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Klimawandel bedroht die „Eingeweide der Erde“

Auf der Suche nach den Regenwürmern – Arbeitsgruppe Tierökologie der Universität Gießen an „Science“-Publikation „Global distribution of earthworm diversity“ beteiligt

Nr. 214 • 25. Oktober 2019

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Prof. Volkmar Wolters, Leiter der AG Tierökologie an der JLU, kontrolliert vor einem Freilandexperiment die eingesetzte Regenwurm-Art. Foto: Dennis Baulechner
„Eingeweide der Erde“ – so nannte Aristoteles bewundernd die Regenwürmer. Und das durchaus zu Recht, denn die fleißigen Bodenwühler durchmischen und belüften den Boden, erhöhen die Wasserhaltefähigkeit der Erdkrume, wandeln Abfälle in wohlriechenden Humus um und tragen zum Schadstoffabbau bei. Zudem haben Regenwürmer einen entscheidenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit und die Stabilität der Agrarsysteme, von denen die Ernährung der Menschheit abhängt. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig wir über diese Tiere wissen. Etwa 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt haben ihre Regenwurm-Daten zusammengetragen und ausgewertet, um die Wissenslücke zu schließen. Die beteiligten Institutionen reichen von der Universidade Positivo in Brasilien über die Russische Akademie der Wissenschaften bis zur Universität Nairobi in Kenia und von der University of Hawaii in den USA über die Fukushima University in Japan bis zur King Abdulaziz University in Saudi-Arabien. Die Ergebnisse, an denen auch die Arbeitsgruppe Tierökologie am Fachbereich 08 – Biologie und Chemie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) beteiligt ist, wurden jetzt unter dem Titel „Global distribution of earthworm diversity“ in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht. Hauptautoren sind Dr. Helen R.P. Phillips und Prof. Dr. Nico Eisenhauer vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) mit Hauptsitz in Leipzig.

„Wir sind stolz darauf, dass wir zu der umfassendsten globalen Analyse von Regenwürmern beitragen konnten, die je durchgeführt wurde“, sagt Prof. Dr. Volkmar Wolters, Leiter der AG Tierökologie und einer der Koautoren der Studie. Er betont: „Der Deutschen Forschungsgemeinschaft gebührt Dank für die Gründung des iDiv, denn eine so aufwändige Auswertung und Bewertung von Daten kann man nur mit einer exzellenten Forschungsinfrastruktur schaffen.“

Bei aller Freude über den wissenschaftlichen Fortschritt stimmt ihn jedoch ein Ergebnis der Studie sehr nachdenklich: Die entscheidenden Umweltfaktoren für Regenwürmer sind Temperatur und Feuchte – also genau die Faktoren, die sich unter dem Druck des Klimawandels dramatisch verändern. Gegenwärtig sei bei uns allerdings noch die Übernutzung der Böden die wichtigste Ursache für die Verarmung der Regenwurmfauna, fügt Wolters hinzu. „Der Lebensraum dieser sehr empfindlichen Tiere wird durch landwirtschaftliche Maschinen umgewühlt, zerhackt und gestaucht, durch Straßen- und Häuserbau versiegelt sowie durch Chemikalien und Abfälle vergiftet.“ Es sei schwer abzuschätzen, was passieren wird, wenn beide Faktoren – intensive Bodennutzung und Klimawandel – zusammenwirken. Die Ergebnisse der Studie sprechen aber dafür, dass sich die Lebensbedingungen der Regenwürmer verschlechtern werden.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass sich das geographische Muster der Regenwürmer deutlich von dem Muster vieler oberirdischer Organismen unterscheidet. So erreichen sie ihren größten lokalen Artenreichtum und ihre höchste Individuenzahl in den gemäßigten Breiten und nicht etwa in Tropen. Etwas Ähnliches wurde kürzlich auch schon für andere bodenlebende Tiere nachgewiesen. „Initiativen zum Bodenschutz müssen diese besonderen Ansprüche der Bodenbewohner berücksichtigen, wenn wir auch in Zukunft bei uns noch gesunde und fruchtbare Böden haben wollen“, betont Wolters. Und der Tierökologe ergänzt: „Dabei braucht man sicher nicht so weit zu gehen wie die alten Ägypter, die die Regenwürmer heiliggesprochen hatten. Kleopatra hatte sogar ihre Ausfuhr verboten.“ Aber die Worte des berühmten Evolutionsbiologen Charles Darwin sollten uns doch eine Mahnung sein, ergänzt Wolters. Darwin schrieb am Ende seines Buches über Regenwürmer: „Es mag bezweifelt werden, dass es viele andere Tiere gegeben hat, die in der Geschichte der Welt eine so wichtige Rolle gespielt haben.“
 
  • Publikation

Helen R. P. Phillips, Carlos A. Guerra, Marie L. C. Bartz et al. [Volkmar Wolters] (2019)
Global distribution of earthworm diversity. Science, 366; doi: 10.1101/587394

  • Weitere Informationen

www.uni-giessen.de/tsz/tieroekologie

https://doi.org/10.1101/587394


  • Kontakt


Professur für Tierökologie der Justus-Liebig-Universität Gießen
Heinrich-Buff-Ring 26-32; 35392 Gießen
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