Der Mensch und die Biodiversität

Die Biodiversität ist für den Menschen von unschätzbarem Wert. Sie liefert uns lebenswichtige Ressourcen, schützt unser Klima und inspiriert uns auf vielfältige Weise. Doch diese Vielfalt ist bedroht und mit ihr unsere eigene Lebensgrundlage.
Besonders die Medizin profitiert von der biologischen Vielfalt, denn Pflanzen, Pilze, Tiere und Bakterien liefern Wirkstoffe, die zur Behandlung zahlreicher Krankheiten eingesetzt werden. Das Bundesamt für Naturschutz schätzt, dass weltweit rund 70.000 Pflanzenarten für medizinische Zwecke genutzt werden.[1] So basiert der Wirkstoff von Aspirin, die Acetylsalicylsäure, auf einer Substanz aus der Rinde der Silberweide. Auch Antibiotika sind häufig das Ergebnis natürlicher Abwehrmechanismen von Mikroorganismen. Selbst Gifte von Tieren wie Schlangen oder Spinnen werden erforscht, um Medikamente gegen Tumore oder Viren zu entwickeln.
Auch unsere Ernährung hängt von der biologischen Vielfalt ab. Kulturpflanzen und Nutztiere stammen von Wildarten ab, deren genetische Vielfalt die Grundlage für Züchtung und Anpassung bildet. Von den weltweit rund 30.000 essbaren Pflanzenarten decken heute jedoch nur etwa 30 den Großteil unseres Kalorienbedarfs, allen voran Weizen, Reis, Mais und Kartoffeln.[2]
Darüber hinaus stellt die Natur weitere so genannte Ökosystemleistungen bereit. Wälder, Moore und Ozeane binden Kohlendioxid und helfen so, das Klima zu regulieren. Bäume reinigen die Luft, Gewässer sorgen für sauberes Trinkwasser und Bienen und andere Insekten bestäuben Pflanzen und sichern so die Erträge vieler Nutzpflanzen. Auch die Möglichkeit, sich in der Natur zu erholen, gehört zu diesen wichtigen Leistungen.[3]
Ein gutes Beispiel für die Bedeutung der Biodiversität sind unsere Wälder. Sie bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, schützen den Boden vor Erosion und dienen als natürliche Barriere gegen Naturgefahren wie Lawinen. Gleichzeitig liefern sie Holz als nachwachsenden Rohstoff und sind Erholungsraum für den Menschen.
Die biologische Vielfalt ist jedoch stark gefährdet. Durch Landwirtschaft, Siedlungstätigkeit und Verkehr gehen zahlreiche Lebensräume verloren, Schadstoffe belasten die Umwelt und der Klimawandel verändert die Ökosysteme. Täglich verschwinden schätzungsweise 130 Tier- und Pflanzenarten, viele davon, bevor sie überhaupt entdeckt werden.[4] Laut der Roten Liste der IUCN (Weltnaturschutzunion) sind weltweit rund 27.000 Arten vom Aussterben bedroht.[5]
Auch in Deutschland ist die Situation kritisch. Über 40 Prozent der rund 48.000 bekannten Tierarten gelten als gefährdet, mehr als drei Prozent sind bereits ausgestorben.[6] Besonders betroffen sind Amphibien, Reptilien und viele Insektenarten.[7]
Das aktuelle Artensterben unterscheidet sich dabei deutlich von den fünf weiteren großen Massenaussterben der Erdgeschichte. Während sich diese natürlichen Ereignisse über Jahrmillionen erstreckten, vollzieht sich das heutige Artensterben in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit - vor allem seit Beginn der Industrialisierung vor rund 300 Jahren.[8]
Der Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt erfordert Engagement auf globaler Ebene. Schutzgebiete, eine nachhaltige Landwirtschaft sowie ein verantwortungsbewusster Umgang mit natürlichen Ressourcen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Jede Art, die wir erhalten, kann der Schlüssel zu einem medizinischen Durchbruch, einer widerstandsfähigeren Kulturpflanze oder einem stabileren Ökosystem sein. Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist daher nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch essenziell für die Sicherung unserer eigenen Zukunft.
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[1] Bundesamt für Naturschutz: Wirkstoffe der Natur (https://www.bfn.de/en/node/2051)
[2] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): Nationales Fachprogramm pflanzengenetische Ressourcen (https://www.ble.de/DE/Themen/Landwirtschaft/Biologische-Vielfalt/Nationales-Fachprogramm-Pflanzen/nationales-fachprogramm-pflanzen_node.html)
[3] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Ökosystemleistungen (https://www.charta-fuer-holz.de/charta-service/wissenswertes/wissenswertes-detail/oekosystemleistungen)
[4]Welthungerhilfe: Biodiversität - Vielfalt bedeutet Leben (https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/gesunde-ernaehrung-sichern/biodiversitaet-vielfalt-bedeutet-leben)
[5] Zur Roten Liste der IUCN (https://www.iucnredlist.org/)
[6] Welthungerhilfe: Biodiversität - Vielfalt bedeutet Leben (https://www.welthungerhilfe.de/informieren/themen/gesunde-ernaehrung-sichern/biodiversitaet-vielfalt-bedeutet-leben)
[7] Bundesamt für Naturschutz: Zu den Artenzahlen (https://www.bfn.de/daten-und-fakten/artenzahlen-der-tiere-pflanzen-und-pilze-deutschland-und-weltweit)
[8] Ruhr Universität Bochum: Zum Artensterben (https://news.rub.de/wissenschaft/2019-08-05-interview-das-grosse-artensterben-als-motor-fuer-die-biodiversitaet)