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Studie: Deckelung der Managergehälter führt zu ungewollten Entscheidungen

Betriebswirtschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität Bayreuth publizieren Studienergebnisse im Journal of Management Accounting Research

Nr. 155 • 20. Oktober 2020

In einigen Bereichen ist sie bereits obligatorisch, politisch bleibt sie jedoch umstritten: die Deckelung der Managergehälter. So muss in Deutschland seit 2020 der Aufsichtsrat einer börsennotierten Gesellschaft die maximale Vergütung der Vorstandsmitglieder festlegen. Bereits seit 2014 gelten für Kreditinstitute Obergrenzen für die variable Vergütung. Sinn und Zweck dieses Instruments ist es, unter anderem zu vermeiden, dass Unternehmen exzessive Risiken eingehen – vor allem auch, um eine zweite Finanzkrise zu verhindern. In einer experimentellen Studie, die kürzlich unter dem Titel „The Effect of Compensation Caps on Risk-Taking“ („Die Wirkung der Deckelung von Vergütungen auf die Risikobereitschaft“)  im Journal of Management Accounting Research publiziert wurde, kommen Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Universität Bayreuth jedoch zu dem überraschenden Ergebnis, dass solche Begrenzungen nicht nur exzessive Risiken verhindern, sondern die Risikobereitschaft sogar soweit senken können, dass unternehmerisch sinnvolle Projekte dadurch ebenfalls nicht in Angriff genommen werden.

Auch wenn die Diskussion zur Begrenzung der Vergütung insbesondere nach der Finanzkrise von 2007 bis 2009 in den USA und Europa Fahrt aufgenommen und sich in gesetzlichen Regelungen niedergeschlagen hat, ist die Deckelung kein neues Steuerungsinstrument. Prof. Dr. Arnt Wöhrmann, Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Managerial Accounting am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der JLU, erläutert, dass diese bereits seit geraumer Zeit von Unternehmen genutzt werden, um vielfältige Aufgaben zu erfüllen, darunter die Begrenzung der Personalkosten und/oder die Vermeidung von Gehaltsexzessen. Zunehmend sei dabei in den vergangenen Jahren vor allem die Wirksamkeit der Vergütungsobergrenze zur Vermeidung exzessiver Risiken in den Fokus geraten. Die bisherige Forschung schien eine solche Wirksamkeit zu bestätigen.

Die neue Studie von Prof. Dr. Arnt Wöhrmann, Dr. Sascha Matanovic, Niklas Kreilkamp (alle JLU) und Prof. Dr. Friedrich Sommer (Universität Bayreuth) wirft ein anderes Licht auf dieses Steuerungsinstrument. „Ähnlich wie vorherige Studien zeigen auch wir, dass die Begrenzung der Managementvergütung die Risikobereitschaft in Unternehmen senkt. Das Besondere: Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass das Instrument auch diejenigen trifft, die es gar nicht treffen soll. Manager, die ohnehin nur geringe Risiken eingehen, reduzieren ihre Risikobereitschaft noch weiter. Ökonomisch rationale Entscheidungen werden dann nicht mehr getroffen,“ so Wöhrmann.

Die Forscher gelangten zu ihrem Ergebnis auf Basis einer experimentellen Studie mit über 400 Teilnehmenden. Diese Personen mussten eine risikobehaftete Entscheidung treffen. Je mehr Risiko sie bereit waren einzugehen, desto höher war ihre potenzielle Vergütung. Dabei wurde bei der einen Hälfte die Vergütung nach oben begrenzt und bei der anderen nicht. Während die Bereitschaft, Risiken einzugehen, erwartungsgemäß sank, konnten die Wissenschaftler feststellen, dass auch solche Entscheider nun deutlich weniger – und sogar zu wenig – Risiken eingingen, die faktisch von der Vergütungsobergrenze gar nicht getroffen sein sollten, da sie ohnehin größere Risiken meiden. Die Risikobereitschaft dieser Personen sinkt sogar weiter, wenn sie ihre Entscheidung rechtfertigen müssen. „Die Vorgabe, Entscheidungen zu rechtfertigen, wird heute in vielen Unternehmen als sogenannte Debiasing-Maßnahme eingesetzt, um die Entscheidungsqualität eigentlich zu erhöhen,“ erläutert Wöhrmann. Die Studie zeige nun, wie dysfunktional der Ansatz wirken kann.

Das Forschungsprojekt wurde unterstützt von der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung und der Association of International Certified Professional Accountants gefördert – dem gemeinsamen Sprachrohr des Chartered Institute of Management Accountants (CIMA) und der AICPA.

  • Publikation

Niklas Kreilkamp, Sascha Matanovic, Friedrich Sommer, Arnt Wöhrmann: The Effect of Compensation Caps on Risk-Taking. Journal of Management Accounting Research (2020), DOI: https://doi.org/10.2308/JMAR-18-053.

  • Weitere Informationen

https://www.uni-giessen.de/fb02/managerial-accounting

  • Kontakt



Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Managerial Accounting
Justus-Liebig-Universität Gießen
Licher Straße 62
35394 Gießen

Presse, Kommunikation und Marketing • Justus-Liebig-Universität Gießen • Telefon: 0641 99-12041


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