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Übergabe mutmaßlicher Büchner-Zeichnung an Uni-Archiv

 
Große Freude über Leihgabe von 155 Zeichnungen des Theatermalers August Hoffmann durch die Eigentümer Eva und Wilfried Michel

Nr. 155 • 1. August 2013

Der Fund von 155 Zeichnungen des Theatermalers August Hoffmann (1807 bis 1883) auf einem Gießener Dachboden sorgte für einen Paukenschlag. Unter den Zeichnungen fand sich auch ein Porträt, das mit hoher Wahrscheinlichkeit den Dichter Georg Büchner zeigt, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Die beiden Eigentümer Eva und Wilfried Michel haben die Zeichnungen heute zur Verwahrung an das Universitätsarchiv der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) übergeben. Bekannt ist August Hoffmann vorwiegend als Maler von Landschaften, Stadtansichten und Genreszenen.

Herzliche Worte des Dankes richteten sowohl  JLU-Kanzler Dr. Michael Breitbach als auch Dr.  Eva-Marie Felschow, Leiterin des Universitätsarchivs , an die in Gießen lebenden Nachfahren.
Das Ehepaar Eva und Wilfried Michel war beim Aufräumen eines Dachbodens und Zusammentragen zweier Nachlässe so aufmerksam, dass sie inmitten einer Mappe mit 155 Zeichnungen des Theatermalers August Hoffmann (1807-1883) ein Porträt entdeckten, das Ähnlichkeit mit dem bekannten Porträt von Georg Büchner aufweist. Es zeigt einen jungen Mann im locker sitzenden Hemd und ist auf 1833 datiert. Prof. Dr. Günter Oesterle, emeritierter Professor für Germanistik der JLU veröffentlichte den zufälligen Fund, der zunächst auf der Mathildenhöhe in Darmstadt der Öffentlichkeit gezeigt wurde und in Fachkreisen für viel Furore sorgte. Das Porträt könnte  ein Pendant zu dem bekannten Bild Georg Büchners im Polenrock darstellen.

Prof. Oesterle freut sich sehr über den außerordentlichen Gießener Fund im Büchner-Jahr, vor allem aber auch über den Schritt der Eheleute Eva und Wilfried Michel, die Zeichnungen von August Hoffmann an das Archiv der JLU zu übergeben: „Ich bin dankbar darüber, dass für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit nun ein außerordentliches Kulturgut zugänglich ist. Es handelt sich um ein ganz besonderes Geschenk im Büchner-Jahr.“

Kanzler Dr. Breitbach, zugleich Vorsitzender  des Oberhessischen Geschichtsvereins, bedankte sich bei dem Ehepaar Michel für die Leihgabe: „Es ist im Büchner-Jahr ein besonderer Vertrauensbeweis in die Leistungen der Justus-Liebig-Universität”. Selbst historisch und kunsthistorisch interessiert, sei er gespannt darauf, welche weiteren wissenschaftlichen Erkenntnisse sich an Hand der Hoffmann-Zeichnungen gewinnen lassen. Zugleich betonte Breitbach, dass die 155 Zeichnungen im Universitätsarchiv in den besten Händen sind.

Dr. Felschow erklärt, dass die Zeichnungen dort als Depositum „Privatsammlung  Eva und Wilfried  Michel“ verwahrt werden; das heißt,  das Eigentum an den Unterlagen verbleibt beim Ehepaar Michel. Das Universitätsarchiv übernimmt die sachgerechte Verwahrung und macht die Zeichnungen für wissenschaftliche Zwecke verfügbar.

Das von Hoffmann gezeichnete Porträt eines jungen Mannes, das vermutlich Georg Büchner zeigt, wird in der Landesausstellung in Darmstadt „Georg Büchner. Revolutionär mit Feder und Skalpell“ im Original der Öffentlichkeit präsentiert werden. Eine Reproduktion davon wird in der zeitgleich im Herbst 2013 stattfindenden Ausstellung „Im Visier der Staatsgewalt. Die Universität Gießen zwischen Revolution und Repression 1813 – 1848“ in Gießen im Universitätshauptgebäude zu sehen sein.

Die 155 Blätter enthalten überwiegend Landschafts- und Porträtskizzen sowie Stadtansichten vor allem aus dem südhessischen Raum. Neben dem großformatigen mutmaßlichen Porträt Georg Büchners gehören noch zwei weitere großformatige Porträts  dazu, die die Ehefrau des Malers Christiane Hoffmann, geb. Clotz, zeigen. Herausragend ist für Literaturwissenschaftler ebenso wie Kunsthistoriker natürlich die mutmaßliche Büchner-Zeichnung. Bislang ist ein anderes Porträt sehr bekannt, auf dem der sogenannte „Büchner im Polenrock“ so ernst wirkt, dass mancher dessen Gesichtsausdruck  als „depressiv“ interpretierte. Es handelt es sich um eine Fotoreproduktion des 1944 verbrannten Originals. Dieses war ebenfalls von dem Theatermaler Hoffmann gefertigt worden, als Erinnerungsbild für die Familie Büchner an ihren 23-jährig verstorbenen ältesten Sohn. Das jetzt im Gießener Nachlass neu gefundene Porträt wirkt ganz anders. Es zeigt einen jugendlich-fröhlichen, geradezu herausfordernden Georg Büchner. Es ist im Unterschied zum verbrannten Porträt mit einer Jahreszahl und dem Namen des Malers versehen; damit ist jetzt eine genauere Kontextrecherche möglich.

Auf viele Fragen erhoffen sich die Wissenschaftler nun schlüssige Antworten: Diente die neu gefundene Zeichnung als Vorlage für das  offizieller wirkende Bild, das die Familie dann als Memorialbild nutzte?  Was aber war der Anlass für die erste Zeichnung? Warum blieb das Bild im Besitz des Malers? Welche Bedeutung hat das Notenblatt, das einen Auszug aus der 1831 uraufgeführten, sofort erfolgreichen Oper „Zampa oder die Marmorbraut“ des elsässischen Komponisten Ferdinand Herold zeigt?  Mit Sicherheit wird die Forschung über den Maler August Hoffmann auf Grund der neu gefundenen Materialien intensiviert; Kunsthistoriker werden zu Rate gezogen. Es bleibt spannend im aktuellen Jubiläumsjahr.

  • Weitere Informationen

www.uni-giessen.de/cms/buechner

  • Kontakt

Dr. Eva-Marie Felschow
Leiterin des Universitätsarchivs der JLU
Otto-Behaghel-Straße 8
35394 Gießen
Telefon: 0641/99-14060
Fax: 0641 / 99-14009

 

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041




Prof. em. Dr. Günter Oesterle freut sich über den überraschenden Fund. - Foto: Dagmar Klein
Prof. em. Dr. Günter Oesterle freut sich über den überraschenden Fund. - Foto: Dagmar Klein