1977-1980 - Die letzen Jahre
1977 Gezeichnet durch Krankheit
Nach einem Herzinfarkt Anfang des Jahres 1977, von welchem sich Alfred Andersch doch recht zügig erholte, arbeitete er an einem Lyrikband in welchem auch seine politischen Gedichte, wie Artikel 3 (3) und Gedichte über das gespannte Verhältnis mit dem Literaturkritiker der FAZ Marcel Reich-Ranicki aufgenommen wurden.
Andersch engagierte sich weiter durch aktuelle politische Bezüge in seinem Werk, da er, wie er in einem Interview mit dem WDR im März 1977 verlauten ließ „ die Gefahr eines neuen Faschismus sehe“. So veröffentlichte er gemeinsam mit dem DVZ einen Resolutionsentwurf gegen den Plan einer Neutronenbombe der USA.
Eingenommen von Arztbesuchen, zeigte sich Andersch trotzdem als umtriebig. Neben einer Parisreise, einer Lesung seines Gedichtbandes am Bodensee. unternahm er auch mit Max Frisch eine Reise zu Heinrich Böll in die Schweizer Jura. In einem Brief an Colin Russ schrieb er über seinen Zustand er fühle sich „geistig lebendiger als zuvor.“
Ein letzter Besuch der Frankfurter Buchmesse war ihm im Oktober 1977 noch möglich, nur wenige Wochen später musste er sich seiner ersten Dialyse unterziehen, welche körperlich und psychisch schwer an ihm zehrte und das Reisen unmöglich machte. Während der Dialyse, die nun mehrmals wöchentlich vollzogen werden musste, konnte er nicht schreiben. Die Abhängigkeit von einer Maschine belastete ihn, den Freiheitsliebenden, sehr.
1978 Nierentransplantation / Vertrag mit DLA Marbach
Im Juni des Jahres 1978 kam die Verfilmung von Winterspelt unter der Regie von Eberhard Fechner in die Kinos. Der Film, bei dessen Produktion vor allem mit der Filmförderungsanstalt Probleme bezüglich der Finanzierung aufkamen, fand beim Publikum, trotz dem Prädikat „wertvoll“, nur wenig Resonanz.
Einige Wochen später wurde ihm Mitte August eine Niere transplantiert. Alfred Andersch erhoffte sich von der doch schweren Operation eine Besserung und die Unabhängigkeit von der für ihn so strapaziösen Dialyse. Nachdem sich Andersch von dieser Operation gut erholt hatte, bekam er vom Deutschen Literatur Archiv in Marbach das Angebot seine Manuskripte, Dokumente und Korrespondenzen zu kaufen. Durch seine Krankheit und die damit verbundenen hohen Behandlungskosten, kam dieses Angebot sehr gelegen.
1979 Vater eines Mörders im Mai begonnen und im November beendet
Bis 1979 hatte Andersch schon sechs Geschichten über sein Alter Ego Franz Kien fertig geschrieben. Diese Autobiografie in Erzählungen sollte noch acht weitere Geschichten umfassen. Um sich aber auf das Wesentliche zu konzentrieren, begann er am 14. Mai mit der Arbeit an Vater eines Mörders.
Mit der Arbeit an der Schulerzählung kam er gut voran, jedoch warf ihn die Krankheit und die Trauer um Arno Schmidt, welcher im Juni verstarb, den Sommer über zurück. Trotz erneuter Operationen beendete er die Arbeit an der Erzählung am 2. November 1979. Es sollte seine letzte Prosaarbeit werden.
1980 Tod am 21.02.
Das Jahr begann weiter mit gesundheitlichen Schwierigkeiten. Nur eine weitere Dialyse konnte sein Leben noch verlängern. Alfred Andersch entschloss sich jedoch Anfang Februar keine weitere Dialyse Behandlung mehr vorzunehmen. Sein Zustand verschlechterte sich weiter zunehmend, Andersch lehnte den Transport mit einem Rettungshubschrauber ab. Alfred Andersch verstarb am 21.02.1980 nachts an den Folgen seines Nierenleidens.