Exkursion: Weilburg | 11. Juni 2025
Am 11. Juni 2025 unternahm das Panel gemeinsam mit den Sommerstipendiatinnen des Programms Planetary Agency/Politics – Danilo Olivaz, Ingvild Syntropia und Erle Ellis – eine Exkursion entlang des Lahnufers bei Weilburg. Die Wanderung folgte dem Lahnwanderweg von Weilburg nach Fürfurt und diente der Vertiefung des Projekts der Stipendiatinnen zur Entwicklung eines KI-Avatars für die Lahn. Dieses Vorhaben ist Teil eines umfassenderen Bestrebens, politische Handlungsmacht für natürliche Entitäten zu entwerfen – mit dem Ziel, Flüssen, Wäldern und Ökosystemen eine Stimme zu geben, damit sie ihre Bedürfnisse artikulieren und für ihre Rechte eintreten können.
Während der Exkursion wurden wertvolle Erkenntnisse darüber gewonnen, wie der Fluss Lahn historisch das Ökosystem der Region sowie das sozioökonomische und kulturelle Leben der lokalen Gemeinschaften geprägt hat. Seit der Antike spielte die Lahn eine entscheidende Rolle bei der Entstehung menschlicher Siedlungen, Handelsrouten und kultureller Wahrzeichen und zeugt von der engen Verflechtung zwischen Natur und Mensch.
Ausgangspunkt der Wanderung war die Stadt Weilburg, auch bekannt als die „Perle der Lahn“. Entlang des Weges begegneten uns sowohl geologische als auch kulturelle Sehenswürdigkeiten. Darunter befand sich der zwischen 1844 und 1847 erbaute Weilburger Schifffahrtstunnel. Er ist der älteste, längste und einzige schiffbare Tunnel seiner Art in Deutschland. Mit einer Länge von 195 Metern verläuft er von Nord nach Süd unter dem Mühlberg, auf dem die Stadt Weilburg liegt, und ermöglichte es Schiffen, eine etwa zwei Kilometer lange Flussschleife zu umfahren. Der Tunnel zeugt von der früheren Bedeutung der Lahn als Transportweg, über den bereits seit dem späten Mittelalter abgebaute Erze transportiert wurden.
Anschließend passierten wir das Weilburger Schloss aus dem 18. Jahrhundert, das für seine beeindruckende Gartenanlage und die Orangerie bekannt ist. Das Schloss wurde unter Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg geplant und von Schloss Versailles, dem Sitz König Ludwigs XIV., inspiriert. Von dieser erhöhten Position aus bot sich uns ein weiter Blick über den Fluss und die umliegenden Wälder, die sich im frühen Sommerleben lebendig präsentierten.
Der Wanderweg war gesäumt von zahlreichen interessanten Stationen, darunter der Ernst-Dienstbach-Steg (auch bekannt als Kettenbrücke), eine Stahl-Fußgängerbrücke mit faszinierender Geschichte. Sie wurde 1946 als Ersatz für frühere Brücken errichtet, die einst für die städtische Wasserversorgung über die Lahn von zentraler Bedeutung waren. Die ursprüngliche Rothe Brück, zwischen 1709 und 1710 erbaut, führte Bleirohre über den Fluss. Nachdem diese Brücke 1784 durch ein Hochwasser zerstört worden war, wurde die Kettenbrücke errichtet – die erste Hängebrücke ihrer Art auf dem europäischen Festland – um die Wasserleitungen weiterhin zu tragen. Dieses System stellte bis zu technischen Erneuerungen im späten 19. Jahrhundert die Wasserversorgung der Stadt sicher.
Einer der schönsten Abschnitte unseres Weges war jener, bei dem wir direkt am Fluss entlangliefen, begleitet allein vom stillen Klang der Natur. Am Doppelwehr Kirschhofen beobachteten wir Graureiher, die regungslos am Wasser standen, während Kanufahrer*innen in ruhigem, gleichmäßigem Rhythmus vorbeizogen.
Die Exkursion bot uns nicht nur körperliche Betätigung, sondern auch eine regenerative Pause für Körper und Geist, während wir uns mit der Natur verbanden und gemeinsam über unser Verhältnis zur natürlichen Welt reflektierten.
Photo © Muthuwahandi