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Ökologische Belange bei der Raumplanung noch besser berücksichtigen

 
JLU-Projekt „ÖkoService” wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,1 Millionen Euro gefördert – Startschuss durch den Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Helge Braun am 19. April 2012

Nr. 56 • 16. April 2012


Von Wissenschaft zu Wirtschaft: Aus langjähriger ökologischer Forschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) geht eine innovative Dienstleistung hervor. Für das Projekt „ÖkoService“ erhält die Arbeitsgruppe Tierökologie unter Federführung von Prof. Dr. Volkmar Wolters (Fachbereich 08 – Biologie und Chemie) 1,1 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Ziel des Forschungsvorhabens ist es, das wirtschaftliche Potenzial und die technische Machbarkeit eines neuen Verfahrens zur effizienten Berücksichtigung der ökologischen Belange in der räumlichen Planung nachzuweisen.

Den Bewilligungsbescheid wird Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, am Donnerstag, 19. April 2012, um 10 Uhr im Foyer (4. OG) im Interdisziplinären Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung (IFZ) symbolisch übergeben. Im Anschluss besteht die Gelegenheit, einige Einrichtungen der Arbeitsgruppe sowie Projektposter zu besichtigen.

„Die Gießener Arbeitsgruppe Tierökologie hat einen beispielhaften Ansatz entwickelt, um das Förderangebot des BMBF zur Validierung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung für eine innovative Dienstleistung umzusetzen. Ich freue mich sehr, dass damit ein ganz konkreter Beitrag hin zu mehr Nachhaltigkeit von der Forschung in die Praxis geführt wird“, so äußerte sich der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Braun zu dem erfolgversprechenden Vorhaben.

Der Erhalt einer gesunden und natürlichen Umwelt hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Daher ist bei der Planung aller raumbeanspruchenden Bauvorhaben in zahlreichen gesetzlichen Vorgaben die Bestandsaufnahme der betroffenen Arten, Lebensräume und ökologischen Funktionen vorgeschrieben. Leider sind die dafür gegenwärtig eingesetzten Verfahren, die zum Beispiel bei der Ausweisung von Neubaustrecken oder von Flächen für Gewerbeansiedlung und Windkraftanlagen Anwendung finden, aufwändig und kostenintensiv. Zudem spiegeln die traditionellen Verfahren die Komplexität der Wechselbeziehungen zwischen menschlichen Einflüssen, Lebewesen und natürlichen Gegebenheiten oft nur unzureichend wider.

Um diesen Mangel zu beheben, fördert das BMBF im Rahmen der Fördermaßnahme „Validierung des Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP“ das Projekt der Arbeitsgruppe Tierökologie von Prof. Wolters. In diesem Projekt wird das Innovationspotenzial des Servicemoduls „ÖkoService“, das die modernsten Verfahren zur Erfassung von Arten und Lebensräumen sowie zu deren Bewertung in sich vereint, validiert. Dabei geht es vor allem um die wirtschaftliche Verwertung wissenschaftlich erprobter Techniken für die planerische Praxis.

Die Arbeitsgruppe Tierökologie hat seit vielen Jahren – oft gemeinsam mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der JLU –  sehr erfolgversprechende Modellierungs- und Prognosetechniken entwickelt. Die langjährigen Forschungsarbeiten zeigen zudem, dass eine einheitliche integrierte Bewertung von Umweltaspekten dadurch möglich ist, dass man die Funktionen von Ökosystemen, die für das menschliche Wohlergehen notwendig sind, misst und deren ökonomischen Wert bestimmt. So liefert das innovative Verfahren von „ÖkoService“ kostengünstig detaillierte Informationen über das planungsrechtlich relevante Vorkommen von Arten und Lebensräumen, erstellt exakte Prognosen zu den Auswirkungen von Eingriffen in die Natur und erlaubt eine Abschätzung der finanziellen Folgen dieser Eingriffe durch die Bewertung der ökosystemaren Dienstleistungen. Dies wird nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen schaffen und für einen zügigen Abstimmungsprozess sorgen.

„Dieses weitsichtige Förderprogramm des BMBF gibt uns endlich die Gelegenheit, aus langjähriger ökologischer Forschung eine innovative Dienstleistung zu schaffen“, freut sich Prof. Wolters über den außergewöhnlichen Projekterfolg. Denn leider klaffe auch heute noch in vielen Bereichen der Umweltforschung eine riesige Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis. Projektleiterin Birgit Aue fügt hinzu: „Ganz sicher wird unser Verfahren auch die Akzeptanz von Planungsprozessen in der Öffentlichkeit erhöhen, denn die Abwägung unterschiedlicher Interessenslagen wird oft dadurch erschwert, dass es den heute gängigen Erfassungs- und Bewertungsmethoden an Transparenz und Vergleichbarkeit fehlt.“ Dieser Mangel wird bei „ÖkoService“ durch den Einsatz effektiver Softwaremodule zur Datenintegration, zum Wissensmanagement und zur Modellierung behoben. Zudem sind von Anfang an zahlreiche Kooperationspartner aus der Praxis in den Validierungsprozess eingebunden. So begleiten unter anderem das Regierungspräsidium (RP) Gießen, die Untere Naturschutzbehörde der Wetterau, aber auch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) das Projekt und können als erste Referenzkunden von dem Verfahren profitieren.

  • Termin:

Donnerstag, 19. April 2012, 10 Uhr
Ort: Interdisziplinäres Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung (IFZ),  Foyer vor der Dachterrasse, 4. OG

  • Kontakt:

Prof. Dr. Volkmar Wolters
Allgemeine und Spezielle Zoologie der Justus-Liebig-Universität Gießen
Heinrich-Buff-Ring 26 (IFZ)
35392 Gießen
Telefon: 0641-99-35701, Fax: 0641-99-35709
E-Mail: Volkmar.Wolters@bio.uni-giessen.de

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041

 

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