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Genmutation als Ursache für häufige Epilepsie bei Kindern

 
Mediziner der JLU an Publikation in „Nature Genetics“ beteiligt

Nr. 157 • 12. August 2013

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der  Abteilung Kinderneurologie der Justus-Liebig-Universität Gießen identifizieren im europäischen Verbund mehrere Genmutationen als Ursache für eine häufige Epilepsie im Kindesalter  –  Publikation in „Nature Genetics“

Etwa ein Prozent der Menschen leiden an einer Epilepsie. Wiederum die Hälfte hiervon sind Kinder. Epilepsien können durch eine genetische Veranlagung entstehen oder Resultat einer Verletzung des Gehirns sein. Beide Ursachen sind etwa gleich häufig. Obwohl bis vor wenigen Jahrzehnten nur schwer behandelbar, so gehören Epilepsien heute zu den Krankheiten des Gehirns, bei denen die größten therapeutischen Erfolge erzielt werden können. Mit den genetischen Ursachen von Epilepsien des Kindesalters beschäftigt sich die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Bernd Neubauer am Fachbereich 11 – Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)  seit vielen Jahren. Prof. Neubauer ist Leiter der Abteilung für Neuropädiatrie und Epileptologie (Kinderklinik Gießen) am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH.
 Jetzt konnten erstmals bei einer der häufigsten Epilepsien des Kindesalters (der so genannten Rolando Epilepsie) in einem internationalen Verbund von Forschern mehrere Gene gleichzeitig identifiziert werden. Die Studie zum  in diesem Zusammenhang wichtigsten Gen (GRIN2A) erschien jetzt online im internationalen Fachjournal Nature Genetics.

Zur Identifikation dieses Gens hat ein internationales Wissenschaftsnetzwerk in einer Studie das Genmaterial von insgesamt 400 Patientinnen und Patienten mit dieser Epilepsieform untersucht. Etwa 140 der Patientinnen und Patienten stammten allein von der Arbeitsgruppe in Gießen.  Bei etwa 7,5 Prozent der Erkrankten fanden sich Veränderungen in dem Gen GRIN2A. Es handelt sich dabei um ein Gen, das einen im Gehirn wichtigen Neurotransmitter-Rezeptor herstellt.

An der Studie waren im wesentlichen Wissenschaftlerteams aus Kiel, Köln, Lübeck, Wien und Gießen beteiligt. Charakteristisch für die Rolando Epilepsie ist der Ursprung des Anfalls in der so genannten rolandischen Region des Gehirns, die dann auch namensgebend war. Die Rolando Epilepsie verläuft fast immer gutartig und betrifft 15 Prozent aller Kinder mit Epilepsie (etwa 1/2500 aller Kinder). Die Anfälle sind in der Regel gut behandelbar und verschwinden oft spontan in der Pubertät.  Etwa fünf Prozent  der Fälle nehmen allerdings für die Erkrankten einen deutlich komplizierteren und ungünstigeren Verlauf. Dabei kann die Epilepsie, wenn sie nicht optimal behandelt wird, zu einer schweren gesundheitlichen Belastung bei den betroffenen Kindern und deren Familien führen.

Die Aufdeckung der genetischen Ursachen soll letztlich der Neuentwicklung von Medikamenten dienen. Ein Neurotransmitter-Rezeptor, wie er in dieser Studie gefunden wurde, kann zum Zielpunkt pharmakologischer Ansätze werden, um hier neue und besser wirksame Medikamente zu entwickeln, die spezifisch die Krankheitsursache behandeln.
Im gleichen Ansatz entdeckten die Wissenschaftlerinnen und Wissenchaftler auch drei weitere ursächliche Gene entdeckt, die allerdings bei einem kleineren Prozentsatz der Patienten wirksam zu sein scheinen.

Wissenschaftliche Studienpartnerinnen und -partner:
Dr. med. Dr. rer. nat. Saskia Biskup, CeGaT GmbH, Tübingen und Hertie Institut für klinische Hirnforschung, Tübingen

Dr. med. Johannes Lemke, Abteilung für Humangenetik, Universitätskinderklinik, Inselspital, Bern

Prof. Dr. med. Holger Lerche, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen

Prof. Dr. med. Bernd Neubauer, M. Sc. Dennis Lal, Abteilung für Neuropädiatrie, Sozialpädiatrie und Epileptologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Giessen

Prof. Dr. rer. nat. Peter Nürnberg, M. Sc. Dennis Lal, Cologne Center for Genomics (CCG), Universität zu Köln

Dr. med. Sarah von Spiczak, Prof. Dr. Ulrich Stephani, Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Klinik für Neuropädiatrie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel (UKSH)

Prof. Dr. med. Fritz Zimprich, Mag. rer. nat. Eva Maria Reinthaler, Universitätsklinik für Neurologie, Medizinische Universität Wien, Österreich

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehören zwei  Forschungsnetzwerken an: EuroEPINOMICS und IonNeurONet. Beide Netzwerke werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (EuroEPINOMICS, über ein Programm der European Science Foundation) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (IonNeurONet) gefördert. Gegenstand der Förderung sind die Entschlüsselung der genetischen Ursachen von Epilepsien und anderen verwandten Erkrankungen, bei denen Ionenkanäle gestört sind, die die Erregbarkeit von Nervengewebe steuern.


  • Publikation

Mutations in GRIN2A cause idiopathic focal epilepsy with rolandic spikes
Nature Genetics, published online 11 August 2013; doi:10.1038/ng.2728;

www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/pdf/ng.2728.pdf

  • Weitere Informationen

http://idw-online.de/de/news546873

  • Kontakt

Prof. Dr. Bernd A. Neubauer
Justus-Liebig-Universität Gießen
Leiter der Abteilung Kinderneurologie, Sozialpädiatrie und Epileptologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen
Feulgenstraße 12
35385 Gießen
Telefon: 0641 985 56842 

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041