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Akutes Lungenversagen: Paradigmenwechsel in der Entzündungsforschung

 
Wie man das akute Lungenversagen mit einem völlig neuen Ansatz möglicherweise bremsen kann, erforschen Prof. Dr. Konstantin Mayer und Prof. Dr. Jürgen Lohmeyer – Projekt von der Novartis Stiftung für therapeutische Forschung gefördert

Nr. 246 . 21. Oktober 2010

Es ist eine Art Paradigmenwechsel in der Entzündungsforschung: Die Gießener Mediziner Prof. Dr. Konstantin Mayer und Prof. Dr. Jürgen Lohmeyer wollen fundamentale neue Erkenntnisse nutzen, um ein schwerwiegendes Problem zu bekämpfen, das akute Lungenversagen. Betroffen sind von der lebensbedrohlichen Erkrankung sind viele Patienten auf einer Intensivstation. „Neue Lipidmediatoren als anti-inflammatorischer Ansatz in der Therapie des akuten Lungenversagens“ heißt das Projekt, das in den kommenden drei Jahren am University of Giessen Lung Center (UGLC) mit Unterstützung der Novartis Stiftung für therapeutische Forschung untersucht werden soll. Die Novartis-Stiftung fördert das Spitzenvorhaben der therapeutischen Forschung bei Lungenerkrankungen mit 100.000 Euro.

Das akute Lungenversagen ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. „Noch immer liegt die Sterblichkeit bei 30 bis 40 Prozent“, erklärt Mayer, apl. Professor am Zentrum für Innere Medizin (Fachbereich 11 – Medizin) der Justus-Liebig-Universität Gießen und Oberarzt am Lungenzentrum des Universitätsklinikums Gießen-Marburg, Standort Gießen. Trotz jahrzehntelanger Forschung habe die Medizin nicht viel in der Hand. Bis heute sei es nicht gelungen, ein probates Medikament in die Klinik zu bringen. Aus heutiger Sicht ist das für Prof. Mayer nicht erstaunlich, denn die Wissenschaftler hätten offenkundig „an der falschen Front“ gekämpft.

Das akute Lungenversagen beginnt meist mit einer Entzündung (Inflammation), verursacht etwa durch Bakterien oder Viren. „Die Einleitung einer Entzündung ist ein aktiver, geordneter Prozess“, sagt Mayer: „Allerdings kann es zu einer überschießenden Reaktion kommen; der Prozess schaukelt sich immer weiter hoch“. Gängige entzündungshemmende Medikamente wie Kortison unterdrücken lediglich die pro-inflammatorischen Signale.

Auf der anderen Seite dachten die Forscher bislang, dass eine Entzündungsreaktion einfach aufhört, indem die pro-inflammatorischen Signale weniger werden. Dem gegenüber steht eine fundamental neue Erkenntnis, die einen Paradigmenwechsel einläuten könnte: Eine Entzündung verläuft nicht passiv im Sand, sondern wird aktiv und geregelt in mehreren Schritten beendet. Neu entdeckte Botenstoffe sind die so genannten Lipidmediatoren: Resolvine und Protektine. Sie schalten die Signalwege ein, die letztlich die Entzündungsreaktion stoppen – „und zwar reguliert“, wie Mayer betont.  

„Wir wollen jetzt nicht anti-inflammatorisch eingreifen, sondern indem wir selektiv die Abschaltungsmechanismen der Entzündung durch Lipidmediatoren beschleunigen.“ Denn prinzipiell sind die Abschaltungsmechanismen wahrscheinlich zwar intakt, angesichts der überschießenden Entzündung aber nicht schnell genug.

 

Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik II

Universtitätsklinikum Gießen und Marburg

University of Giessen Lung Center (UGLC)

Klinikstraße 36

35392 Gießen

Telefon: 0641 99-42112 / -42351

Fax: 0641 99-42359

 

Herausgegeben von der Pressestelle der Universität Gießen, Telefon: 0641 99-12041

 

 

Freut sich über den Novartis Grant: apl. Prof. Konstanin Mayer - Foto: privat
Freut sich über den Novartis Grant: apl. Prof. Konstanin Mayer - Foto: privat