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Biodiversität an der JLU

Die Justus-Liebig-Universität (JLU) arbeitet selbständig, aber auch mit verschiedenen Institutionen in Hessen zusammen, um wichtige Fragen im Bereich Biodiversität und Naturschutz zu erforschen. Durch transdisziplinäre Kooperationen werden wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Ansätzen verknüpft, um nachhaltige Lösungen für aktuelle Fragestellungen zu entwickeln.


Botanischer Garten

Der Botanische Garten der JLU wurde im Jahr 1609 gegründet. Damit ist er der älteste botanische Universitätsgarten Deutschlands, der sich noch an seinem ursprünglichen Standort befindet und dessen historische Teile bis heute erhalten sind.

Als zentrale Einrichtung der Universität ist der Garten dem Fachbereich Biologie und Chemie angegliedert. Auf einer Fläche von etwa drei Hektar werden rund 7.500 Pflanzenarten aus aller Welt kultiviert, die sowohl der botanischen Lehre als auch der Forschung dienen. Neben dem weitläufigen Freilandbereich umfasst der Garten auch vier Gewächshäuser, in denen verschiedene Pflanzenarten unter speziellen klimatischen Bedingungen kultiviert werden können.

Der Botanische Garten ist nicht nur ein wichtiger Ort für Wissenschaft und Ausbildung, sondern auch eine grüne Oase im Herzen der Stadt Gießen. Besucherinnen und Besucher können die Vielfalt der Pflanzenwelt entdecken und sich über die Entstehung biologischer Vielfalt informieren.

 

Campusgarten

Das Projekt Campusgarten der JLU nutzt Außenflächen für den ökologischen Anbau von Pflanzen und leistet so einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung an der Universität. Es stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit, verbindet Lehre mit Forschung, fördert die Selbstorganisation der Studierenden und macht Nachhaltigkeit sichtbarer. Der Liebig-Garten am Interdisziplinären Forschungszentrum erprobt ökologische Landwirtschaft sowie lokale Ernährungssysteme und dient als Lehr- sowie Demonstrationsgarten.

 

Lore-Steubig-Institut für Naturschutz und Biodiversität Hessen

Das Lore-Steubig-Institut für Naturschutz und Biodiversität Hessen, kurz LSI, wurde 2021 mit Sitz in Gießen eingerichtet. Die JLU agierte als eine zentrale Initiatorin der Gründung des LSI. Das LSI ist das bundesweit erste institutionenübergreifende Forschungsinstitut unter direkter Einbindung einer technisch-wissenschaftlichen Umweltbehörde, die im Geschäftsbereich des Hessischen Umweltministeriums eingebunden ist.

Ziel des LSI ist es, ökologisches Fachwissen aus den hessischen Forschungseinrichtungen systematisch und institutionell zu bündeln und mit der hessischen Naturschutzpraxis zu verknüpfen. Neben der politischen Beratung führt das LSI auch verschiedene Forschungsprojekte zu in Hessen relevanten Naturschutz- und Biodiversitätsthemen mit der JLU und anderen Partnern durch.

 

Interdisziplinäres Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung

An der JLU forscht das Interdisziplinäre Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung (iFZ) zum Thema Biodiversität. Als Infrastruktureinrichtung der JLU arbeiten hier Professorinnen und Professoren der Biologie (Fachbereich 08) und der Agrar-, Ernährungs- und Umweltwissenschaften (Fachbereichs 09) zusammen. Erforscht werden biologische Prozesse und die Entwicklung von Methoden, um natürliche Ressourcen auch unter den Bedingungen des Klimawandels nachhaltig zu nutzen. Die Forschungsschwerpunkte des iFZ liegen neben der Biodiversität auf der Landnutzung und dem molekularbiologisch-biochemisch und biotechnologisch ausgerichtete Forschungsfeld Stress und Adaption.

 

Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU)

Das Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) der JLU beschäftigt sich interdisziplinär mit Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Entwicklungsfragen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität sowie auf nachhaltigen Strategien für die Landnutzung. Das ZEU kooperiert international mit Partnern und arbeitet dabei auch mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zusammen, um globale Projekte zu realisieren.

 

BIOVALUE “Fork-to-Farm agent-based Simulation Tool augmenting BIOdiversity in the Agri-Food VALUE Chain

Das Projekt BIOVALUE entwickelt ein computergestütztes Simulationswerkzeug, das die gesamte Agrar- und Lebensmittelkette von der Landwirtschaft bis zum Verbraucher abbildet. Ziel ist es, die Artenvielfalt zu fördern, indem weniger bekannte und genetisch vielfältige Nutzpflanzen stärker angebaut und in die Ernährung eingebunden werden. Dabei werden Umweltbedingungen, Vorlieben der Verbraucher und verschiedene Klimaszenarien berücksichtigt, um nachhaltige Methoden für Anbau, Verarbeitung und Verkauf zu entwickeln.

Die JLU ist im Konsortium durch das Team des Zentrums für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) vertreten. Das ZEU untersucht besonders, wie landwirtschaftliche Praktiken und Zusammenarbeit die Pflanzenvielfalt verbessern können und wie sich der Klimawandel auf die Biodiversität auswirkt. Insgesamt soll das Projekt helfen, neue, attraktive Lebensmittel auf Basis vielfältiger Pflanzenarten zu schaffen und so die Biodiversität in der Landwirtschaft und Ernährung zu stärken.

 

RESPECT: Umweltveränderungen in Biodiversitäts-Hotspot-Ökosystemen Süd-Ecuadors: Systemantwort und Rückkopplungseffekte

Das Projekt RESPECT am Fachbereich 09 untersucht, wie tropische Bergregen- und Trockenwälder im Süden Ecuadors als besonders artenreiche Ökosysteme auf Umweltveränderungen wie Klima- und Landnutzungswandel reagieren. Ziel ist es, die Auswirkungen dieser Veränderungen auf Artenvielfalt, Ökosystemfunktionen und Rückkopplungseffekte auf das Klima besser zu verstehen. Das von der Philipps-Universität Marburg koordinierte Forschungskonsortium nutzt dazu einen merkmalsbasierten Ansatz, bei dem die Eigenschaften von Pflanzen und Tieren analysiert werden, um deren Reaktionen auf Umweltveränderungen zu erfassen. Ergänzend kommen Landoberflächenmodelle zum Einsatz, die Wechselwirkungen zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre simulieren und so Prognosen zur Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme ermöglichen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, nachhaltige Schutz- und Nutzungsstrategien für diese sensiblen Lebensräume zu entwickeln und ihre Biodiversität langfristig zu sichern.

 

PEGasuS: Plant-Enzyme Interactions along Gradients of Resource Stoichiometry

Das Forschungsprojekt PEGasuS des Fachbereichs 09 untersucht, wie sich die Landnutzung auf die Nährstoffaufnahme und Konkurrenzfähigkeit von Grünland-Pflanzen auswirkt. Im Fokus steht die Rhizosphäre, also der Bereich um die Wurzeln, in dem Pflanzen, Mikroorganismen und Ökoenzyme eng zusammenwirken. Durch menschliche Eingriffe können diese Wechselwirkungen verändert werden, was wiederum die Pflanzendiversität und Ökosystemfunktionen beeinflusst.

PEGasuS analysiert zwölf Pflanzenarten entlang eines Landnutzungsintensitätsgradienten. Dabei werden Nährstoffkonzentrationen (C, N, P, S) in Pflanzen, Boden und Mikroben sowie die Aktivität von Enzymen gemessen. Ziel ist es, zu verstehen, wie Landnutzung und deren Reduzierung die Pflanze-Boden-Interaktionen steuern und damit die Stabilität von Ökosystemen beeinflussen. Das Projekt kombiniert Biodiversitätsdaten mit experimentellen Ansätzen, um Mechanismen zu identifizieren, die für eine nachhaltige Landnutzung relevant sind.

 

GreenJLU

GreenJLU ist ein Forschungsprojekt des Fachbereichs 09 in Kooperation mit dem Dezernat E – Liegenschaften, Bau und Technik sowie dem Büro für Nachhaltigkeit, das die nachhaltige Entwicklung der universitären Grünflächen vorantreibt. Ziel ist es, ein fundiertes Konzept für ein ökologisch wertvolles und klimaresilientes Grünflächenmanagement zu entwickeln.

Die Grünflächen der JLU erfüllen vielfältige Funktionen – sie bieten Erholungsräume, fördern die Biodiversität, tragen zum Klimaschutz bei und unterstützen das Wassermanagement. GreenJLU kartiert und analysiert diese Flächen, um Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung zu identifizieren.

Ein interaktives Mapping-System ermöglicht es, die Vielfalt der Campusvegetation zu erkunden. Zudem setzt das Projekt auf Citizen Science, indem Studierende und Mitarbeitende über iNaturalist Daten zur biologischen Vielfalt beitragen können. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Transformation des Campus und macht die Universität zu einem Vorbild für umweltbewusstes Flächenmanagement.

Erklärvideo zur Biodiversität

Unser neues Erklärvideo gibt einen guten Überblick über Biodiversität im Allgemeinen sowie Möglichkeiten an der JLU. Viel Spaß beim Anschauen!