Exkursion: Museum Sinclair-Haus | 8. Oktober 2025
Am 8. Oktober 2025 unternahmen das Panel gemeinsam mit den Planetary Agency/Politics-Winterfellows eine Exkursion nach Bad Homburg, um die Ausstellung Nachtleben im Museum Sinclair-Haus zu besuchen. Vor dem Museumsbesuch erkundeten wir das Schloss Bad Homburg und seine Gärten. Vom Turm der Weißen Burg, einem mittelalterlichen Wahrzeichen, genossen wir einen weiten Blick über das Schlossgelände, die historischen Gärten und die umliegende Taunuslandschaft.
Am Eingang der Ausstellung empfing uns Hans Op de Beecks Miriam, eine ruhige, graue Skulptur einer jungen Frau mit geschlossenen Augen, die eine Eule hält. Die Eule, ein nachtaktives Tier, schien sie in die Dunkelheit zu führen. Dieses Werk setzte den Ton für die Ausstellung und deutete darauf hin, dass das Betreten der Nacht bedeutet, anders zu sehen und zu hören. Es spiegelte auch eine zentrale Idee des Planetary Agency/Politics-Kohorts wider: dass nichtmenschliche Wesen wie Flüsse, Wälder oder nachtaktive Tiere eigene Handlungsweisen und Ausdrucksformen haben. Die Ausstellung beleuchtete die Nacht als einen wesentlichen Teil der planetaren Ökologie. Viele Werke thematisierten Lichtverschmutzung und wie künstliches Licht die Rhythmen von Mensch und Tier beeinflusst. Dies war eine eindrückliche Erinnerung daran, dass Entscheidungen über Beleuchtung, Stadtplanung und Energieverbrauch auch politische Entscheidungen sind, die darüber bestimmen, wer in der Dunkelheit leben und sich bewegen kann.
Im ersten Abschnitt, Stumbling in the Dark, untersuchten die Künstler:innen, wie Menschen und Tiere die Nacht teilen. Unter den zahlreichen Exponaten zeigte Sven Johnes Wanderung durch die Lausitz die Rückkehr von Wölfen in postindustrielle Landschaften und machte die stille Widerstandsfähigkeit der Natur sichtbar. Dana Sherwoods Feral Cakes zeigte Videos von Waschbären und Füchsen, die nachts in ihrem Garten hinterlassene Kuchen verzehrten. Was verspielt wirkte, erinnerte gleichzeitig daran, wie Wildtiere sich an menschliche Räume anpassen. Matthias Garffs Tawny Owl, aus Alltagsgegenständen gefertigt, regte dazu an, Kreativität und Leben selbst in künstlichen Umgebungen wahrzunehmen. Gemeinsam reflektierten diese Werke die Idee, dass viele Wesen am Gestalten unseres gemeinsamen Planeten beteiligt sind.
Der zweite Abschnitt, Swarming at Night, fokussierte auf die Politik des Lichts. Thierry Cohens Darkened Cities zeigte Metropolen wie Tokio und Rio de Janeiro unter natürlichem Sternenhimmel und stellte vor, wie der Nachthimmel ohne künstliche Beleuchtung erscheinen könnte. Tobias Zielonys Tankstelle zeigte Menschen, die sich im Licht von Straßenlaternen versammeln, und verdeutlichte, wie Licht menschliche Gemeinschaften formt. Robin Meier Wiratungas Synchronicity: Chimera States präsentierte ein Zusammenspiel von Glühwürmchen und LED-Lichtern, das eine fragile Harmonie zwischen Technologie und Natur andeutete. Alona Rodehs Nightcaps, verspielte „Hüte“ für Straßenlaternen, die das Licht nach unten lenken, boten eine erfinderische und zugleich freudvolle Möglichkeit, Lichtverschmutzung zu reduzieren und Dunkelheit als gemeinschaftliche Ressource wiederherzustellen.
Der letzte Abschnitt, Sensory Landscapes, lud die Besucher:innen ein, die Nacht über andere Sinne zu erfahren. Susanne M. Winterlings Glistening Troubles untersuchte die biolumineszente Leuchtkraft von Dinoflagellaten, die auf Umweltverschmutzung und Temperaturveränderungen reagieren und als natürliche Indikatoren für die Gesundheit der Ozeane dienen. Anaïs Tondeurs A Breath, at Night erfüllte den Raum mit dem Duft eines mondbeschienenen Gartens und zeigte, dass die Nacht Erinnerungen und Vorstellungskraft wecken kann.
Wir danken dem Museum Sinclair-Haus herzlich für die freundliche englischsprachige Führung und möchten unserer Führerin Sophie Olivotto besonders für ihre engagierte Begleitung danken.
Die Ausstellung Nightlife stand in engem Bezug zu den Zielen des Planetary Agency/Politics-Kohorts, da sie uns daran erinnerte, dass die Nacht Teil der lebendigen Systeme des Planeten ist und dass ihre Bewahrung sowohl eine ökologische als auch eine politische Aufgabe darstellt.