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Auf der Suche nach Wegen gegen die Altersarmut

Zwischenergebnisse eines interdisziplinäreres Forschungssymposiums zum hochaktuellen Thema „Private Altersvorsorge“

Nr. 141 • 16. Juli 2015

In Deutschland haben immer mehr Menschen eine mangelhafte Altersvorsorge. Die finanzielle Unterversorgung im Alter bringt große Probleme für die Betroffenen mit sich, hat aber auch negative Folgen für die Volkswirtschaft. Es fehlt die Kaufkraft einer großen Gruppe potenzieller Kunden, was wiederum negative Auswirkungen auf die Binnennachfrage hat. Ein wichtiger Ansatz zur Lösung dieser Probleme besteht darin, die Bürgerinnen und Bürger zu privater Altersvorsorge zu bewegen. Obwohl Politik und Verbraucherschutz diesen wichtigen Ansatz mit hoher Intensität verfolgen, sind die Ergebnisse bisher enttäuschend. Im Ergebnis bleibt das Ausmaß der privaten Altersvorsorge weit hinter dem gebotenen Umfang zurück.

Warum sorgen die Bürgerinnen und Bürger nicht im gebotenen Umfang für ihr Alter vor? Auf diese wichtige Frage hat auch die Wissenschaft bisher keine Antwort parat. Daher haben die Professoren Dr. Alexander Haas und Dr. Andreas Walter, beide Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), sowie Prof. Dr. Stolper, Philipps-Universität Marburg, (PUM) kürzlich einen interdisziplinären Workshop zum Thema „Private Altersvorsorge“ initiiert. Hochrangige Expertinnen und Experten aus verschiedenen Wissenschaftsfeldern (zum Beispiel Bildungsforschung, Finanzwissenschaft, Marketing, Neurowissenschaften) kamen in Rauischholzhausen zusammen, um unter anderem Fragen zur Finanzberatung, zum Entscheidungsverhalten von Konsumentinnen und Konsumenten sowie zur ökonomischen Bildung zu diskutieren. Die Volksbank Mittelhessen unterstützte als Praxispartner und brachte Erfahrungen aus der täglichen Arbeit in die Diskussionen ein. „Mit dem Workshop wollten wir einen wichtigen Impuls setzen. Es geht darum, Ansatzpunkte zu finden, um bei der Verbesserung der privaten Altersvorsorge wirkungsvoll zu helfen“, fasste Mitorganisator Prof. Walter das Ziel zusammen.

Durch die verschiedenen Blickwinkel zeigte sich schnell die hohe Komplexität der Thematik, die eine Hauptursache für die mangelhafte Verbreitung der privaten Altersvorsorge sein dürfte. Entsprechend appellierte Prof. Andreas Oehler, Finanzwissenschaftler aus Bamberg und Mitglied im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, an Praxis, Politik und Forschung, die Transparenz, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit der Vorsorgesysteme und -produkte zu verbessern.

Wie notwendig dies ist, wurde durch die Altersforscherin Dr. Michaela Coppola (Munich Institute for the Economics of Aging) und Altersforscher Prof. Uwe Fachinger (Universität Vechta) deutlich, die ihre Ergebnisse zu Veränderungen im Sparverhalten der Bundesbürgerinnen und Bürger, zu Reformen der Alterssicherungssysteme in Europa und zur finanziellen Belastung sowie zum  Ausgabenverhalten der älteren Bevölkerung vorstellten.

Aber Menschen können eben nur schwer „aus ihrer Haut heraus“. So zeigten die Soziologen Professor Rolf von Lüde (Uni Hamburg) und Prof. Andreas Langenohl (JLU), dass die Kultur und über Generationen hinweg die eigene Familie das Spar- und Anlageverhalten von Menschen prägen. Diese wirken selbst dann weiter, wenn sich die ursprünglichen Rahmenbedingungen verändert haben. Die Finanzwissenschaftler Prof. Alexander Klos (Universität Kiel) und Prof. Steffen Meyer (Universität Hannover) ergänzten, dass es Menschen naturgemäß schwerfällt, aus der Gegenwart heraus in die Zukunft zu investieren. Durch geeignetes Feedback zum Anlageverhalten könne man solch nachteiligen Verhaltensmustern zumindest in Teilen entgegenwirken. Dies sei auch durch einen Fokus auf konkrete Vorstellungen der Personen (statt auf abstrakte Geldbeträge) im Rahmen von Beratung oder Kommunikation möglich, stellte der Neurowissenschaftler Prof. Bernd Weber (Universität Bonn) heraus.

Insofern ist es aus Expertensicht besonders wichtig, dass die Menschen in ihrer jeweiligen individuellen Situation „abgeholt“ werden. Die Marketingwissenschaftlerin Dr. Nicola Bilstein und ihr Kollege Prof. Jens Hogreve aus Ingolstadt betonten die Bedeutung der subjektiven finanziellen Sicherheit im Alter und empfahlen eine gezieltere Ansprache verschiedener sozialer Milieus bei der Kommunikation von Beratungsangeboten. Dabei müsse der große Einfluss von Vertrauen und Emotionen auf Entscheidungen zur privaten Altersvorsorge beachtet werden, so der Düsseldorfer Verhaltensforscher und Sprecher des Koordinierungsgremiums im Netzwerk Verbraucherforschung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz Prof. Peter Kenning. Als eine wichtige Ursache dafür identifizierten die Bildungsforscherin Prof. Bettina Fuhrmann (Wirtschaftsuniversität Wien) und Bildungsforscher Prof. Thomas Retzmann (Universität Duisburg-Essen) die Problematik der unzureichenden Finanzbildung in weiten Teilen der Bevölkerung.

Wie erhofft, zeigte der Workshop einen zukunftsweisenden Weg auf, um die Gründe für die unzureichende private Altersvorsorge in der Bevölkerung besser zu verstehen und Möglichkeiten zur Verbesserung zu identifizieren. So stellte Mitorganisator Prof. Haas, Professur für Marketing und Verkaufsmanagement der JLU, fest: „Die Komplexität der Thematik erfordert eine Zusammenarbeit über einzelne Fachgrenzen hinweg und mit Akteuren aus Politik und Praxis, um wirkungsvolle Lösungen zu entwickeln.“ Mit diesem Workshop sei ein erster Schritt getan. Die Thematik soll auf jeden Fall weiter ausgebaut werden, um die dringend nötigen Impulse für eine maßgebliche Verbesserung der privaten Altersvorsorge zu erarbeiten.


  • Weitere Informationen

www.uni-giessen.de/fbz/fb02
www.uni-marburg.de/fb02/accountingandfinance/team


  • Kontakt


Professur für Marketing und Verkaufsmanagement der JLU Gießen
Licher Straße 66, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-22401; Fax: 0641 99-22409
E-Mail: Alexander.Haas@wirtschaft.uni-giessen.de


Professur für Finanzdienstleistungen
Licher Straße 74, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-22521; Fax: 0641 99-22529

Prof. Dr. Oscar Stolper
Juniorprofessur für Accounting & Finance
Am Plan 1, 35032 Marburg
Telefon: 06421 28-21702
E-Mail:



Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041