreichen Unternehmen im Portfolio hat.“
Wenige Top-Performer treiben die Marktrendite
Dieses Muster wird in der Finanzforschung als „positive Schiefe“ bezeichnet: Während Verluste begrenzt sind, können einzelne Unternehmen extrem hohe Gewinne erzielen. Genau diese wenigen Top-Performer treiben die durchschnittliche Marktrendite – während die Mehrheit der Aktien hinterherhinkt.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Wer nur auf einzelne Titel setzt, hat ein hohes Risiko, langfristig hinter dem Markt zurückzubleiben. „Die Wahrscheinlichkeit, die entscheidenden Gewinner im Voraus zu identifizieren, ist sehr gering“, betont Prof. Walter. „Deshalb ist eine breite Streuung über viele Aktien hinweg entscheidend.“
Breite Streuung des Portfolios entscheidend
Die Studie zeigt, dass gut diversifizierte Portfolios deutlich stabilere Ergebnisse liefern. Während viele Einzelaktien langfristig Verluste verzeichnen, erzielen breit gestreute Portfolios in den meisten Fällen positive Renditen. „Diversifikation hilft, die ungleiche Verteilung einzelner Aktienrenditen auszugleichen und erhöht die Wahrscheinlichkeit langfristig positive Renditen einzufahren“, so Prof. Walter.
Publikation
Maier, Tristan / Sahin, Furkan / Walter, Andreas (2026): Wenige Gewinner, viele Verlierer – Die positive Schiefe deutscher Aktienrenditen im Zeitraum von 2000–2024, Corporate Finance, Ausgabe 05/2026, S. 140–145.
Kontakt
Prof. Dr. Andreas Walter
Professur für BWL V – Finanzdienstleistungen
Telefon: 0641 99-22521
E-Mail: Andreas.Walter
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