Katharina Wolf
- Katharina Wolf
-
Geschichtswissenschaftlerin
Justus-Liebig-Universität Gießen | Landesarchiv Nordrhein-WestfalenKatharina Wolf ist Doktorandin am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen und Archivreferendarin im Landesarchiv NRW. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte der internationalen Kinderwohlfahrt, Kindheitsgeschichte und Geschlechtergeschichte. In ihrem Promotionsprojekt beschäftigt sie sich mit internationaler Kinderhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel der Gründung und Internationalisierung des Vereins 'SOS-Kinderdorf'. Der Fokus liegt dabei auf Argumentationsmustern rund um Begriffe der Kindheit und Familie sowie den daran anknüpfenden Hilfspraktiken.
Sie war von 2024 bis 2025 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hessischen Landesarchiv (Abt. Wiesbaden) im Referat Nutzung und Vermittlung. Von 2018 bis 2023 koordinierte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin hochschuldidaktische Weiterbildungsangebote am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) in Gießen. Im Wintersemester 2022/23 war sie mit ihrem Promotionsprojekt Fellow am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz. Vor ihrer Zeit als Doktorandin hat sie Geschichte, Deutsch, Philosophie und Soziologie an den Universitäten Mainz und Istanbul studiert.
- Promotionsprojekt
-
Vom Tiroler "Kinderdorf" zur internationalen "Entwicklungshilfe". Kinderhilfe und Gesellschaftsvisionen, 1945-1979
Betreuer*innen: Prof. Dr. Katharina Stornig (JLU Gießen); Prof. Dr. Johannes Paulmann (IEG Mainz)Das kulturgeschichtliche Dissertationsprojekt beschäftigt sie sich mit internationaler Kinderhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel von Gründungs- und Internationalisierungsprozessen des Vereins SOS-Kinderdorf. Der Fokus liegt dabei auf Argumentationsmustern rund um Begriffe der Kindheit und Familie sowie den daran anknüpfenden Hilfspraktiken.
Das Vereinsnetzwerk SOS-Kinderdorf wurde 1949 unter dem Eindruck der unmittelbaren Nachkriegszeit zur Aufnahme von Waisen im österreichischen Tirol gegründet. Als besonderes Merkmal der Organisation ist unter anderem ihre geschlechtsspezifische Strukturierung hervorzuheben: Kinder wurden von "Berufsmüttern" in eigens gebauten Dörfern betreut, deren Vorsitz ein männlicher "Dorfleiter" innehatte. Damit sollte den Kindern in Abgrenzung zu zeitgenössischen Heimmodellen eine "Familienstruktur" geboten werden. Ab den 1950er Jahren wurde SOS-Kinderdorf zunehmend international tätig und stellt heute ein weltweit aktives Netzwerk dar, das sich als nichtstaatliche, unabhängige und überkonfessionelle Hilfsorganisation für Kinder in Not ausweist.
Das Projekt fragt danach, warum und auf welche Weise sich ‚westliche‘ institutionelle Hilfe für Kinder internationalisierte. Ausgehend von deren lokalen Etablierung soll der Prozess der Internationalisierung auf sich wandelnde Begriffe von Hilfe, Kindheit und Hilfsbedürftigkeit geprüft und an spezifische Interessengruppen geknüpft werden. Das Dissertationsvorhaben kombiniert Analysen auf der Ebene des öffentlichen medialen Diskurses, auf der Ebene organisationsinterner Kommunikation der Mitarbeitenden sowie auf institutionell-struktureller Ebene und zeigt, wie das Konzept von Kinderhilfe durch komplexe Motiv- und Interessenlagen von Staaten, Organisationen und Personen strukturiert wurde. Kinderhilfe ist demzufolge als historisches Phänomen in seinem kulturellen, sozialen und politischen Kontext zu untersuchen. Essentiell sind hierbei die Identifizierung und Analyse von vermeintlich universell gültigen Vorstellungen von Familie, Kindheit und Fürsorge in Narrativen und Praktiken.
- Veröffentlichungen
-
Aufsätze
- Wolf, Katharina (2022): Zum Wohle des Kindes? Kindesbedürfnisse als Argumente in Politiken der Reproduktion. In: Politiken der Reproduktion. Umkämpfte Forschungsperspektiven und Praxisfelder (= Gender Studies), Bielefeld: transcript, pp. 127–146.
- Wolf, Katharina; Tiborra, Jana (2022): In_Visibilities. Self-representation, Othering, and Power in Visual Culture. In: In_Visibilities. On_Culture 13, <https://doi.org/10.22029/oc.2022.1323>.
- Wolf, Katharina (2022): Mutterschaft als Berufsfeld. In: Lisa Yashodhara Haller, Alicia Schlender (Eds.): Handbuch Feministische Perspektiven auf Elternschaft. Leverkusen-Opladen: Verlag Barbara Budrich, pp. 179–192.
- Stornig, Katharina; Wolf, Katharina (2020): Parenthood as Aid: "Fathers", "Mothers" and International Child Welfare fom the late 1940s to the 1970s. In: Esther Möller, Johannes Paulmann and Katharina Stornig (Eds.): Gendering Global Humanitarianism in the Twentieth Century. Practice, Politics and the Power of Representation (= Palgrave Macmillan Transnational History Series). London: Palgrave Macmillan, pp. 221–254.
Herausgeberinnenschaften
- Tiborra, Jana; Wolf, Katharina (Eds.) (2022): In_Visibilities. On_Culture 13.
- Fröhlich, Marie; Schütz, Ronja; Wolf, Katharina (Eds.) (2022): Politiken der Reproduktion. Umkämpfte Forschungsperspektiven und Praxisfelder (= Gender Studies). Bielefeld: transcript.
Konferenzbericht & Rezension
- Wolf, Katharina (2017): Tagungsbericht: Gender & Humanitarianism: (Dis-)Empowering Women and Men in the Twentieth Century, 29.06.2017–01.07.2017, Mainz. In: H-Soz-Kult, 28.09.2017 (here » available).
- Wolf, Katharina (2016): Kulturalisierung und Popularisierung von Geschlecht. Rezension von: Langenohl, Andreas und Anna Schober (Eds.): Metamorphosen von Kultur und Geschlecht. Genealogien, Praktiken, Imaginationen. Paderborn: Fink. In: KULT_online 54 »
Weiteres- Haller, Lisa Yashodhara; Wolf, Katharina (2023): Finanzierung von Familien neu denken: Kindergrundsicherung. Policy Paper in der Reihe "Körper, Kinder, Kassensturz – Handlungsempfehlungen zum Koalitionsvertrag". Hrsg. v. Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit PRiNa - Politiken der Reproduktion, interdisziplinäres Nachwuchsforscher*innennetzwerk, <https://www.gwi-boell.de/de/2023/07/24/finanzierung-von-familien-neu-denken-kindergrundsicherung-und-elterngeld>.
- Wolf, Katharina (2023): "Vom Tiroler 'Kinderdorf' zur 'internationalen Entwicklungshilfe'", Poster in the context of the poster exhibition for the 54th Historikertag Leipzig 2023, <https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/posterausstellung2023_wolf>.
- Präsentationen (Auswahl)
-
09.06.2023: “give up one bar of chocolate a month”: Mobilization of Children for Child Welfare and Aid of the SOS Children’s Villages (1949-1960s), Konferenz: Society for the History of Children and Youth’s 2023 biennial international conference, 08.-10.06.2023, Guelph, Kanada.
24.01.2023: "Vom Tiroler 'Kinderdorf' zum Weltfrieden: Gesellschaftsvisionen und die Expansion von Kinderwohlfahrt, 1945-1979", Forschungskolloquium des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte, Mainz.
02.07.2021: "Vom Tiroler Waisenhaus zum Weltfrieden: Gesellschaftsvisionen und die Universalisierung von Kinderwohlfahrt vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1970er Jahre", Oberseminar für Neuere und Neueste Geschichte, Gießen [digital].
23.06.2021: "Gendering Childhood & Youth. Discourses on Boyhood and Girlhood in the Summer Camps of SOS Children's Villages (1949-1979)", Konferenz: Society for the History of Children and Youth’s 2021 biennial international conference, 13.-25.06.2021, Galway [digital].
18.11.2020: „Österreichische Kinderwohlfahrtspolitik im Kalten Krieg am Beispiel von SOS-Kinderdorf", BA-Seminar unter der Leitung von Dr. Lucile Dreidemy: Geschichte der österreichischen Entwicklungspolitik im internationalen Kontext, Wintersemester 2020/21, Universität Wien [digital].
29.09.2020: „Hilfe für Kinder als grenzenlose Solidarität? Österreichische Kinderwohlfahrtspolitik im Kalten Krieg am Beispiel von SOS-Kinderdorf, ca. 1960-70", Workshop: Solidarity and Humanitarianism in the Global South between Decolonization and the Cold War (1960s-1980s), 28.-29.09.2020, Centre Marc Bloch, Berlin.
27.06.2019: "‘Guardian angels from Austria’? The international expansion of SOS Children’s Villages in South Asia during the 1960s", Konferenz: Society for the History of Children and Youth’s 2019 biennial international conference, 26.-28.06.2019, Sydney.
12.06.2019: "(De)Gendered Childhood. Discourses on Boys and Girls in Need within the Expansion of Aid of the SOS Children’s Villages in Austria, Germany and Italy (1949–c. 1970)", Konferenz: Integrating Gender in the History of Humanitarian aid: Europe (20th–21st century), 12.06.2019-13.06.2019, Angers.
18.10.2018: „Begriffe von Mutterschaft im Kontext von Kinderwohlfahrtsorganisationen nach dem Zweiten Weltkrieg“, Forschungstage GGS, 18.-19.10.2018, Rauischholzhausen.
- Mitgliedschaften | Funktionen | Gesellschaftliches Engagement
-
-
Assoziiertes Mitglied im International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), Gießen
-
Society for the History of Children and Youth (SHCY), London
-
Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands e.V.
-
- Projekte & Lehre
-
12.-14.11.2019 Organisation der Konferenz "Renegotiating Minoritarian In_Visibilities" (Gießen) mit Jana Tiborra, Cathérine Ludwig-Ockenfels und Oliver Klaassen (GCSC, Gießen) 22.-23.11.2019 Organisation der "Arbeitstagung Politiken der Reproduktion" (Rauischholzhausen) mit Marie Fröhlich und Maraike Henschel (PRiNa, Gießen)
Wintersemester 2021/22 Seminar (B.A./M.A.) "A Global History of Human Rights", mit Riley Linebaugh, Institut für Politikwissenschaften, JGU Mainz Wintersemester
2019/20Übung (B.A.) „Forms of Transnational Solidarity in the 20th Century”, bi-linguales Angebot, mit Riley Linebaugh, Historisches Institut, JLU Gießen Wintersemester 2018/19 [Co-Teaching] Gestaltung einzelner Seminarsequenzen im BA-Proseminar „Nazis in Deutschland, auf der Flucht und im Exil. Nationalsozialisten nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1970)“ mit Benjamin Brendel, Historisches Institut, JLU Gießen